"Poesie der Schönheit. Paul Schmitthenner" (Bild: Hohenzollerisches Museum Hechingen)

Wie poetisch darf modern sein?

Wie poetisch darf modern sein?

"Poesie der Schönheit. Paul Schmitthenner" (Bild: Hohenzollerisches Museum Hechingen)
„Poesie der Schönheit. Paul Schmitthenner“ (Bild: Hohenzollerisches Landesmuseum Hechingen)

Sieht nicht aus wie Nachkriegsmoderne, ist es aber, zumindest dem Baujahr nach: Das „Neue“ Rathaus im schwäbischen Hechingen wurde 1958 eingeweiht. Die Pläne stammten vom Altmeister Paul Schmitthenner (1884-1972), der in einem Atemzug mit Paul Bonatz der „Stuttgarter Schule“ zugerechnet wird. Nach seinem Studium in München und Karlsruhe hatte Schmitthenner im Geist der Reformarchitektur u. a. den Bau der Gartenstadt Carlowitz bei Breslau angeleitet. Ebenso machte er sich als Hochschullehrer und Autor mit Werken wie „Das deutsche Wohnhaus“ einen Namen. Damit steht Schmitthenner in einer gemäßigten, an regionalen Formen ausgerichteten Tradition der Moderne.

Grund genug für das Hohenzollerische Landesmuseum in Hechingen, dem dortigen Rathaus und seinem Architekten eine Ausstellung zu widmen. Unter dem vielversprechenden Titel „Poesie der Schönheit“ soll Schmitthenners Spätwerk gewürdigt werden. Für die Organisatoren steht dieser Bau beispielhaft für Schmitthenners Streben nach einer jenseits aller Modeströmungen gültigen, „schönen“ Bauform. Anhand zahlreicher Entwürfe und seltener Handzeichnungen soll der vielschichtige Prozess von der Projektstudie über die Planungs- und Bauarbeiten bis zur Fertigstellung greifbar werden. Die Präsentation ist im Hohenzollerischen Landesmuseum (Schloßplatz 5, 72379 Hechingen) noch bis zum 11. September diesen Jahres zu sehen. (kb, 8.6.16)