Offenbach, Trauerhalle Neuer Friedhof (Bild: Daniel Bartetzko)

Streitthema Offenbacher Trauerhalle

Rund 50 Jahre alt sind die Hauptgebäude des Neuen Friedhofs Offenbach/Main, und in den vergangenen Jahren wurde in ihre Instandhaltung kaum mehr investiert. Auf derartige Vernachlässigung folgt üblicherweise irgendwann der Wunsch nach Abriss – da eine Sanierung unwirtschaftlich sei. Dies ist auch in Offenbach so: Die städtische Betreibergesellschaft ESO (altdeutsch: Stadtwerke) möchte die 1968 eingeweihte Trauerhalle abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Die Kosten lägen wie bei der Sanierung bei 3 Millionen Euro. Als Argumente gegen den weiß überstrichenen Brutalismus-Altbau werden mangelnde Barrierefreiheit, Schimmelprobleme und die sich bei Temperaturschwankungen gefährlich wölbenden Bleiglasfenster genannt.

Hier tritt nun der Künstler Bernd Rosenheim auf den Plan, der ebenjene Fenster seinerzeit entwarf. Der 87-Jährige droht unter Berufung auf sein Urheberrecht mit Klage, sollte der Magistrat den Abriss beschließen. Zudem sei dieser „bei der bekannten Finanzlage der Stadt (…) ein Schlag ins Gesicht des Steuerzahlers.“ Es handele sich bei der Trauerhalle um eine nichtalltägliche Architektur eines Sakralbaus, der allein schon erhaltenswert sei. „Damit verbunden ist ein von mir plastisch gestaltetes Portal im Zusammenhang mit einem Fries farbiger Glasfenster. Es ist eines meiner Hauptwerke auf dem Gebiet der Glasmalerei“, schrieb Bernd Rosenheim in einem Brief an die Stadt. Dem ist wenig hinzuzufügen. (db, 1.8.19)

Offenbach, Trauerhalle Neuer Friedhof (Bild: Daniel Bartetzko)