Mannheim, abgebaute Betonreliefs von Otto Herbert Hajek (Bild: Maro Vedana, Februar 2019)

Hoffnung für Hajek

von Marco Vedana

Mein Weg zur Arbeit führte vorbei am ehemaligen Mannheimer Postbahnhof, auf dem Neubauten entstehen sollten. In den 1970er und 1980er Jahren hatte der Bildhauer Otto Herbert Hajek (1927-2005) hier auf 120 Metern Länge das Betonrelief „Blühende Stationen“ gestaltet: in den für ihn typischen geometrischen Formen mit roten, gelben und blauen Farbakzenten. 2016 konnte ich jeden Morgen den Fortgang der Abrissarbeiten am Postareal verfolgen. Damals dachte ich: Kunst am Bau darf man nicht einfach so zerstören. Doch dann ging es auch dem Hajek-Relief an den Kragen.

Für den Erhalt

In Mannheim unterhielt ich zusammen mit zwei Kollegen zwischen 2014 und 2016 die RAW Gallery. Melanie Schmitt vom Bezirksbeirat Schwetzingerstadt/Oststadt bot an, Fördergelder für kulturelle Events anzufragen. Dabei kamen wir ins Gespräch über die Betonreliefs. Gemeinsam trafen wir uns mit der Bauleitung am ehemaligen Postgelände, sprachen über Möglichkeiten des Erhalts. Zeitgleich erschienen dazu Artikel beim Mannheimer Morgen, denn parallel engagierten sich auch Ursula Dann und Annika Wind für die Reliefs. Nach Telefonaten mit Galerien und Banken, die mit Hajek zusammengearbeitet hatten, landete ich endlich bei Dr. Chris Gerbing, die vom Hajek Nachlass beauftragte Kunsthistorikerin. Auch der Kontakt zu Ursula Dann kam zustande – eine Interessengemeinschaft entstand.

Gute Presse

Über die RAW Gallery luden wir im April 2016 zum Info-Abend ein und das Interesse war enorm. Ursula Dann begrüßte die Gäste und schnitt das Thema an, Chris Gerbing ging in Hajek’sche Tiefe und anschließend wurde lebhaft diskutiert. Die Kunsthalle war auch da – später fand Annika Wind einen Briefwechsel zwischen dem Architekten, der Kunsthalle und Hajek: Der Bildhauer hatte sich noch selbst um eine Neuaufstellung seiner Werke an anderen Orten bemüht. Damit hatten wir den Beweis, dass ein Hajek-Kunstwerk eben nicht – wie so oft behauptet – mit der parallel entstandenen Architektur steht und fällt.

Wir erhielten weiterhin gute Presse und dann erklärte sich das Bauunternehmen Diringer und Scheidel (D&S) bereit, sechs der 2,50 Meter hohen Reliefplatten auf eigene Kosten abzubauen und für zwei Jahre zu lagern – bis sich mit der Stadt ein neuer Ort dafür gefunden hätte. Diese Gnadenfrist lief Ende 2018 aus, doch eine neue Heimat für die Hajek-Reliefs war nicht in Sicht.

Vor der Zerschredderung

Kurz vor Zerschredderung meldete sich die Lukaskirche Mannheim und zeigte Interesse, die Reliefs vor die Grenzmauer zum Nachbargrundstück zu setzen. Dieser Ort passt gut, hatte der Architekt Carlfried Mutschler die Sichtbeton-Kirche doch 1967 gemeinsam mit Hajek gestaltet. So erhielten wir von D&S sechs Monate Fristverlängerung. Nun wird das Vorhaben mit dem Dekan und mit den Architekten der Evangelischen Kirche Mannheim (EKMA) geprüft. Falls wir grünes Licht bekommen, wird es Zeit für einen Förderverein, um die Summe X für das Projekt zusammenzubekommen. Die Hajek-Skizzen, Zeichnungen und Notizen im Südwestdetuschen Archiv für Architektur und Ingenierbau (saai) werden uns helfen, bei einer Restaurierung genau den richtigen Farbton zu treffen. Mit einer Fotomonage können wir schon jetzt zeigen, wie gut die Hajek-Reliefs zu ihrem neuen Ort passen würden. (22.2.19)

Titelmotiv: Mannheim, eingelagerte Hajek-Reliefs (Bild: Marco Vedana)