Wer gegen den Abriss von Bestandsbauten kämpft, arbeitet gerne mit Farben, um die Dringlichkeit seines Anliegens greifbar zu machen. Da hat die Bundesstiftung Baukultur nachhaltig daran gearbeitet, die graue Energie – gebunden im Bestand – in goldene umzubenennen. Da hat der Deutsche Verband für Kunstgeschichte (DVK) zum Thema die Rote Liste aus dem Naturschutz gekapert, (drohende) Verluste gesammelt und besonderen Irrsinn mit der Goldenen Abrissbirne prämiert. Nun präsentiert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) ihr neues „Schwarzbuch“. Ein Format, das normalerweise Fehlentwicklungen wie Steuerverschwendung im behördlichen Sektor brandmarkt. Damit lenkt die DSD gezielt den Blick auf die Abrisse von Denkmalen.

Verlorene Geschichte

Als Auftakt einer geplanten Reihe bündelt das „Das Schwarzbuch der Denkmalpflege. Ein Verzeichnis verlorener Geschichte 2023/24“ markante Beispiele für verlorene, gefährdete und gerettete Denkmale aller Stilepochen aus der gesamten Bundesrepublik. So weit, so bekannt. Doch die DSD will mehr, denn sie ergänzt die Beispielsammlung, die in exemplarischen Porträts und einer Übersichtskarte für rund 900 verlorene Denkmale vorgestellt wird, um einige prägnante Themenbeiträge. Hier sticht vor allem das Profil der Bahn ins Auge, die unerwartet deutlich als größte deutsche, aber wenig achtsame Immobilieneigentümerin angeprangert wird.

Im Schulterschluss

In vielen Details zeigt sich die DSD kämpferisch als politisch aktive Akteurin. Schade, dass dabei nicht der Schulterschluss mit anderen Initiativen im Bereich sichtbar wird, den die DSD in verschiedensten Kooperationen und Bündnissen ja bereits lebt. So zeigt eines der abschließenden Motivationsbilder etwa, wie sich der Bagger in den sog. Immerather Dom frisst, wie es das Abrissmoratorium 2022 ikonisch zu seinem Titelmotiv erhoben hatte. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Roten Listen von DVK, Denkmalnetz Bayern, Denkmalverein Hamburg, Architects for Future (A4F), Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA, Deutscher Umwelthilfe (DUH), KulturerbeNetz Berlin, Leibniz Universität Hannover, Theatrum e.V., invisibilis u. v. m.

Transparent machen

Alle Denkmalverluste seien im neuen Schwarzbuch natürlich nicht erfasst, betont die DSD ausdrücklich, denn dies ist aufgrund des diffusen Datenbestands bislang nicht möglich. Daher nutzt sie ihre 282-Seiten-Broschüre auch, um zentrale Forderungen zu illustrieren: Demnach sollen der Denkmalbestand bundesweit erfasst und die Denkmalfachlichkeit gestärkt werden. Man will Abrissvorhaben, Streichungen von der Denkmalliste und Denkmalverluste transparent veröffentlicht wissen. Auf dieser Basis müsse man bestehende Sanktionsmöglichkeiten nutzen, das Bauen im Bestand stärken und vereinfachen sowie den Denkmalschutz ernst nehmen und aktiv Lösungen suchen. Damit auch positive Anreize nicht zu kurz kommen, fordert die DSD für Denkmale und deren Eigentümer:innen finanzielle Entlastung und niedrigschwellige Förderprogramme.

Es geht weiter

Für das gemeinsame Anliegen vieler Initiativen und Akteur:innen kann speziell die DSD (speziell im Printformat) auf eine breite Zielgruppe zurückgreifen, die für das Anti-Abriss-Thema noch nicht im möglichen Maß aktiviert wurde. Dafür bietet das Heft viele Tipps zum aktiven Helfen – und natürlich auch zum Spenden für die gute Sache. Insofern gilt der Dank für das erste der Anti-Denkmalabriss-Schwarzbücher pauschal der DSD, konkret dem Team des diesjährige Bands: Eva Masthoff, Kerstin Haseloff, Luise Zander und Felix Eichert. (kb, 19.8.25)

Zwickau, Mino-Tankstelle, vor dem Teilabriss von 2023 (Bild: MMB2111, CC0 1.0, 2022)

Zwickau, Mino-Tankstelle, vor dem Teilabriss von 2023, das Vordach ist somit für ein Bauprojekt der Stadt bereits verloren gegangen, um den Erhalt des Restgebäudes ringt man vor Ort noch (Bild: MMB2111, CC0 1.0, 2022)

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