Hauptbahnhof Paderborn fällt

Wir geben es zu: Auch wenn der Hauptbahnhof Paderborn aus den 1950er Jahren stammt, gehört er nicht wirklich zu den Inkunabeln der Nierentisch-Ära. Nun sind seine Tage gezählt, denn was die Bahn bereits fast 10 Jahre geplant hat, wird nun in Angriff genommen: Das 1953 eingeweihte Gebäude wird durch einen Neubau ersetzt. Anfang August wird es endgültig geschlossen, und dann können die Abrissarbeiten beginnen. Während der Arbeiten müssen die Fahrgäste mit einem Container-Provisorium vorlieb nehmen. Bis Anfang 2022 soll vom Altbau nichts mehr zu sehen sein, der Neubau des Bahnhofsgebäudes inklusive Hotel mit rund 380 Betten soll nach Hoffnung der Planer im September 2023 abgeschlossen sein.

Der erste Entwurf des Neubaus durch einen örtlichen Investor stieß dabei auf deutliche Kritik: Unter anderem der BDA Ostwestfalen-Lippe forderte, einen Wettbewerb zu starten. „Die jetzt veröffentlichte Entwurfsplanung klärt zwar die Situation für die Reisenden und Abholenden, zerstört aber mit seinem massiven, in unharmonische Proportionen und Formen gesetzten Fassadenbild sowie der Masse jegliche Leichtigkeit, die der Situation angemessen wäre. Ja, sie negiert zudem auch noch die städtebaulich wichtige Situation eines großzügigen Bahnhofvorplatzes“, hieß es 2018 in einer Presseerklärung. Über Gespräche mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) wurde schließlich ein überarbeiteter Entwurf abgesegnet, der vom Büro archwerk stammt. (db, 12.7.21)

Paderborn, Hauptbahnhof 2007 (Bild: Stefan Flöper, CC BY-SA 4.0)

Niederrheinhalle Wesel: Abriss wahrscheinlich

Die Corona-Pandemie hat die letzten Pächter in die Insolvenz getrieben. Nun ist das Schicksal der sanierungsbedürftigen Niederrheinhalle Wesel wohl vollends besiegelt: Nach einer Begehung Ende November wurde laut der NRZ ein „verheerender Zustand“ festgestellt. Hallentechnik, Heizanlage und auch die Deckenkonstruktion seien hinüber. Noch im Dezember könnte der Rat den Abriss der Halle 2022 beschließen. Davor wird sie allerdings ein letztes Mal prominent genutzt: Der Kreis favorisiert das Gebäude als temporäres Corona-Impfzentrum.

Die 1955 als Schützensaal erbaute Veranstaltungshalle wurde zuletzt 1993 umfassend saniert und ging in den Besitz der Stadt Wesel über. Das Grundstück an den Paradewiesen gehört bis heute den Weseler schützen. Die 1400 Quadratmeter große Halle sowie der 450 Quadratmeter große Parkettsaal bieten etwa 1300 Gästen Platz. Volksfeste, Karneval, Ü30 Partys und viele Comedians, gaben sich hier die Klinke in die Hand. Angesichts der schwierigen die Eigentumsverhältnisse zogen sich die Diskussionen über eine Kostenübernahme schon geraume Zeit hin. Auch ohne die Insolvenz des Pächters hätte der Betrieb der Halle vermutlich Ende 2021 geendet. (db, 2.12.20)

Frankfurter Kommunikaze

Ende 2019 sorgte die Nachricht, dass das traditionsreiche Frankfurter Haushaltswarengeschäft Lorey sein Stammhaus zwischen Schillerstraße und Großer Eschenheimer Straße aufgibt, für Aufsehen. Geplant ist der Umzug ins nahegelegene Einkaufszentrum „My Zeil“. Als Grund nannte Lorey-Geschäftsführer Philipp Keller das Alter der derzeit genutzten Immobilie. Gebaut wurde sie bis 1954 unter Einbeziehung einer Kriegsruine in der Schillerstraße. Wie üblich in der nahezu unbezahlbar gewordenen Frankfurter City fand sich jetzt in Lichtgeschwindigkeit ein Investor. Da nach Auskunft der Stadt kein Denkmalschutz bestand, kam der Verkauf (geräuschlos) ins Laufen. Ein weiteres Stück Stadtgeschichte droht zu verschwinden.

Doch Anfang April überraschte das hessische Landesamt für Denkmalpflege mit der Auskunft, dass das Lorey-Gebäude als Beispiel eines gut erhaltenen 1950er-Jahre-Geschäftshauses unter Denkmalschutz gestellt worden sei – eine Nacherfassung der zuletzt vor 20 Jahren überarbeiteten Innenstadt-Denkmalliste. Die Investoren, die das Haus durch einen Neubau ersetzen wollen, sollen ihre Pläne nun dem Landesamt für Denkmalpflege vorstellen. Die Stadt will dem bisherigen Eigentümer entgegenkommen und hält zumindest einen Teilabriss für möglich. Bei aller Freude über den (wahrscheinlichen) Erhalt zumindest des Bauteils in der Großen Eschenheimer Straße bleibt dennoch der Eindruck mangelnder Kommunikation zwischen den Denkmal-Fachleuten – die im schlimmsten Fall dem Verkäufer schweren wirtschaftlichen Schaden hätte zufügen können. (db, 7.7.20)

Frankfurt, Lorey-Haus (Bild: Deutsches Architektur Forum, Schmittchen)