"Die geteilte Stadt" (Bild: littleBIGcity Berlin)

Niemand hat die Absicht

Dass Berlin baulich kleinere Brötchen backen muss, ist viel eingefordert, aber seltener eingelöst worden. Nun setzt die „Merlin Entertainments Group Deutschland“ am Alexanderplatz auf Miniaturen. Anfang Juli wurde die „littleBIGcity Berlin“ eröffnet, eine Stadtlandschaft in klein. Putzige Menschen in putzigen Straßenzügen und etwas High-Tech (Projektionen und anderes neumodisches Equipment) sollen Kindern ab sechs Jahren auch einen lehrreichen Gang durch die Geschichte bieten: die Anfänge Berlins, die Industrialisierung, die Weimarer Republik und die Goldenen Zwanziger, Berlin 1933, die Zerstörte Stadt, die Geteilte Stadt, die Moderne Metropole Berlin.

Beim ersten Versuch, auf der Betreiberhomepage „Berlin 1933“ anzuklicken, verweigert sich das System bezeichnenderweise mit „Server Error“. Beim zweiten Versuch erscheint der brennende Reichstag, dessen Miniatur-Simulation vom zielgruppenangepassten Beitext als „epischer Moment“ angepriesen wird. Der digitale Schritt in die „Geteilte Stadt“ zeigt leuchtende Kinderaugen über der – halb von Miniaturmauerspechten erklommenen – Mauer: „Du kannst was viele nicht konnten – frei vom Palast der Republik zum Ku’Damm gehen“, so der Kommentar. Sehen wir einmal ab von kulturhistorischem Bedenkenträgertum (Scheint „Berlin ist … ’ne dufte Stadt!“ als Lernziel nicht ein wenig unterambitioniert?). Wir empfehlen dann doch eher einen Abstecher ins Hamburger Miniatur-Wunderland. Da gibt es wenigstens authentische Demonstranten. Und eine Modellbahn. (kb, 24.7.17)

„Die Geteilte Stadt“ (Bild: littleBIGcity Berlin)