Auch wenn seit einigen Jahren alles, was Flachdach und Fensterband zeigt, dem Bauhaus zugeschlagen wird, hier haben wir einen veritablen Bauhaus-Absolventen vor uns: Der Schweizer Architekt und Fotograf Georg Rauh (1906–1965) wechselte nach einer Ausbildung zum Zimmermann 1928 nach Dessau und diplomierte 1931 bei Mies van der Rohe. Diesen Einfluss merkt man seinem Werk der Zwischen- und Nachkriegszeit in der Ostschweiz deutlich an – klar und reduziert und eine Vorliebe für Holz. In diesem Geist lehrte Rauh an Gewerbeschulen und entwarf Häuser im Sozialen Wohnungsbau, damit sich der Wunsch nach einem guten Leben und ein kleiner Geldbeutel nicht ausschließen müssen. Das Werk Rauhs umfasst insgesamt rund 100 Bauwerke.
Zwar hat Rauh zeitlebens die Öffentlichkeit nicht gesucht und es damit – bislang – nicht zu überregionaler Bekanntheit gebracht, doch seinem Talent für die Fotografie verdanken sich präzise und qualitätvolle Aufnahmen seiner Bauten. Im Luzerner Quart Verlag wird sein Werk nun erstmals mit einer Monografie gewürdigt: „Georg Rauh – Das Bauhaus in der Schweiz, die hölzerne Moderne und Genossenschaftsbauten“. Nach einer Einführung in sein Schaffen werden in der Publikation einzelne Bauten in Wort und Bild vorgestellt. Dabei werden originale Pläne und Abbildungen um aktuelle Aufnahmen der Fotografin Ladina Bischof ergänzt. De beiden Herausgeberinnen des Bands, die Architektinnen Christine Egli und Dorothy Holt Wacker, haben beide an der ETH Zürich ihren Abschluss gemacht. (kb, 12.2.26)

St. Gallen Sonnenhaldenstraße 20a, Wohnhaus Georg Rauh (Bild: google-Streetview)
