Brücke nicht abbrechen

Zur schönen Blütenstadt Leichlingen gehört Brücke. Ja, nicht nur „die“ Brücke, sondern ein Siedlungsbereich in der Innenstadt. Zu erreichen ist Brücke, direkt an der Wupper gelegen, über eine (einst namensgebende) Brücke. Die erste Flussquerung an dieser Stelle wurde 1597 errichtet, erneuert wurde sie unter anderem 1757 und 1868. Bis in die 1920er Jahre musste ein „Brückenpfennig“ zur Instandhaltung des Bauwerks entrichtet werden. Die jetzige Brücke ist die insgesamt sechste, und sie könnte eventuell noch lange Bestand haben.

Gebaut wurde sie im Jahr 1926 nach Plänen des Ingenieurbüros, seit 1989 heißt sie nach der französischen Partnerstadt „Marly-Le-Roi-Brücke“. Nach bald 100 Jahren ist die Bogenbrücke aus Stahlbeton nun allerdings marode, und die Stadt würde sie gerne erneuern. Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland prüft derweil die Unterschutzstellung des Bauwerks, dessen markante Bögen ohnehin auf Logos, Vereinsfahnen und Karnevalsorden (wir sind schließlich im Bergischen Kreis) zu sehen sind. Die Chancen auf die Unterschutzstellung stehen gut – auch wenn die Stadtverwaltung dies als vermeintlichen kostentreibenden Faktor gar nicht so gern sähe. Schaun `mer mal! (db, 15.2.20)

Leichlingen, Marly-Brücke (Bild: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0)

Kaiserslautern: Strategien der Moderne

Noch bis zum 20. Dezember 2019 ist im Foyer des Rathauses Kaiserslautern die Ausstellung „Strategien der Moderne am Beispiel einer Stadt: Kaiserslautern“ zu sehen. Der Begriff der Moderne wird dabei weit gefasst: Die Wanderausstellung, die bereits in Mainz und Trier zu sehen war, nimmt die architektonische Entwicklung der Stadt zwischen 1800 und der Gegenwart in den Blick. Im Mittelpunkt steht das Wirken des Architekten Hermann Hussong, der ab 1909 für die Stadt Kaiserslautern tätig war.

Hussong hatte unter Theodor Fischer an der Technischen Hochschule München studiert und machte in Kaiserslautern zunächst mit dem Bau des neuartigen Waldfriedhofs auf sich aufmerksam. In den 1920er Jahren zeichnete er für zahlreiche Wohnsiedlungen verantwortlich, die mal dem Expressionismus und mal dem Neuem Bauen zugeordnet werden können. An ihnen soll auch Walter Gropius Interesse gezeigt haben, wie der Kurator Matthias Schirren erläutert. 1933 wurde Hussong aus seinem Amt gedrängt. Erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt er wieder eine Position als Oberbaudirektor in Heidelberg, wo er bis 1952 arbeitete und schließlich 1960 verstarb. (mk, 24.10.19)

Kaiserslautern, „Grüner Block“ (Bild: Leiflive, CC BY SA 4.0, 2018)

Handwerk am Bauhaus

Kunst, Handwerk oder Kunstgewerbe? Keine dieser Kategorien trifft eindeutig auf die historische Tätigkeit der Bauhaus-Werkstätten in Dessau zu. In der Tischlerei, Metallwerkstatt und Weberei der Kunstschule suchten ihre Akteure ebenso nach idealen Prototypen für die industrielle Produktion, wie sie einzigartige künstlerische Artefakte fertigten. Auf eine einheitliche Position konnten sie sich nicht einigen. Die Ausstellung „Handwerk wird modern. Vom Herstellen am Bauhaus“ widmet sich dem Themenkomplex am historischen Schauplatz: der Weberei im Dessauer Bauhausgebäude. Sie stellt das Handwerk des Bauhaus dabei auch aktuellen Designpositionen gegenüber.

Manche der Erzeugnisse der Bauhaus-Werkstätten avancierten vom handwerklich gefertigten Prototyp zum industriell gefertigten Bestseller, andere blieben gestalterisches Experiment. Neben diesen eigentlichen Produkten stehen auch die Werkzeuge und Maschinen im Fokus der Ausstellung. Auch hier bewegte sich das Bauhaus zwischen klassischem Handwerk und Mechanisierung: So war etwa die Metallwerkstatt mit modernen Drehmaschinen und Drückbänken aus den Junkers-Werken ausgestattet, dennoch blieb auch die Gefäßherstellung an den Silberschmiedebänken bestehen. Die Ausstellung ist bis zum 7. Januar 2018 zu sehen. (jr, 13.7.17)

Wassilychair im Bauhaus (Bild: Wassilychair, Bild: Spyrosdrakopoulos, CC BY SA 4.0)