Rhein-Neckar-Nord-kaputt …

Die Sparkasse Rhein-Neckar-Nord plant, 2022 ihr Hauptgebäude am Mannheimer Paradeplatz abzureißen, um an gleicher Stelle neu zu bauen. Man habe die Option einer Renovierung des in seinen Ursprüngen von 1953 stammenden Baus im Quadrat D 1 untersucht, sei aber zum Schluss gekommen, dass hier kein ein modernes, energieeffizientes Gebäude herzustellen sei, heißt es seitens der Sparkasse. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog das Finanzunternehmen an seinen heutigen Standort. Bereits in den 1960er- und 1980er-Jahren wurde das Gebäude renoviert, erhielt unter anderem eine neue Fassade. 2022 ist zugleich das Jahr des 200-jährigen Jubiläums der Sparkasse.

Nun läuft zunächst ein Architektenwettbewerb für den Neubau. Sparkassen-Vorstand Stefan Kleiber sagt, es solle ein „Null-Energie-Haus“ mit Fotovoltaik und Solar entstehen. Insgesamt wolle man 30 bis 40 Millionen Euro in das Projekt investieren, das 2025 abgeschlossen sein soll. Der Abriss startet zwar erst in knapp 2 Jahren starten, doch erste Vorbereitungen sind im Gange: Mithilfe eines Archivars werden die alten Dokumente im Keller gesichtet. So ist ein Sparbuch aus dem Jahr 1827 aufgetaucht, ebenso die Gründungsurkunde. Auch Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus lagerten im Untergeschoss, darunter Revisionsunterlagen, Protokolle und die Kündigung eines Mitarbeiters, der nicht arischer Herkunft war. Stefan Kleiber betont: „Zum Jubiläum wollen wir unsere Geschichte kritisch aufarbeiten.“ (db, 23.2.20)

Mannheim. Sparkasse am Paradeplatz (Bild: R. Stricker, CC0)

Caltex-Comeback

Nein, der Markenname Caltex kommt nicht zurück – der ist in Deutschland bereits seit 1969 nicht mehr gebräuchlich. Doch eine der wenigen erhaltenen Typen-Tankstellen hat vor einigen Tagen den Betrieb wieder aufgenommen: Anfang 2015 schloss die Shell-Station im Stadtteil Erlenstegen die Pforten. Sie residierte in ebenjenem 1958 fertiggestellten, denkmalgeschützten früheren Caltex-Bau – damals in ganz Bayern der letzte seiner Art, der noch immer in Nutzung war. Die mangelnde Nachfrage bewog den Shell-Konzern, den Benzinverkauf hier einzustellen. Doch nun hat das Wirtschftswunder-Relikt wieder geöffnet: als Automatenkankstelle und befreit vom wuchtigen Werbebanner rund ums filigrane Flugdach.

Gebaut wurden die Caltex-Tankstellen ab 1956 Entwürfen des Frankfurter Architekten Willy H. Weisensee, der drei unterschiedlich große Typbauten schuf. Schon Anfang der 1960er Jahre griff der Konzern bei neu zu errichtenden Stationen auf konventionelle Architektur zurück, die (in der Rückschau) identitätsstiftenden Corporate-Identity-Tankstellen mit dem schwungvollen Dach blieben ein kurzes Kapitel der Firmengeschichte. Ab 1969 prangte statt des Caltex-Sterns dann das Chevron-Wappen an den Gebäuden. Und auch Chevron-Kraftstoffe sind hierzulande schon lange vom Markt verschwunden. Umso überraschender – und erfreulicher – dass eine solch kleine Tankstelle die Jahrzehnte weitgehend unbeschadet überstanden hat … (db, 11.2.20)

Nürnberg-Erlenstegen, Shell vor 2016 (Bild: Matthias Süß, CC BY-SA 4.0)

Als Fernseher noch vermöbelt wurden

Allen Unkenrufen vom sterbenden Medium zum Trotz ist der Fernseher hierzulande noch immer das Zentrum diverser Wohnzimmer. Eigens für ihn entworfene Anrichten setzen den meist flachen Bildschirm in altarhafter Manier in Szene und bieten DVD-Player und weiterem Zubehör Raum. Doch das war nicht immer so: die ersten Geräte, die für den Heimgebrauch angeboten wurden, antizipierten ihr neues Umfeld und eroberten das Wohnzimmer in hölzerner Tarnung. Eine jüngst erschienene Untersuchung nimmt diese Medien-Vermöbelung in den Blick und sucht nach Rückschlüssen auf die bundesrepublikanische Wohnkultur.

Der Fokus liegt auf den mächtigen Geräten der 1950er und 60er Jahre. Mit der Analyse von historischem Quellenmaterial aus Einrichtungs- und Programmzeitschriften, Werbeanzeigen und Fernsehfibeln stellt die Studie dabei einen Kulturvergleich mit den USA an. Doch so historisch, wie der Gegenstand auf den ersten Blick scheint, ist die Vermöbelung des Fernsehers gar nicht: 2012 brachte ein großer schwedischer Möbelhersteller eine Einrichtungskombination auf den Markt, die, so versprach die Werbung, „Fernsehen, Soundsystem und Möbelstück […] endlich [!] vereint“. (jr, 25.10.18)

Miggelbrink, Monique, Fernsehen und Wohnkultur. Zur Vermöbelung von Fernsehgeräten in der BRD der 1950er- und 1960er-Jahre, transcript, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4253-7.

Landwarenhaus, Lübow, 1960 (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-71699-0003, CC BY SA 3.0)