Nachverdichtung extrem: Aus zwei mach vier

In einem Investorenwettbewerb sollte der Umgang mit den sanierungsbedürftigen öffentlichen Teilen des Mannheimer Collini-Centers ausgelotet werden. Zwar stand den Teilnehmern ein ressourcenschonender Erhalt offen, doch die sieben eingereichten Entwürfe sahen den Abriss des 1975 eröffneten Bürohochhauses und der sogenannten galerie vor (mR berichtete). Der Ablauf des Wettbewerbs war ungewöhnlich: Interessierte durften sich nur bei einem Workshop einen Eindruck von den Entwürfen verschaffen. Zudem mussten sie eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen, was mit der Anonymität des Verfahrens begründet wurde. Inzwischen steht die favorisierte Planung fest und kann im Modell in der galerie besichtigt werden. Die Namen der Investoren werden aber erst nach der Entscheidung des Gemeinderates über den Zuschlag für das Areal bekannt gegeben. Ob die Bevölkerung dies als transparent wahrnimmt?

Wie der Mannheimer Morgen berichtet, sollen anstelle des Bürohochhauses und der galerie nun gleich vier Gebäude entstehen. Drei sollen östlich, ein niedrigerer Bau westlich des Wohnhochhauses errichtet werden. In unmittelbarer Nähe soll künftig ein Hochhaus aufragen, dass nur wenig niedriger ist als das Wohnhochhaus des Collini-Centers (nebenbei bemerkt das höchste Wohngebäude Baden-Württembergs). In einigen Wohnungen dürfte die Aussicht über die Quadratestadt dahin sein. Dahin ist damit bald auch eines der bedeutendsten Ensembles des Brutalismus in Deutschland … (mk, 17.2.20)

Mannheim, Collini-Center (Bild: Rudolf Stricker, CC0)

Schöne bunte Nachkriegszeit

In zwei neu erschienenen Bildbänden präsentiert der Privatsammler Michael Sobotta Farbdias von Ost- und West-Berlin aus seinen Beständen. Auf jeweils über 150 Abbildungen werden die 1950er bis 1970er Jahre im geteilten Berlin wieder lebendig. Der Autor verfolgt dabei keinen wissenschaftlichen Anspruch. Vielmehr liegt der Fokus darauf, anhand von ebenso ästhetischen wie zeitgeistigen Dias das tägliche Leben zu porträtieren. Dabei findet sich so manches inzwischen abgerissene Haus oder die längst verschwundene Leuchtreklame wieder. Kurz gesagt: ein nostalgischer Blick auf die schöne bunte Nachkriegszeit in Berlin. Das macht die Bände nicht nur für Berliner und Architekturbegeisterte interessant. Das nächste Weihnachtsfest kommt bestimmt. (mk, 14.10.19)

Sobotta, Michael, Ost-Berlin. Farbdias aus den 50ern bis 70ern, GeraNova Bruckmann Verlagshaus, München 2019, 168 Seiten, ca. 160 Abbildungen, 22,7 x 27,4 cm, Hardcover, ISBN-13: 978-3-96303-066-6.

Sobotta, Michael, West-Berlin. Farbdias aus den 50ern bis 70ern, GeraNova Bruckmann Verlagshaus, München 2019, 168 Seiten, ca. 160 Abbildungen, 22,7 x 27,4 cm, Hardcover, ISBN: 978-3-96303-067-3.

Titelmotiv: Details der beiden Buchover „Ost-Berlin/West-Berlin. Farbdias aus den 50ern bis 70ern“ (Bilder: GeraNova Bruckmann Verlagshaus)

Frankfurter Baukunst der 1970er

Größer, bunter, ikonischer: In Frankfurt am Main entstanden in den 1970ern zahlreiche bemerkenswerte Bauten. Hatten sie in den vergangenen Jahren Glück, stehen sie auch heute noch. Der Grafikdesigner und Frankfurt-Kenner Wilhelm Opatz stellt in seinem neuen Architekturführer „Frankfurt 70 79“ nun zehn Bauten jener Ära vor. Von Bekanntem wie den 1972 eröffneten Olivetti-Türmen (Egon Eiermann) bis zu unentdeckten Perlen wie dem Wohnhaus des Architekten und Kreuzschwinger-Erfinders Till Behrens reicht die Auswahl. Die Bilder des Fotografen Georg Christian Dörr offenbaren dabei meist nur einen kleinen Ausschnitt des jeweiligen Gebäudes und zeigen so oftmals grandiose Details. So etwa die fein gearbeiteten Handläufe im Treppenhaus der Deutschen Bundesbank (1972, ABB Architekten).

Begleitende Essays von Architekturkennern, Denkmalpflegern und Geisteswissenschaftlern beschreiben nicht nur die Gebäude, sondern eben auch Zeitgeist, Kultur und die politischen Umstände der farbenfrohen 1970er. Ergänzt wird das Ganze durch Archivbilder unter anderem von wie Barbara Klemm. Das in Leinen gebundene Buch ist der dritte Band von Opatz‘ Frankfurter Nachkriegs-Architekturführern: „50 59“ ist bereits vergriffen, „60 69“ noch erhältlich, „70 79“ gerade im Junius-Verlag erschienen. Und der Band „80 89“ soll in den kommenden Jahren folgen … (db, 3.10.18)

Opatz, Wilhelm (Hg.), Frankfurt 70 79, hg. im Auftrag der Freunde Frankfurts, Junius Verlag, Hamburg 2018, broschiert, 76 Farbabbildungen, ISBN 978-3-88506-814-3.

Titelmotiv: Buchvorschau, „Frankfurt 70 79“ (Bild: Junius Verlag)