Wałbrzych (Waldenburg), Kaufhaus Schocken, 1928 (Bild: Paweł Marynowski, CC BY SA 3.0, via wikimedia commons, 2013)

Simon Schocken – jüdischer Kaufhauspionier

Mit ihrem neuen Buch porträtieren Claudia Kleemann und Martin Ulmer den jüdischen Unternehmer Simon Schocken, der im frühen 20. Jahrhundert gemeinsam mit seinem Bruder und Geschäftspartner Salman mit dem Kaufhauskonzern Schocken nicht nur für satte Gewinne, sondern auch für innovative Baukunst sorgte. Kein Geringerer als der Architekt Erich Mendelsohn gestaltete für die Warenhauskette die Häuser in Nürnberg, Stuttgart und Chemnitz.

Die Arbeitersiedlung („Schockensiedlung“) im Zwickauer Stadtteil Weißenborn z. B. träg deutlich die Handschrift von Simon Schocken. Er gilt als der Praktiker des Duos, der die hohen sozial-humanistischen Ansprüche des Kaufhauskonzerns auch in der Architektur umgesetzt wissen will. Selbst Vorsteher der Gemeinde von Zwickau, entwirft er etwa Trauerhallen für jüdische Friedhöfe. Als Simon Schocken 1929 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, übernimmt Bruder Salman die Leitung des Unternehmens, das die Familie zuletzt unter dem Druck der Nationalsozialisten weit unter Wert veräußern muss. Grund genug, sich in das Leben des architekturbegeisterten Visionärs einzulesen. (kb, 7.11.20)

Kleemann, Claudia/Ulmer, Martin, Simon Schocken. Jüdischer Kaufhauspionier – Philanthrop – Gestalter, Schmetterling-Verlag, Stuttgart 2020, 224 Seiten mit Illustrationen, gebundenes Hardcover, ISBN 3-89657-163-X.

Wałbrzych (Waldenburg), Kaufhaus Schocken, 1928 (Bild: Paweł Marynowski, CC BY SA 3.0, via wikimedia commons, 2013)