Kulturdenkmal Ferienwohnung

Der Schwarzwald ist um ein Kulturdenkmal reicher: In Sasbachwalden-Brandmatt ist eine Ferienwohnanlage vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg unlängst als Denkmal gelistet worden, wie die BNN berichten. Es ist ein besonderes Kleinod, das hier im Schatten der Hornisgrinde entstand. Anstelle anheimelnder Holzhütten erwarten Terrassenhäuser mit Laubengang-Erschließung die Gäste. Die fahren erst einmal über eine Ringstraße in das “Dorf im Dorf” und parken dann direkt unter ihrem Apartment. In der Mitte des Rings befindet sich das ursprünglich als Hotel errichtete Haupthaus.

Gebaut wurde die Anlage zwischen 1971 und 1975 nach Plänen von Heinz Jakubeit und Gerhard Seebacher. Um das Haupthaus herum ordneten Jakubeit und Seebacher die Terrassenhäuser in gestaffelten Zeilen an. Durch ihre Fassaden und Satteldächer in braunen Faserzementplatten wurden sie harmonisch in die Landschaft eingebunden. Grün gefasste, metallene Balkonbrüstungen und Geländer an den Laubengängen sowie Stützmauern aus Sichtbeton zählen zum bauzeitlichen Farbkonzept. Man mag sich dabei vielleicht am winterlichen Schwarzwald orientiert haben? Obwohl das Hotel samt Restaurant inzwischen ebenfalls zu Ferienwohnungen umgebaut wurde, hält es bis heute Schwimmbad und Sauna für Urlauber:innen vor. Der außergewöhnliche Erhaltungszustand hat auch die Denkmalpflege überzeugt und lässt die Ferienträume der Flower-Power-Ära noch heute wahr werden. (mk, 20.2.21)

Sasbachwalden-Brandmatt, Ferienwohnungen (Bild: booking.com)

Pekka Pitkänen und die finnische Moderne

Bei DOM Publishers ist erstmals eine englischsprachige Monografie über den finnischen Architekten Pekka Pitkänen erschienen. Obwohl der Architekt außerhalb Finnlands bislang kaum Bekanntheit genießt, war eine solche Würdigung überfällig, denn er prägte maßgeblich die klare Nachkriegsmoderne seines Heimatlands. 1927 geboren, eröffnete er im südfinnischen Turku Mitte der 1950er Jahre ein Architekturbüro. Seine Bauten entstanden hauptsächlich in der Umgebung der nach Einwohnern immerhin sechstgrößten finnischen Stadt. Bekannt wurde er mit einer 1967 fertiggestellten Friedhofskapelle in Turku, die sich durch ihre geometrischen, geschlossenen Baukörper klar von der umgebenden Kulisse des Nadelwalds absetzt.

Als weiterer Meilenstein im Werk Pitkänens kann die Erweiterung des finnischen Parlaments gelten, die er 1978 gemeinsam mit Ola Laiho und Ilpo Raunio umsetzen konnte. In seinen letzten Jahren konzentrierte er sich auf öffentliche Bauten wie das Gericht von Turku (1997). Auf über 200 Seiten beleuchtet nun der Autor Mikko Laaksonen das breite Werk Pitkänens. Neben zahlreichen Abbildungen sollen in das Buch auch die unveröffentlichten Memoiren des Architekten eingeflossen sein. (mk, 4.2.21)

Laaksonen, Mikko, Concrete Modernism in Finland. Pekka Pitkänen 1927–2018, Dom Publishers, Berlin 2021, 21 x 23 cm, 204 Seiten, 350 Abbildungen, Softcover, ISBN: 978-3-86922-744-3.

Turku, Runosmäen koulu (Bild: © Samuli Lintula, CC BY SA 3.0, 2008)

Höchstrichterlich bestätigt: Hallenbad Neusiedl ist Denkmal

Im Österreichischen Burgenland gibt gute Nachrichten für den Denkmalschutz und für Freunde des Brutalismus. Das Hallenbad Neusiedl am See ist nach übereinstimmenden Berichten der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ) und des Österreichischen Rundfunks (ORF) rechtmäßig Denkmal. Die Betreibergesellschaft des Bades und die Gemeinde hatten dies zuvor angezweifelt – und vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen die Entscheidung des Amtes geklagt. Eine Bürgerinitiative hatte sich bereits für den Erhalt des Bades ausgesprochen. Die Richter ließen sich unter anderem durch Sachverständigengutachten von der architektonischen Qualität des 1977 eröffneten Baus überzeugen.

Sichtbeton und dunkles Holz prägen die Anlage, für die das Architekturbüro Stelzer & Hutter verantwortlich zeichnet. Allerdings setzte der Zahn der Zeit insbesondere der Holzkonstruktion arg zu. 2019 wurde das Bad aus statischen Gründen geschlossen. Das Erneuern der morschen Träger und Stützen ist unausweichlich. Mit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts ist nun die Grundlage für eine behutsame Sanierung geschaffen. Dafür werden laut ORF etwa 6 bis 7 Millionen Euro veranschlagt. (mk, 1.12.20)