Sonntagsausflug nach Ludwigshafen

In den vergangenen Wochen hat das Laufen in jeglicher Form zwangsläufig wieder mehr Wertschätzung erfahren. Eine Runde „um den Block“ gehört für viele dazu. Doch irgendwann wird das eintönig. Sie wissen nicht mehr, wohin der nächste Spaziergang noch führen könnte, weil Sie jeden Kieselstein in ihrer Umgebung persönlich kennen? Wir schaffen Abhilfe – mit dem mR-Sonntagsausflug (am Freitag, damit Sie für Sonntag planen können!).

Unsere Premiere führt nach Ludwigshafen am Rhein, genauer gesagt an die „Froschlache“ . Statt der bekannten Hochstraßen und Industrieanlagen zeigt die Stadt hier ihre idyllische Seite: Zwischen Baggerseen und Feldern ließ die firmeneigene Wohnungsbaugesellschaft GEWOGE des Chemie-Konzerns BASF für ihre Mitarbeiter vier Wohnhochhäuser errichten. Entworfen wurden die 22-geschossigen Hochhaus-Scheiben vom Architekten Heinrich Schmitt und dessen Büropartner Gerd Volker Heene. Die Baukörper zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Grundriss nicht rechteckig sind, sondern an der Breitseite zur Mitte hin breiter und an der Schmalseite zur Mitte hin schmaler werden. Das Konstruktionsraster der umlaufenden Balkone mit Drahtglas-Brüstungen prägt die Fassaden. In jedem Haus liegen 105 Wohnungen. 1966 konnten die ersten Bewohner einziehen. Von ihren Balkonen haben sie den vollen Überblick – von den Baggerseen im Vordergrund bis zu den rauchenden Schloten am Horizont. (mk, 8.5.20)

Ludwigshafen, Froschlache-Hochhäuser (Bild: Immanuel Giel, CC0)

Die 1960er in Frankfurt

Das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt zeigt in seiner aktuellen Ausstellung „Bewegte Zeiten“ die Main-Metropole in den 1960er Jahren. Am Montag, den 17. Februar, startet die begleitende Veranstaltungsreihe mit einem Vortrag von Kurator Markus Häfner über „Frankfurts Stadtbild im Wandel: Bauen für Kultur, Arbeiten und Wohnen“. Heiß diskutierte Fragen waren einst unter anderem: Was entsteht zwischen Dom und Römer? Soll die Alte Oper wieder aufgebaut werden? Was hilft gegen die Wohnungsnot? Wie kann das Verkehrschaos behoben werden? Wie kann Architektur die Bildungs- und Kulturvermittlung unterstützten? Was ist modern, was zweckmäßig, was abrissbedürftig?

Dass sich der Fragenkatalog der 1960er kaum von dem 2020 unterscheidet, ist dabei schon jetzt einer der interessanten Aspekte … Mit der Nordweststadt entstand ein neuer Stadtteil auf der grünen Wiese, 1968 dazu Frankfurts erste U-Bahn. Die Farbwerke Hoechst schenkten ihrer Belegschaft zum Firmenjubiläum 1963 die Jahrhunderthalle. Im gleichen Jahr, in dem auch die nun vom Abriss bedrohten Städtischen Bühnen die Pforten öffneten. Und auch der (jüngst ersetzte) Henninger Turm ist ein Kind der 1960er. Markus Häfner will den Zusammenhang zwischen architektonischer Gestaltung und den gesellschaftlichen Vorstellungen jener Ära veranschaulichen. Beginn ist am 17.2. um 18 Uhr im Dormitorium des Karmeliterklosters, Münzgasse 9. Seien Sie pünktlich: Es besteht nur ein begrenztes Platzangebot, Reservierungen sind nicht möglich. (db, 16.2.20)

Frankfurt, Hauptwache und Zeil um 1965 (Bild: Wikiwand)

Rückkehr der Arbeiterklasse

Im Rathaus Neubrandenburg kehrt die sozialistische Kunst zurück: Die Restauratorin Helma-Konstanze Groll hat mit der Freilegung des zweiteiligen Bildes „Kampf und Sieg der Arbeiterklasse“ von Wolfram Schubert begonnen, das 1991 überklebt worden war. Der heute 93-jährige hatte das Werk 1969 zum 20. Jahrestag der DDR für die SED-Bezirksleitung und den Rat des Bezirks geschaffen. Als das Bezirksratsgebäude nach der Wiedervereinigung zum Rathaus wurde, kamen die Maler… Anlässlich der jetzigen Sanierung des Ostmoderne-Baus von 1967 wurde beschlossen, das Wandbild wieder sichtbar zu machen. „Wir können heute viel offensiver mit solcher Kunst umgehen, als gleich nach der Wende“, so Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos).

Wolfram Schubert, der dem Arbeitsbeginn beiwohnte, sagte denn auch, dass er „das heute nicht mehr so malen würde“ – schon mit Blick auf die Ereignisse des Prager Frühlings 1968. Der nahe Jüterbog geborene Schubert war von 1965-88 Vorsitzender des Bezirksverbands Bildender Künstler in Neubrandenburg und 1973-77 Leiter des Fachgebiets Malerei an der Kunsthochschule Weißensee. Er galt als einer der einflussreichsten Künstler der DDR. Die Kosten, das 30 Quadratmeter große Werk zu restaurieren, auf dem unter anderem Marx und Lenin abgebildet sind, werden auf etwa 100.000 Euro geschätzt. Wolfram Schubert hat angeboten, bei Bedarf auch selbst das Gerüst zu erklimmen. (db, 9.2.20)

Neubrandenburg, Rathaus, Ausschnitt „Kampf und Sieg der Arbeiterklasse“ (Bild: Stadtarchiv Neubrandenburg)