Pritzker-Preis posthum

Mal nicht das Olympiastadion:  Auch die Bonhoeffer-Kirche in Bremen-Huchting (1971) ist ein Werk von Frei Otto (Bild: Roland Kutzki)
Mal nicht das Olympiastadion: Auch die Bonhoeffer-Kirche in Bremen-Huchting (1971) ist ein Werk von Frei Otto (Bild: Roland Kutzki)

Frei Otto ist tot. Die Meldung, dass der Schöpfer der sagenhaften Dachlandschaften des Münchner Olympiaparks verstorben ist, kam zeitgleich mit der Kunde, dass ihm 2015 der Pritzker-Preis verliehen werden sollte. Die Bekanntgabe dieser Entscheidung wurde aufgrund der Todesnachricht um zwei Wochen vorgezogen. Otto ist – nun posthum – der 40. Träger des Pritzker-Preises und nach Gottfried Böhm (1986) erst der zweite Deutsche überhaupt, der den „Nobelpreis der Architektur“ erhält. Die Jury würdigte ihn als „Architekten, Visionär und Utopisten“. Die Nachricht vom Ableben des (bereits informierten) Preisträgers sei „sehr traurig“, etwas derartiges habe es in der Geschichte des Preises noch nie gegeben, so das Pritzker-Komitee.

Die Dächer des Olympiageländes München (1972), gemeinsam mit Günther Behnisch und Jörg Schlaich realisiert, sind mit Fug und Recht weltberühmt. Doch der am 31. Mai 1925 geborene Otto hat in all seinen Bauten – die in München zum Höhepunkt gekommene – Schwerelosigkeit propagiert: so beim Segeldach des Kölner Tanzbrunnens (1957), der Bremer Bonhoeffer-Kirche (1971) und natürlich beim Deutschen Pavillon zur Weltausstellung in Montreal (1967) – der Blaupause für München. Bis zuletzt arbeitete Frei Otto in seinem Atelier in Warmbronn an der gebauten Version von der Leichtigkeit des Seins. Am 9. März ist er zwei Monate vor seinem 90. Geburtstag gestorben (db, 11.3.15)