Rom, Palazzo della Civiltà Italiana, 1943, Giovanni Guerrini, Ernesto Bruno Lapadula and Mario Romano (Ausstellung: „Ritual und Abstraktion“, TU München, Bild: Julián Bustamante)

Ritual und Abstraktion

Nüchtern, modern, marmorverkleidet – die Architektur des italienischen Faschismus hat über siebzig Jahre nach dem Ende der Diktatur nicht an Reiz eingebüßt. Die verführerische Faszination dieser Bauten hat seit der Nachkriegszeit viele Architekten, Historiker, Künstler und Intellektuelle auf- und angeregt. Heute stehen die Schönheit und Qualität der meisten Bauwerke der Mussolini-Zeit für die italienische Öffentlichkeit außer Frage, das war allerdings nicht immer so. Mal galten sie als hassenswerte Kulissen für die Selbstverherrlichung der Diktatur, mal als Meisterwerke der Moderne.

Warum werden ihre geometrisch geschnittenen Formen von heutigen Betrachtern immer stärker von den Umständen ihrer Entstehungszeit getrennt? Warum hat sich eine Ästhetisierung der faschistischen Architektur durchgesetzt? Die Ausstellung „Ritual und Abstraktion“ untersucht dieses Phänomen anhand dreier Fallbeispiele. Durch historisches Material, Texte und Fotografien wird der Besucher eingeladen, das Thema zu hinterfragen und Schlussfolgerungen zu einem zeitgemäßen und kritischen Umgang mit diesen komplexen Gebäuden zu ziehen. Die Präsentation ist noch bis zum 10. März zu sehen (je 9-13 und 14-18 Uhr) in der Fakultät für Architektur der TU München (Ecke Luisen-/Gabelsbergstr., Raum 2349 (2.Stock), 80333 München). (kb, 7.3.18)

Rom, Palazzo della Civiltà Italiana, 1943, Giovanni Guerrini, Ernesto Bruno Lapadula and Mario Romano (Ausstellung: „Ritual und Abstraktion“, TU München, Bild: Julián Bustamante)