Hamburg-Veddel: Abriss abgewendet

Die späten 1920er Jahre brachten für viele deutsche Städte neuen Schwung in den sozialen Wohnungsbau. Von Frankfurt bis Hamburg entstanden Siedlungen für die breite Masse der Bevölkerung. In der Hansestadt stellte der Werkbund-Mitbegründer Fritz Schumacher als Stadtplaner die Weichen für zeitgemäßes Wohnen. Auf der Veddel wurde von den Architekten Willy Berg und Max Paasche eines der ersten städtischen Wohngebäude für Hafenarbeiter errichtet, das über fließendes Warmwasser verfügte – daher stammt auch die heute noch gängige Bezeichnung „Warmwasserblock“.

Obwohl die Wohnanlage 2015 vom kommunalen Wohnungsunternehmen SAGA erworben wurde, diskutierte man im Sommer 2018 öffentlich über den Abriss. Doch es kam anders. Ende 2018 wurde die Siedlung als Kulturdenkmal eingestuft. Damit waren die Abrisspläne zwar nicht vom Tisch, doch Bewohner und Öffentlichkeit engagierten sich für den Erhalt. Wie die Stadt Hamburg kürzlich in einer Pressemitteilung bekannt gab, sei es nun gelungen, einen für alle Beteiligten tragbaren Kompromiss zu finden. Statt des Abrisses steht nun eine denkmalgerechte Sanierung an. (mk, 20.3.20)

Hamburg-Veddel, Warmwasserblock (Bild: historische Abbildung, PD)

„California Dreaming“ in Wien

Eine Konferenz am IFK tagt vom 1. bis 3. April 2020 zur Bedeutung von Wiener Einflüssen auf die kalifornische Moderne um Richard Neutra. Das ist kein Zufall, denn Neutra wurde 1892 in Wien geboren und studierte dort an der Technischen Hochschule unter anderem bei Adolf Loos. Nachdem er einige Zeit im Büro von Erich Mendelsohn mitgearbeitet hatte, zog Neutra mit seiner Familie 1923 in die USA und 1925 ins bekanntlich immer sonnige Kalifornien. Mit dem Health House für das Ehepaar Lovell in den Hügeln von Los Angeles gelang Neutra 1929 der Durchbruch. Bald sollte er zu einem der international bekanntesten Protagonisten moderner Architektur werden, dem besonders die Gesundheit der Bewohner am Herzen lag. Auch in Deutschland baute er in den 1960er Jahren einige Wohnhäuser und zwei kleinere Siedlungen in Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt und Quickborn bei Hamburg.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt die Konferenz. Am 1. April 2020 laufen im METRO Kinokulturhaus verschiedene Filme, die mit Neutras Werk verbunden sind. Ein besonderes Highlight dürfte das Gespräch von Matti Bunzl mit dem jüngsten Sohn Raymond Neutra am 2. April 2020 sein (Anmeldung erforderlich!). Noch bis zum 20. September 2020 ist zudem im Wien Museum (MUSA) die Ausstellung „Richard Neutra – Wohnhäuser für Kalifornien“ zu sehen. (mk, 25.2.20)

Palm Springs, Kaufmann House (Bild: Shaqspeare, CC BY-SA 3.0)

Brücke nicht abbrechen

Zur schönen Blütenstadt Leichlingen gehört Brücke. Ja, nicht nur „die“ Brücke, sondern ein Siedlungsbereich in der Innenstadt. Zu erreichen ist Brücke, direkt an der Wupper gelegen, über eine (einst namensgebende) Brücke. Die erste Flussquerung an dieser Stelle wurde 1597 errichtet, erneuert wurde sie unter anderem 1757 und 1868. Bis in die 1920er Jahre musste ein „Brückenpfennig“ zur Instandhaltung des Bauwerks entrichtet werden. Die jetzige Brücke ist die insgesamt sechste, und sie könnte eventuell noch lange Bestand haben.

Gebaut wurde sie im Jahr 1926 nach Plänen des Ingenieurbüros, seit 1989 heißt sie nach der französischen Partnerstadt „Marly-Le-Roi-Brücke“. Nach bald 100 Jahren ist die Bogenbrücke aus Stahlbeton nun allerdings marode, und die Stadt würde sie gerne erneuern. Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland prüft derweil die Unterschutzstellung des Bauwerks, dessen markante Bögen ohnehin auf Logos, Vereinsfahnen und Karnevalsorden (wir sind schließlich im Bergischen Kreis) zu sehen sind. Die Chancen auf die Unterschutzstellung stehen gut – auch wenn die Stadtverwaltung dies als vermeintlichen kostentreibenden Faktor gar nicht so gern sähe. Schaun `mer mal! (db, 15.2.20)

Leichlingen, Marly-Brücke (Bild: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0)