Ostmoderne mal anders

Halles Roter Turm - hier noch ohne Spitze (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-G0916-0006-002 / CC-BY-SA 3.0)
Halles Roter Turm – hier noch ohne Spitze (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-G0916-0006-002,  CC BY SA 3.0)

Vor 40 Jahren erlebte Halle an der Saale ein architektonisches Topevent. Schaulustige aus der ganzen Region strömten in die Stadt, um das Spektakel mitzuerleben. Nein, die Rede ist nicht von der Grundsteinlegung das Stadteils Halle-Neustadt – das war 1964! Im September 1975 rekonstruierten Hallenser Architekten und Denkmalpfleger das Dach des Roten Turms im Zentrum der Stadt. Die tonnenschwere Turmspitze maß stolze 20 Meter und wurde auf dem Marktplatz vormontiert. Um sie auf den Turm zu hieven, beorderte man der höchste Kran der DDR nach Halle. Unter den Augen tausender Hallenser senkte sich der Koloss in 40 Meter Höhe auf den roten Turm.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit hatten sich Stadtplaner noch für einen Abriss des im Krieg stark beschädigten mittelalterlichen Bauwerks ausgesprochen. DDR-Denkmalschützer setzten jedoch den Erhalt des Wahrzeichens durch, in den 1950er Jahren wurde er mit einem notdürftigen Dach versehen und teilweise rekonstruiert. Mit dem spektakulären Aufsetzen der Spitze waren die Arbeiten abgeschlossen. Das Jubiläum will man in Halle zum Anlass nehmen, die Erinnerung an den Wiederaufbau der Stadt stärker im historischen Bewusstsein zu verankern. Einen Anfang machen seit dem 11. Septermber 2015 entsprechende Hinweistafeln rund um den Marktplatz. (jr, 26.10.15)