Éric Tabuchi und Nelly Monnier suchen auf ihren Fototouren nicht nach den großen Ikonen der Architekturmoderne – wie langweilig wäre das denn. Stattdessen haben sie einen besonderen Blick für das Alltägliche in der Baukunst, die „Modernité ordinaire“. Unter diesem Titel präsentieren sie aktuell ihre Aufnahmen im Architektur- und Kulturzentrum L’îlot-in S Annecy im Haute-Savoie. Diese Arbeiten sind Teil eines größeren Projekts, das sie seit 2017 vorantreiben. Mit dem Atlas des Régions Naturelles (ARN) dokumentieren die Fotograf:innen die französischen Alltagslandschaften und -architekturen: vom Wohnhaus bis zur Straße, vom Ladengeschäft bis zum Hinweisschild. Für die aktuelle Ausstellung bereisten Tabuchi und Monnier die Regionen Faucigny, Genevois, Chablais und Savoie Propre in den Départements Haute-Savoie und Savoie.
Mit ihrem ARN-Projekt können die beiden Fotograf:innen auch das Bewusstsein dafür schärfen, dass wir in den kommenden Jahren nicht mehr aus der Fülle werden schöpfen können, wie es noch in der Nachkriegszeit möglich war. Stattdessen verdienen es auch scheinbar weniger qualitätvolle Bauten, unvoreingenommen betrachtet, bewahrt und repariert zu werden. Ästhetisch bietet dieser künstlerische Zugang den großen Vorteil, dass alle Besucher:innen der Ausstellung – seien sie architekturhistorisch interessiert oder nicht – ihren eigenen Alltag, ihr eigenes Umfeld wiedererkennen und so tiefer in die Materie einsteigen können. Die Präsentation „Modernité ordinaire“ wurde wegen des hohen Interesses verlängert und ist daher noch bis zum 19. September 2026 im französischen L’îlot-S in Annecy (7 esplanade Paul Grimault, 74000 Annecy) zu sehen. (kb, 25.8.26)

„Modernité ordinaire“ mit Fotografien von Éric Tabuchi und Nelly Monnier (Bild: Ausstellungsinstallation, via ilot-s.caue74.fr)
