Mit dem Projekt Rom/Döner geht eine ungewöhnliche Plattform zur Stadtentwicklung online. Sie versammelt im ersten Schritt neun Ideen, die spielerisch und zugleich ernsthaft neue Perspektiven auf die Mainmetropole eröffnen. Der Titel bezieht sich auf eine künstlerische Intervention in der Frankfurter U-Bahn-Station Dom/Römer, die vor einigen Jahren kurzerhand zu „Rom/Döner“ umbenannt wurde. Diese kleine Verschiebung von Zeichen und Bedeutungen steht sinnbildlich für das Projekt: Frankfurt erscheint hier als historisch gewachsener, aber veränderbarer Raum. Die neuen Ideen reichen von poetisch bis provokant. Eine davon schlägt vor, den Main im Untergrund sichtbar zu machen: Entlang des U-Bahn-Tunnels zwischen Willy-Brandt-Platz und Schweizer Platz könnten LED-Lichtbänder ein Unterwassererlebnis schaffen – eine Erinnerung daran, dass man hier unter dem Fluss fährt. Eine andere Idee denkt groß: Warum nicht das sogenannte Kenwood-Haus, das Ernst May in den 1930er-Jahren in Kenia errichtete, in Frankfurt rekonstruieren – als bewusstes Gegenstück zur neuen Altstadt und als Impuls für eine Debatte über die globale Dimension der Moderne am Main.
Auch städtebaulich wagt das Projekt Gedankensprünge: Mit dem „Dänischen Platz“ würde das beliebte Gründerzeitquartier um den Schweizer Platz im südlichen Stadtteil Sachsenhausen noch einmal nördlich des Mains gebaut – diesmal mit Architekturen der Gegenwart. Und „The Doors of Frankfurt“ lädt zu einem begehbaren Parcours durch die Frankfurter Architekturgeschichte ein: ein Korridor von Eingangstüren, jede stellvertretend für ein Jahrzehnt seit 1950. Die Website bietet unterschiedliche Zugänge: Eine interaktive Karte, ein farbiges Ordnungssystem und ein Register nach Orten, Persönlichkeiten und Begriffen – von ‚Alte Oper‘ bis ‚Zoo‘ – führen zu den neun Ideen. Manche sind an konkrete Orte gebunden, andere lassen sich frei assoziieren. Alle eint, dass sie Wahrnehmung verschieben, Geschichte(n) erzählen und die Stadt in Gedanken neu erfinden – unabhängig davon, ob sie jemals realisiert werden. Rom/Döner basiert auf Konzepten des Autors Kenneth Hujer, der das Projekt initiiert hat. Zugleich lädt es ausdrücklich dazu ein, eigene Ideen einzureichen, um Frankfurt gemeinsam immer wieder neu zu denken. (mR, 25.9.25)
Frankfurt, Rom/Doener (Grafik: Fabia Matveev)

