Ibbenbüren, St. Ludwig (Bild: mapio.net)

Streit um St. Ludwig

Auch wenn diese Kirche auf den ersten Blick nicht danach aussieht, sie stammt aus dem Jahr 1952: Errichtet nach Plänen des Architekten Walter Kremer, entstand in Ibbenbüren eine für das Westfalen jener Jahre charakteristische historisierende Wandpfeilerkirche mit Rundbogenmotiven. Die heute prägende Gestaltung erhielt St. Ludwig 1971 unter dem Münsteraner Architekten Dieter G. Baumewerd. Damals wurde auch die Ausstattung nachkonziliar aufgefrischt: mit liturgischen Orten in zeittypischem Plexiglas des Designers Wilfried Hegger, mit Fenstern des Glasmalers Bodo Schramm und mit dem Wandbild „Gerundetes Rot“ des Architekten und Künstlers Rupprecht Geiger. Letzterer erneuerte sein Werk 1996 im Zuge einer Sanierung des Altarraums 1996 in einem kräftigen Pink-Ton. Manche erinnert dieser Farbakzent an christliche Themen wie die Auferstehung, andere sehen darin einen Sonnenaufgang – in jedem Fall orientiert sich der weiß gefasste Innenraum bis heute an diesem Blickpunkt. Jüngst wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt, dazu zählt auch die bedeutende künstlerische Ausstattung von 1971/96. Vor Ort fürchtet man jedoch die sprichwörtliche Käseglocke, die überhaupt keine Veränderungen mehr im Gottesdienstraum zuließe.

Bereits seit drei Jahren ringen die Beteiligten um das rechte Maß, aber inzwischen haben sich die Fronten verhärtet. Nun klagt die Gemeinde, unterstützt vom Bistum, gegen den Denkmalbescheid. Der strittige Punkt liegt nicht im ob, sondern im Ausmaß des Schutzes. Für die Gemeinde, deren Widerstand sich unter dem Namen „Kirchenspinner“ gesammelt hat, steht mehr liturgische Flexibilität im Mittelpunkt. Man will die Messe bei Bedarf im Oval feiern und die Trennung von Altar- und Gemeinderaum aufheben können, was u. a. eine Veränderung von Fußbodenbelag und -niveau bedeuten könnte. Die „große“ Denkmalpolitik, die geplante Novellierung des Denkmalschutzgesetzes in NRW, befeuert den Konflikt. Denn eine damit verbundene Schwächung der Landschaftsverbände könnte, so das Kalkül des Bistums, eine juristische Entscheidung zugunsten der kirchengemeindlichen Forderungen begünstigen. (kb, 18.7.21)

Ibbenbüren, St. Ludwig (Bild: mapio.net)