Zürich,Triemli-Hochhaus (Bil: Port(uo)s, CC BY-SA 4.0)

Schön hässlich?

Wenn eine kostenlos erscheinende Pendlerzeitung zur Wahl des „hässlichsten Hauses der Schweiz“ aufruft, kann man sich fast sicher sein, dass Volkes Meinung vor allem gegen die noch immer ungeliebte Moderne wüten wird. So twitterte der Architekt Peter Egli vom Schweizer Heimatschutz angesichts der Ergebnisse: „Die Auswahl der Bauten und vor allem die Kommentare lassen mich ratlos zurück. Bessere Bildung im Bereich Baukultur für alle!“ Die Shit-List der Zeitung 20 Minuten ist in der Tat eher ein repräsentativer Rundgang durch die europäische Baugeschichte: Der Konvikt Chur findet sich hier ebenso wie das Telli-Quartier in Aarau. Titelgewinner ist ein Bau des Brutalismus: das Züricher Triemli-Hochhaus von 1966.

Errichtet wurde es nach Plänen des Architektenpaares Rudolf und Esther Guyer. Die ersten Entwürfe entstanden 1956, doch erst Jahre später wurde mit dem damals schon umstrittenen Bau begonnen. Heute gilt der 43 Meter hohe Turm – als Vertreter seiner Zeit – als schützenswert. Hinreißend ist die Reaktion des heute 89-jährigen Rudolf Guyer auf die populistische Aktion: „Dass Laien das Gebäude hässlich finden, ist mir egal. Hauptsache, den anderen Architekten gefällt es.“ Im Jahr 2012 hat man ein Wohnhaus im Kanton Schwyz zum hässlichsten Haus des Landes gewählt. Einige Jahre später wurde es tatsächlich abgerissen … (db, 20.8.18)

Zürich, Triemli-Hochhaus (Bild: Port(u*o)s, CC BY SA 4.0)