Ende Juli endet der bisherige Nutzungsvertrag fürs Potsdamer Rechenzentrum (RZ). Im Anschluss könnte die Stiftung Garnisonkirche weiteren Wiederaufbau des Kirchenbaus vorantreiben – ihr gehört ein Teil des Grundstücks des Recghenzentrums. Finanziell sind die Wiederaufbaupläne derzeit aber kaum realisierbar. Wie also soll es weitergehen? Ein von Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos) vorgeschlagener fester Räumungstermin für das Kreativhaus Rechenzentrum in sieben Jahren hat keine Aussicht auf eine Mehrheit im Stadtparlament: Die Fraktionen von SPD, Grünen, Linken, BfW und Die Andere sind für den Weiterbetrieb ohne zeitliche Einschränkungen. Den Sieben-Jahres-Kompromiss befürworten zumindest die Nutzer:innen, nicht aber den dann anstehenden Abriss des RZ. Die Zeit für eine tragbare Entscheidung drängt jedoch, die aktuellen Nutzungsverträge für das Haus laufen Ende Juli aus, es droht ohne Zustimmung der Stiftung Garnisonkirche ab dann sogar eine Nutzungsuntersagung.
Die Stiftung kann sich dem Vernehmen nach einen Weiterbetrieb vorstellen, wenn ihr Recht gewahrt bleibt, eines Tages den Abriss des Rechenzentrums verlangen zu dürfen – den die Stadt zahlen müsste. Hier stehen für sieben Jahre noch Fördermittel zur Verfügung. Das Rechenzentrum in der Innenstadt von Potsdam, 1969 bis 1971 nach Plänen des Architekturkollektivs Sepp Weber für den (VEB) Maschinelles Rechnen als Datenverarbeitungszentrum des Bezirkes Potsdam errichtet, ist der letzte Teil des ostmodernen Ensembles, das nach 1990 von der ARAG erworben und unter anderem vom brandenburgischen Landesamt für Statistik genutzt wurde. Seit 2015 hat hier das Kreativzentrum seinen Platz. Der Mosaikzyklus „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ am Erdgeschoss des Gebäudes ist denkmalgeschützt. Geschaffen hat ihn der Künstler Fritz Eisel (1929-2010), Großvater der Musikproduzenten Fritz und Paul Kalkbrenner. (db, 15.5.26)
Potsdam, Rechenzentrum (Bild: Deirfttog, CC BY-SA 4.0)

