GSW-Hochhaus: Vom Wert der Oberfläche

Wenn es ein knapp 23-jähriger Bau bereits als “Stadtikone” (so der aktuelle Beitrag bei “marlowes,”) in die architektonische Oberliga geschafft hat, sagt das viel über seine hohe Qualität. Doch leider ist der Grund dafür beim 1999 fertiggestellten Berliner GSW-Hochhauses ein trauriger, denn eine vielfach kritisch bewertete Sanierung steht an. Der Bau entstand als Hauptverwaltung der GSW-Immobilien AG nach Entwürfen der Architekt:innen Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton als Erweiterung eines bestehenden 17-geschossigen 1960er-Jahre-Hochhauses. Neben dem städtebaulich markanten, 22-geschossigen Riegel mit Flugdach setzt sich das neue Ensemble zudem aus einem flach angelagerten Quader und einem niedrigen elliptischen “Turm” zusammen. Der Neubau setzt sich vom Bestand durch geschwungene Formen und farbige Vorhangfassaden-Elemente ab. Seit 2017 läuft das GSW-Hochhaus unter dem Namen “Rocket Tower”, angelehnt an einen der jetzigen Hauptmieter, ein Internet-Unternehmen.

Aktuell fürchten die Expert:innen um die bauliche Unversehrtheit des GSW-Hochhauses, gar von Entstellung ist die Rede. Anlass ist die geplante Fassadensanierung, die künftig auf die prägenden farbigen Sonnenschutzpaneele verzichten will, um dem Bau einen neuen Look zu verpassen. An die Stelle der in Sonderfarben gefassten Aluminiumbleche, die gedreht und verschoben werden können, sollen Stoffelemente einer standardisierten Farbpalette treten, die sich nur noch aufrollen ließen. Das Büro Sauerbruch + Hutton hat sich nun, unterstützt von einer illustren Riege von Erstunterzeichner:innen, mit einer Online-Petition an die Öffentlichkeit gewandt. Denn die prägenden, mehrfach preisgekrönten Fassadenelemente seien nicht nur farblich, sondern auch im klimatischen Sinne früh richtungsweisend gewesen – und durch eine Reparatur leicht in die nächste Generation zu überführen. Aktuell wird die Petition bereits von rund 3.000 Unterzeichnenden unterstützt, weitere Stimmen sind ausdrücklich erwünscht. (kb, 2.6.22)

Hier geht es zur Online-Petition.

Berlin, GSW-Hochhaus (Bild: Blunt, CC BY SA 3.0, 2011)

Berlin, GSW-Hochhaus (Bild: Blunt, CC BY SA 3.0, 2011)

Titelmotiv: Berlin, GSW-Hochhaus (Bild: Emanuele, CC BY SA 2.0, 2006)

Neue Hamburger Denkmäler

Baudenkmale haben es in der “Freien- und Abrissstadt Hamburg” schwer. Dennoch wurden in den vergangenen Jahren 20 Objekte aus der Zeit zwschen 1975 und 1995 unter Schutz gestellt. Weitere werden voraussichtlich folgen. Einige der Gebäude sind bekannt, teils wurde um ihre Zukunft bereits öffentlich diskutiert. So etwa die Gruner-und-Jahr-Zentrale (1987-90), das Hanseviertel (1980)- Auch die S-Bahn-Haltestelle Hammerbrook (1978-83) und die Edith-Stein-Kirche in Neuallermöhe (1991/92) stehen nun unter Schutz. Dies vermeldete die Stadt Hamburg am 24. März in einer Pressemitteilung.

Zu den Neuzugängen zählen etliche Wohn- und Bürobauten der Spät- und Postmoderne, das Büro Gerkan, Marg und Partner (gmp) ist dabei gleich mehrfach vertreten. So mit den Wohnhäusern am Fischmarkt (1987-89) und dem Bürohaus Grindelallee 100 (1985-87). Damit wird das Denkmalschutzamt seiner Aufgabe gerecht, nach rund einer Generation (30 Jahre) den Gebäudebestand auf seinen Denkmalwert zu prüfen. Ziel des Projekts sei es, authentisch überlieferte Bauten und Gärten in die Denkmalliste der Stadt aufzunehmen und den Bestand zu schützen. Die erste umfassende Unterschutzstellung dieser Zeitschicht soll Ende 2022 abgeschlossen sein. Und einige Investoren werden möglicherweise bald ganz arg traurig sein … (db, 29.3.22)

Hamburg, Hanseviertel (Bild: Uwe Rohwedder, CC BY-SA 4.0)

Hadi Teherani erhält Bundesverdienstkreuz

Der gebürtige Iraner (* 1954) Hadi Teherani absolvierte sein Studium zum Architekten in Braunschweig, um anschließend in Aachen bei Vokwin Marg als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig zu sein. 1991 begründete er in Hamburg das Büro “BRT Architekten” (anfangs zusammen mit Jens Bothe und Kai Richter). In den späten 1990er Jahren feierte er seine ersten Durchbrüche mit Großprojekten wie dem Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen (1994-1999) oder dem Hamburger Bürohaus “Berliner Bogen” (1998-2001). Es folgten immer wieder sprechende Entwürfe, die gebauten Bildern glichen – von den Kölner Kranhäusern (2006-2010) bis zu den sog. Tanzenden Türmen auf St. Pauli (2009-2012).

Daneben wirkte er auch als Innenarchitekt und Designer. Nicht nur mit eigenen modernen Landmarken, sondern auch mit “Ersatzbauten” für moderne Inkunabeln, etwa den Neubau nach Abriss des Hamburger Deutschlandhauses, hat er dich zuletzt hervorgetan. Nun wurde Hadi Teherani mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. (kb, 11.12.20)

Frankfurt, Fernbahnhof am Flughafen (Bild: qwesy-qwesy, CC BY SA 3.0, 2013)