Am 9. November 2006 wurde die neue Münchener Hauptsynagoge Ohel Jakob am St–Jakobs-Platz eingeweiht. Bis dahin hatte die Jüdische Gemeinde die 1930/31 errichtete Synagoge in der Reichenbachstraße genutzt, die als einzige die Reichskristallnacht und den Zweiten Weltkrieg überdauert hatte. Nach jahrelangem Leerstand wurde sie ab 2021 durch das Büro Hilmer & Sattler und Albrecht restauriert. Die Initiative hierfür ging aus von der Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander und dem Rechtsanwalt Ron Jakubowicz, die bereits 2011 den Verein Synagoge Reichenbachstraße gründeten. Von den rund 14 Millionen Euro Baukosten tragen die Stadt München, der Freistaat Bayern und der Bund je 30 Prozent, die übrigen zehn Prozent brachte der Verein durch private Spenden auf. Künftig soll die Synagoge wieder für Gottesdienste nutzbar sein, aber auch kulturellen Aktivitäten und der Vermittlung jüdischer Kultur und Geschichte zur Verfügung stehen. Ob die unter Regie des Vereins oder der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern geschieht, ist noch offen.

Am 15. September wurde die Synagoge im Beisein von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und von Bundeskanzler Friedrich Merz wiedereröffnet. Er sei entsetzt darüber, dass der Antisemitismus in Deutschland wieder aufgeflammt sei, sagte der Kanzler. Und wer auch immer ihm die Empathie eines Holzbalkens unterstellt, wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt: „Ich möchte Ihnen sagen, wie sehr mich das beschämt: als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, aber auch als Deutscher, als Kind der Nachkriegsgeneration, als Kind, das aufgewachsen ist mit dem ‚Nie wieder‘ als Auftrag, als Pflicht, als Versprechen“, sagte Merz, der mit den Tränen kämpfte. Die Synagoge in der Reichenbachstraße wurde vom Architekten Gustav Meyerstein (1889-1975) im Stil des Neuen Bauens entworfen. Während der Novemberpogrome 1938 wurde sie verwüstet, aber nicht zerstört: Die Lage im eng umbauten Hinterhof bewahrte sie davor, in Brand gesetzt zu werden. Während des Krieges diente sie als Lager und Werkstatt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine pragmatische Instandsetzung und am 20. Mai 1947 wurde das Gebäude – bis zur Aufgabe 2006 – die neue Hauptsynagoge. Sie wurde erhalten, nie aber restauriert. Dies ist nun der Fall: Die ursprünglichen Bleiglasfenster und auch das Meyersteinsche Farbkonzept wurden rekonstruiert. 2024 erhielt der Synagogenverein originale Bauhaus-Stoffe der jüdischen Künstlerin Gunta Stölzl (1897-1983) aus München – ein Geschenk ihres Enkels Ariel Aloni aus den USA. Ein Tuch dient nun als Vorhang für den Thoraschrein. (db, 17.9.25)

München, Synagoge Reichenbachstraße April 2021 (Bild: Synagoge Reichenbachstraße e.V.)

München, Synagoge Reichenbachstraße April 2021 (Bild: Synagoge Reichenbachstraße e.V.)

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