Abreißen ist teuer, denn es hat weitreichende Folgen für Baukultur, Klima und Gesellschaft. Nur werden viele dieser Konsequenzen nicht transparent gemacht und ihren Verantwortlichen in Rechnung gestellt. 12.000 Gebäude werden in Deutschland jährlich abgerissen, so die amtlichen Zahlen – inoffiziell dürften es mehr sein. Dabei bieten Erhalt und Umbau gute Möglichkeiten, mit dem Bestand kreativ umzugehen. So lassen sich Ressourcen schonen, gewachsene Gemeinschaften schützen und kulturelles Erbe bewahren. Warum also die Logik nicht umdrehen: Nicht der Erhalt, sondern der Abriss muss begründet werden.
Dieser Genehmigungsvorbehalt für Abrisse wird von Fachleuten und Initiativen bereits seit Jahren gefordert. Doch gerade die, die darüber politisch (mit) entscheiden können, haben diesen Punkt heute nicht auf der Tagesordnung: In Berlin tagt aktuell die Bauministerkonferenz. Aus diesem Anlass protestierten heute die Anti-Abriss-Allianz, die Deutsche Umwelthilfe und Architects for Future gemeinsam vor dem Tagungsort. Konkret fordern sie eben jenen Genehmigungsvorbehalt für Gebäudeabrisse: Vor einem Abriss müsse künftig geprüft werden, ob Erhalt, Sanierung oder Umbau über den gesamten Lebenszyklus nicht doch vorteilhafter sind als der Neubau. Als Gründungsmitglied der Anti-Abriss-Allianz unterstützt moderneREGIONAL dieses Anliegen. (kb, 10.9.26)

Berlin, Rotes Rathaus, Protest von Anti-Abriss-Allianz, Umwelthilfe und Architects for Future vor Bauamtsleiterkonferenz (Bild: Corinna Tell, 10. September 2026)

Pottum, St. Barthololmäus, 1966 Neubau eines Kirchschiffs nahe der historischen Kirche, 2023 Abriss des Schiffs, Ersatzbau für Gemeindearbeit und liturgisches Angebot neben dem (nunmehr abgerissenen) Altbau, historischer Turm bleibt erhalten (Bild: Ralf Krob, 2023)

