Leipzig, Ministerrats-Gästehaus, 2010 (Bild: Martin Geisler, CC BY SA 3.0)

Sanierung ante portas

Nach 25 Jahren Leerstand wird das „Gästehaus des Ministerrates und Politbüros der DDR“ in Leipzig nun bis 2025 saniert. Im ostmodernen Gebäudeensemble sollen auf 10.600 Quadratmetern 130 Wohnungen unterschiedlicher Größe entstehen, die Bestandsbauten dafür denkmalgerecht saniert und erweitert werden. Es war quasi die Rettung in letzter Sekunde, denn die Substanz hatte sich zuletzt rapide verschlechtert – mittlerweile sind auch die Fassadenplatten, die auf unserem Bild noch vorhanden sind, abgenommen und keine einzige Scheibe mehr heil. Die Außengestaltung soll ebenso wieder hergestellt werden wie das unter Graffiti verschwundene Relief des Leipziger Malers Bernhard Heisig im Foyer.

Das Gästehaus wurde 1968 durch Walter Ulbricht eingeweiht, geplant hat es der Leipziger Architekt Wolfgang Scheibe. Hier residierten die SED-Größen und ausländische Staatsgäste. 1983 wurde in einem abhörsicheren Bunker unterm Haus der berühmt-berüchtigte Milliardenkredit für die DDR zwischen Erich Honecker, Alexander Schalck-Golodkowski und dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß besprochen. Nach der Wiedervereinigung wurde hier noch bis 1995 das „Hotel am Park“ betrieben, danach verkaufte die Treuhand die Immobilie an eine Restaurant-Kette, die ein Luxushotel einrichten wollte, wozu es unter etlichen Nebengeräuschen nie kam. 2012 übernahm ein Investor das Hotel, 2016 ging das Investorenlotto weiter – nun übernahm die Lewo-Gruppe, die nun die Sanierung tatsächlich in Angriff nimmt. Geht doch! (db, 11.4.20)

Leipzig, Ministerrats-Gästehaus, 2010 (Bild: Martin Geisler, CC BY SA 3.0)