Besichtigung des Sep-Ruf-Hauses in München im April 1951 (Bildquelle: Revue in Deutschland, 1951)

Sep-Ruf-Haus wird 70

In München genügen 1951 noch acht Etagen, um (fast) als Hochhaus durchzugehen: Die „Revue in Deutschland“ widmet dem Bau in der Theresienstraße, den der Architekt Sep Ruf für den Verein zur Behebung der Wohnungsnot e. V. Nürnberg entworfen hatte, gleich eine ganze Seite. Auf einer der Pressefotografien blickt eine kommende Mieterin, natürlich blutjung und attraktiv, erschrocken in die Tiefe: „Hu – ist das hoch!“ ist sie untertitelt. Der Vorteil des Balkons im siebten Stock wird gleich mitgeliefert. Man sei so nah an der Sonne, blicke malerisch über die Dächer der Stadt und könne sich das Ganze auch noch leisten. Vom 7. bis 15. April 1951 standen die Interessent:innen in der Maxvorstadt Schlange, als die eingerichtete Musterwohnungen besichtigt werden durften. Zur Erinnerung an den 70. Geburtstag des Hauses hat die Sep-Ruf-Gesellschaft nun eine Schautafel anbringen lassen. Immerhin hatte der Architekt hier ungewöhnlich früh (für das eher traditionell gesinnt bauende München) zu einer leichten eleganten Moderne gegriffen.

Der Architekturkritiker Hans Eckstein beschrieb den Ruf-Entwurf 1950 in der Süddeutschen Zeitung als „ausgezeichnete Lösung“, um ein lichteres gesünderes Wohnen zu verwirklichen. Bis heute hat sich die schmale, leicht zurückgesetzte Wohnscheibe fast unverändert erhalten. Es sind die Details, die aus dem denkmalgeschützten Haus ein qualitätvolles machen. Im Untergeschoss wurden Läden untergebracht, darüber stapeln sich 42 nach Süden gerichtete Wohnungen. Mit seiner verglasten Seite öffnet sich jede rund 60 Quadratmeter fassende Grundfläche zur Sonne. Die eleganten Fenstertüren, die grazilen durchlaufenden Balkone, die schlanke Fenster ohne Sturz und Schwelle stehen für die Leichtigkeit, die in den folgenden 1950er Jahren zum architektonischen Leitbild werden sollte. (kb, 30.4.21)

München, Sep-Ruf-Haus (Bild: Josef-Grillmeier, 2019)

München, Sep-Ruf-Haus, oben: Besichtigung im April 1951, unten: Straßenansicht 2019 (Bilder: oben: Revue in Deutschland, 1951; unten: Josef Grillmeier, 2019)