Watching Nostalgia

Watching Nostalgia

watching_nostalgia_bild_transcript-verlagWas macht Nostalgie im Fernsehen? Inwieweit ruft ein nostalgischer Text ein nostalgisches Gefühl hervor? Und wie werden nostalgische TV-Serien von verschiedenen Zuschauergruppen wahrgenommen? Diesen und weiteren Fragen geht Stefanie Armbruster in ihrem aktuell erschienen Buch „Watching Nostalgia. An Analysis of Nostalgic Television Fiction and its Reception“ nach. Sie wählt hierfür einen fächerübergreifenden Ansatz.

In ihrer detailreichen Analyse beschäftigt sich Armbruster mit nostalgischen Remakes und Wiederaufnahmen wie „Knight Rider“ oder „Mad Men“. Gespräche mit Zuschauergruppen in Deutschland und Spanien geben darüber hinaus Einblick in die Rezeption dieses „Nostalgia-TV“. Die tiefgehende Studie hilft dabei, die Wechselbezüge nostalgischer Texte und ihrer nostalgischen Rezeption besser zu verstehen – ein entscheidendes Element, das die Nostalgie-Serien zu einem allgegenwärtigen Element in unserer heutigen Fernsehlandschaft macht. (kb, 27.9.16)

Armbruster, Stefanie, Watching Nostalgia. An Analysis of Nostalgic Television Fiction an its Reception, transcript-Verlag, Bielefeld 2016, 436 Seiten, ISBN 978-3-8376-3509-6.

Postmoderne – neu gelesen

Postmoderne – neu gelesen

Archithese_Postmoderne„Den Architekturdiskurs der 1970er- und 1980er-Jahre wieder entdecken“ – unter diesem Anspruch ist das neue Heft von „archithese“ erschienen. Denn der postmoderne Diskurs hat Schwung in die Architektur gebracht und neue Möglichkeitsräume aufgespannt. Derzeit tauchen wieder vermehrt „junge Wilde“ in der Architekturszene auf, deren Arbeiten auf die Ästhetik, Strategien und Konzepte der Architektur-Postmoderne verweisen. Es wird lustvoll collagiert, zitiert, verfremdet und mit Witz und Ironie entworfen.

Daher fragen die Autoren für das aktuelle archithese-Heft: Welches Potenzial kann eine Reflexion der postmodernen Debatte für die junge Generation haben? Das Heft „Postmoderne – neu gelesen“ erweckt mit sieben Aufsätzen von Postmoderne-Experten Philosophie, Haltungen und Gestaltungsstrategien zu neuem Leben. Sie umschiffen dabei einige der etablierten Lesungen, um neue Blickwinkel zu ermöglichen. Zudem zeigt die archithese-Redaktion eine grosse Zahl beeindruckender Zeichnungen und Pläne aus den 1970er und 1980er Jahren. Die Hoffnung, die sich daran knüpft: „Ein Heft mit dem Blick nach hinten, aber in der Hoffnung anzuregen, den derzeit recht verkrusteten Diskurs aufzubrechen.“ (kb, 26.9.16)

Telefonzellen im Sommerloch

Telefonzellen im Sommerloch?

Wien-Essling, Telefonzelle in der Esslinger Hauptstraße, 1979 (Bild: TARS631, gemeinfrei)
Was der Wiener – hier ein Blick in die Esslinger Hauptstraße – so brauchte, fand er 1979 auf einem Fleck: einen Abfalleimer, eine Tramhaltestelle und eine Telefonzelle (Bild: TARS631, gemeinfrei, 1979)

Heute ist jeder jederzeit per Handy erreichbar – vorausgesetzt er hat Empfang und der Akku spielt mit. Die Alternative, das gute alte Telefonhäuschen, macht sich zunehmend rar. In Österreich wollte man dem Sterben der „öffentlichen Sprechstellen“ entgegenwirken und verpflichtete die heute mehrheitlich privatwirtschaftlich getragene A1 Telekom per „Universaldienstverordnung“ (UDV) dazu, die Zahl der Stationen von 1999 beizubehalten.

In den letzten Monaten jedoch verdichtet sich für viele Österreicher der Eindruck, dass sich die Telefonzellen zunehmend rar machen. Um dem gefühlten Schwund auf den Grund zu gehen, stellten die österreichischen Medien eigene Recherchen an. Grundsätzlich ist die „Regulierungsbehörde“ dafür zuständig, die Einhaltung der UDV zu überwachen. Nur scheint niemand zu wissen (oder es laut sagen zu wollen), wo und wie viele Telefonzellen es 1999 gab bzw. es heute noch gibt. A1 Telekom spricht von ungefähr 14.000 Standorten, aber ihre genaue Lage sei laut Regulierungsbehörde ein „Betriebsgeheimnis“. Es fehlt also der exakte Maßstab, um einen Schwund zu beweisen. Wie praktisch. Bleibt wohl nur, jede verbliebene Sprechstelle mit Wehmut zu grüßen und zu Hause den Handyakku aufzuladen. (kb, 25.9.16)