Matteo Thun, Topolino, 1986 (Bild: Marta Herford, Marcus Schneider)

Sinnlich statt funktional

Im Bauhaus-Jahr den Funktionalismus gerade mal nicht feiern – das hat sich das Museum für Zeitgenössische Kunst Marta in Herford (Goebenstraße 2–10, 32052 Herford) auf die Fahnen geschrieben. Und das sogar im Titel der neuen Ausstellung: „Rebellische Pracht – Design Punk statt Bauhaus“ heißt es dort bis 1. September 2019. Okay, ob man kunterbunte, sinnliche Postmoderne der 1980er wirklich als Punk bezeichnen möchte, ist Interpretationssache. Als Gegenthese zur klassisch-modernen Nüchternheit sind die ausgestellten Designobjekte aber bestens geeignet. Möbel, Leuchten, Haushaltsgegenstände und auch glücklich machender Nippes von Gestaltern wie Ettore Sottsass, Matteo Thun oder Robert Venturi erstrahlen in farbenfroher, oft betont sinnfreier Pracht.

Basis der Ausstellung ist die einstige Sammlung der Designfirma anthologie quartett, die sich nun in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – Archiv der Avantgarden (AdA) befindet. Das (kleingeschriebene) quartett entstand 1983 durch vier Gründungsmitglieder, als Galerie für Architektur, Design, Kunst und Mode in Hannover, eines war der Lübbecker Apotheker Rainer Krause (1952-2013), der sich auch um die Architektur verdient machte: Der von ihm initiierte Neubau der Bahnhofapotheke Lübbecke wurde 1976 von Superstudio in Florenz entworfen – und bescherte Deutschland eines der ersten postmodernen Bauwerke überhaupt. (db, 3.6.19)

Matteo Thun: Topolino, 1986 (Bild: Marta Herford/ Marcus Schneider)