Berlin, Ernst-Reuter-Platz, (Bild: Ulrich Borgert)

„Neuplanung“ am Ernst-Reuter-Platz

„Neuplanung“ am Ernst-Reuter-Platz

Berlin, Ernst-Reuter-Platz, (Bild: Ulrich Borgert)
Schon eingekesselt: das Berliner Bürohaus am Ernst-Reuter-Platz 6 (Bild: Ulrich Borgert)

In diesen Monaten spielt das Abrisswesen verkehrte Welt: Geht es um bedrohte „Betonmonster“, öffnen (zu Recht!) immer mehr Architekturnerds ihr Herz für die schroffe Unbekümmertheit des Brutalismus. Schwerer haben es aktuell glas-alu-glänzende Zeugen des Internationalen Stils, die mit einer glatten Wirtschaftswelt gleichgesetzt werden. Doch auch aus dieser prägenden Architekturphase fallen gerade bemerkenswerte Bauten (vom Vegla-Haus in Aachen über die Saarberg-Verwaltung in Saarbrücken bis zum Hamburger Allianz-Haus).

In Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf droht dieses Schicksal einem Bürogebäude am Ernst-Reuter-Platz 6. Den denkmalgeschützten Hochhausbau gestaltete von 1969 bis 1974 der Architekt Bernhard Binder (mit Joachim Henschen), der u. a. am Berliner Europa-Center (1965, Helmut Hentrich/Hubert Pletschnigg) mitwirkte. Für den Ernst-Reuter-Platz türmte Binder auf 47 Meter Höhe einen fast kubistisch zu nennenden Baukörper, den Glas- und Metallbänder gliedern. Doch glaubt man der Presse, wird der markante Bau mit dem „Masterplan City West“ zum Abriss freigegeben. Bereits jetzt ist das Haus, das zuletzt von der Telekom bespielt wurde, (abgesehen vom Copyshop im Erdgeschoss) leergezogen. Hier darf der Unternehmer Christian Pepper wohl einen Neubau – entsprechend dem benachbarten Telefunken-Hochhaus – von bis zu 80 Metern Höhe errichten. (kb, 10.9.16)