Campione d’Italia liegt, umrahmt vom schweizerischen Tessin, am Luganer See. Seit fast hundert Jahren lebte die Exklave ausschließlich vom großen Casino am Seeufer. Es war Arbeitgeber für wirklich jede Familie, und es war Glamour und Weltläufigkeit, Autorennen, Sophia Loren, Frederico Fellini. Die Pelzmäntel, die Karossen! Ihr Abglanz vergoldete alle. Eröffnet wurde der bestehende Bau im Mai 2007, Architekt ist der Schweizer Mario Botta (*1943). Das 70 Meter hohe Bauwerk, stilistisch in der Spät-Postmoderne angesiedelt, hat umgerechnet 90 Millionen Euro gekostet und verfügt über eine Geschossfläche von 63.500 Quadratmetern. 2018 meldete das Casino über Nacht Konkurs an. Pleite ist seitdem auch die Gemeinde, arbeitslos sind etliche ihrer Bewohner:innen. Tristesse liegt nach nunmehr bald acht Jahren über den Gassen und Promenaden, und über alledem brütet das Casino als ein sinnlos gewordener Koloss.
Im Filmclub des Burgtheaters Ratzeburg wird Morgen, am Dienstag, den 3. März, um 18.30 Uhr der Dokumentarfilm „Architektur des Glücks“ über die Spielbank von Campione d’Italia gezeigt. Er führt vor Augen, wie das Aus für Europas größtes Casino ein ganzes Dorf mit in die Pleite reißt. Die Filmemacher Michele Cirigliano und Anton von Bredow begaben sich 2025 auf eine Feldforschung in diesem einzigartigen Mikrokosmos und entdeckten eine vergangene, unheilvolle Mischung aus Sorglosigkeit, Selbstvergessenheit und Realitätsverlust: eine Parabel auf unser aller Beharrlichkeit im Angesicht der Krise… Weitere Infos gibt es hier. (db, 2.3.26)
Campione d’Italia, Casino Municipale (Bild: Gabri1990, CC BY-SA 4.0)

