Campione, Casino Minicipale (Bild: AdmComSRL, CC BY-SA 3.0)

Nichts geht mehr in Campione

Wer in der italienischen Exklave Campione d’Italia am Ostufer des Luganer Sees wohnt, hat es geschafft. Wenn man sich in der Steueroase umschaut, glaubt man sich in der Schweiz: Die Hauptwährung ist der Franken, die Autos haben Schweizer Nummernschilder, man hängt am Schweizer Telefonnetz. Grundlage der paradiesischen Zustände in der 2000-Seelen-Gemeinde war seit 1917 das Casino Campione Municipale Italia, das zu seinen besten Zeiten einen Jahresumsatz von 180 Millionen Franken verbuchen konnte – und vor einem Jahr pleite machte. Rund 500 Menschen verloren ihre Jobs, und eine durchaus schräge Post-Postmoderne-Architekturikone ist in den Wartestand gerutscht.

Das monumentale Casinogebäude mit dem Charme der 1990er öffnete tatsächlich 2007 die Pforten, Architekt ist kein Geringerer als Mario Botta. Sein Prunkbau wird wegen der Form des Haupthauses auch „Stimmgabel“ genannt. Seit August 2018 ist er geschlossen, und während die Lage für die Angestellten und den Ort Campione immer prekärer wird, sind erste Überlegungen zu Umbau oder Umnutzung des Casinos in Gange. Von einem teilweisen Hotelbetrieb bis zum Krankenhaus gehen die Vorschläge. Doch derzeit haben Sie noch die Chance, Mario Bottas Tessiner Wuchtbrumme in ihrer Ursprungsgestalt zu besichtigen – wenn auch nur von außen. (db, 22.7.19)

Campione, Casino Minicipale (Bild: AdmComSRL, CC BY SA 3.0)