Neues Bauen am Ural

Verwaiste Schule in Magnitogorsk, Architekt Wilhelm Schuette (Foto: Mark Escherich)
Verwaiste Schule in Magnitogorsk, Architekt Wilhelm Schuette (Bild: Mark Escherich)

Fällt der Name Ernst May, denkt man wohl in erster Linie an die Siedlungen des Neuen Frankfurts, vielleicht noch an Hamburg Neu Altona oder die Neue Vahr in Bremen. Mit dem Entwurf prototypischer Arbeitersiedlungen in der UdSSR verbinden ihn jedoch die Wenigsten. Und doch verbrachte der ehemalige Frankfurter Stadtbaurat die Jahre 1930 bis 1934 in der Sowjetunion, wo er mit Unterstützung seiner Kollegen Mart Stam, Grete Lihotzky, Walter Schwagenscheidt und anderen die von Nikolaj Miljutin umrissene Vision des „Sozgorod“ (dt. „sozialistische Stadt“) praktisch umsetzen sollte. Mit großen Kompetenzen ausgestattet, gingen die deutschen Architekten und Stadtplaner daran, auf der grünen Wiese Retortenstädte für die sowjetischen Arbeiter zu entwickeln. Sie befanden sich im Wettlauf mit der rasanten Industrialisierung.

Die ernst-may-gesellschaft in Frankfurt widmet diesem Themenkomplex seit Mitte Mai unter dem Titel „Magnitogorsk – Alte und neue Ansichten einer May-Stadt am Ural“ eine Fotoausstellung. Gezeigt werden historische und aktuelle Bilderpaare mit Motiven der von May geplanten Stadt Magnitogorsk. Die Perspektiven sind die gleichen, der Zahn der Zeit hat dem Motiv aber in der Regel sichtlich zugesetzt. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Juli 2014 zu sehen. (jr, 4.6.14)