Enzo Mari 1974, Adriano Alecchi (Mondadori Publishers, http://www.gettyimages.co.uk/search/2/image?phrase=Enzo%20Mari%20mondadori&family=editorial&sort=best&page=1&excludenudity=fals, CC0)

Revolutionäres Design: Zum Tode von Enzo Mari

Gemessen an den Themen die uns heutzutage beschäftigen, ist das Werk Enzo Maris absolut antizipatorisch: Schon vor 50 Jahren setzten sich seine Entwürfe und Schriften mit Nachhaltigkeit auseinander. In einer Zeit, in der die Kollegen die wunderbare Welt des knallbunten Kunststoffes für sich entdeckten, formulierte er mit seiner Möbelserie „Autoprogettazione“ die holzig-kantige Antithese. Möbel aus einfachen Materialien zum Selbstbauen. Was heute als „Do it yourself“ in aller Munde ist, galt manchen damals als Verrat. Design sollte den Alltag doch erleichtern und nicht verkomplizieren. Schnell galt der Norditaliener als Revoluzzer.

Darin offenbart sich die politische Dimension des überzeugten Marxisten. Design muss demokratisch sein. Die Radikalität seiner Entwürfe und die Beschränkung auf günstige Materialien können auch als Selbstermächtigungsakt gegen eine modische Gestaltung interpretiert werden, die letzten Endes nur der Verkaufsförderung dient. Dem Endverbraucher die Verantwortung für die Fertigstellung des Produktes in die Hand zu geben, verweist auf den pädagogischen Anspruch des Gestalters. Man sollte das Produkt nicht bloß Konsumieren, sondern durch den Entstehungsprozess einen Mehrwert erhalten. Mari lehrte an verschiedensten Universitäten, u.a. am Mailänder Polytechnikum. Am 19. Oktober ist Enzo Mari, einer der bedeutendsten Designer und Designtheoretiker unserer Zeit im Alter von 88 Jahren in Mailand infolge einer Covid-19-Infektion verstorben. (jm, 20.10.20)

Enzo Mari 1974, Adriano Alecchi (Mondadori Publishers, http://www.gettyimages.co.uk/search/2/image?phrase=Enzo%20Mari%20mondadori&family=editorial&sort=best&page=1&excludenudity=fals, CC0)