Sozialismus im Schmalfilmformat

Das Projekt fokussiert das Alltagsleben vieler DDR-Bürger - zum Beispiel den Ausflug zur Datsche (Bild: RIA Novosti archive, image #487609, V. Lozovskiy, CC-BY-SA 3.0)
Das Projekt zeigt das Alltagsleben vieler DDR-Bürger – zum Beispiel den Ausflug zur Datsche (Bild: RIA Novosti archive, image #487609, V. Lozovskiy, CC-BY-SA 3.0)

Wer kennt sie nicht, die Fernsehbilder der greisen SED-Führung, die 1989 unverdrossen die letzte Parade der NVA abnahm, während Ehrengast Gorbatschow schon nach der Uhr sah. Auch der dicke Bruderkuss, mit dem Erich Honecker seinen sowjetischen Gast Brežnev begrüßte, ist durch diverse Geschichtsdokus längst Teil der kollektiven Erinnerung. Der filmische Blick darauf ist geprägt von der Arbeit professioneller Kameraleute. Doch nicht mehr lange, wie Ostmoderne.org meldete.

Eine von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderte Initiative will dies nun ändern und den historischen Alltag Ostdeutschlands aus einer anderen Perspektive anschaulich machen. Das Forschungsprojekt „Open Memory Box“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, historisches Bildmaterial zum DDR-Alltag zu sammeln. Dabei finden ausschließlich Aufnahmen von Amateurfilmern Berücksichtigung. Die 8 mm-Schmalfilmkamera PentAka, seit 1958 in Dresden hergestellt, erfreute sich großer Beliebtheit und machte viele DDR-Bürger zu Hobbyregisseuren. Die Wissenschaftler planen die Anlage eines digitalen und online frei abrufbaren Filmarchivs. Wer seine Schmalfilmaufnahmen zur Verfügung stellt, bekommt zum Dank eine digitale Kopie zugesandt. (jr, 23.9.14)