Schlagwort: Abriss

Freital, ehem. Lederfabrik Sohre (Bild: Loracco, CC BY SA 4.0)

Lederfabrik Freital: keine Lösung in Sicht

Kann die 1991 stillgelegte Lederfabrik in der Mitte Freitals abgerissen werden? Die Beantwortung dieser Frage, die für Ende April/Anfang Mai angekündigt war, wird noch längere Zeit brauchen. Wie das zuständige Landratsamt in Pirna mitteilte, habe sich die  Denkmalschutzbehörde nicht mit dem Landesamt für Denkmalpflege auf ein Vorgehen einigen können. Deswegen wird die Entscheidung nun an die nächsthöhere Behörde, die Landesdirektion, weitergereicht. Die Stadt hatte im November 2017 einen Antrag auf Abriss gestellt und im Februar Unterlagen nachgereicht. Die Entscheidung sollte die Denkmalbehörde des Landkreises mit dem Landesamt treffen, da der um 1909 errichtete Bau unter Schutz steht.

Vorgeschrieben ist, dass sich beide Behörden auf einen gemeinsamen Standpunkt einigen. Das ist bei der Lederfabrik nun nicht gelungen. Im Kern geht es um die Frage, ob ein Erhalt des Gebäudes für die Stadt als Eigentümer zumutbar wäre. Wie das Landratsamt mitteilt: „Landratsamt und Landesamt sind sich einig über die besondere ortsentwicklungsgeschichtliche Bedeutung sowie den städtebaulichen Wert der Lederfabrik für Freital“, so der zuständige Beigeordnete Heiko Weigel. „Sie vertreten auch übereinstimmend die Auffassung, dass aufgrund schwerwiegender Schäden das Gebäude (…) nur in seinen Außenwänden erhalten werden kann.“  Wären die Planungen zur Neunutzung ernsthaft betrieben worden, wäre soweit wohl nie gekommen… (db, 29.5.18)

Freital, ehem. Lederfabrik Sohre (Bild: Loracco, CC BY SA 4.0)

Berlin, Theater am Kurfürstendamm (Bild: Thomas Grünholz)

Der letzte Vorhang am Kudamm

Im April nannte der Dramatiker Rolf Hochhut den bevorstehenden Abriss der Berliner Kudamm Bühnen einen Skandal. Sein Stück „Der Stellvertreter“ wurde hier 1963 unter der Regie von Erwin Piscator uraufgeführt. Bereits 1921 eröffnete man die plüschig-goldenen Säle des Doppel-Hauses, entworfen vom Architekten Oskar Kaufmann. Max Reinhardt etablierte hier in den 1920ern ein Boulevardtheater, das es vorher nur in London und New York gab. 1942 werden die Häuser vom NS-Propagandaministerium verstaatlicht, 1947 wiedereröffnet, zunächst als Kino, dann zieht dann die Freie Volksbühne ein. Der einst enteignete Betreiber Hans Wölffer übernimmt die Komödie 1950 wieder. „Wolln’se was verdienen, dann kommn’se zu uns!“ – so lockt er bekannte Schauspieler wie Inge Meysel, Katharina Thalbach und Harald Juhnke in sein Theater.

In den 1990ern gerät das Grundstück in Filetlage mit mehreren Eigentümerwechseln zum Spekulationsobjekt. Der nun erarbeitete Kompromiss zwischen Investor Cells Bauwelt, Senat und Intendant Martin Wölffer sieht vor, dass die Bühnen nach der Spielzeit abgerissen werden. Zunächst soll das frühere Schiller-Theater in Charlottenburg als Ersatzspielstätte dienen. Dann soll in dem an alter Stelle neu errichteten Gebäude ein Kellergeschoss als Bühne dienen. Am 26. Mai gibt es ein Abschiedsfest mit vielen Künstlern, Wegbegleitern und Theaterfreunden, tags darauf fällt der letzte Vorhang. (db, 25.5.18)

Berlin, Theater am Kurfürstendamm (Bild: Thomas Grünholz)

Bad Dürkheim, Talstation 2008 (Bild: Xokolatl, CC0)

Ende für die Dürkheimer Gondelbahn

Nur für kurze Zeit war die Dürkheimer Gondelbahn (erbaut 1971-73) eine Touristenattraktion. Schon nach acht Jahren kam das Aus für die Kleinkabinenbahn, die zwischen dem Wurstmarktgelände und dem 317 Meter hohen Teufelsstein verkehrte.  Bis dahin nutzten jährlich rund 100.000 Fahrgäste die knapp 1,25 Kilometer lange Strecke, ab 1981 lag brach. Die Stillegung erfolgte auf Geheiß des Bundesverfassungsgerichts – wegen unzulässiger Enteignung der Grundstückseigentümer entlang der Trasse. 2001 hatte Peter Schwab, der Sohn des damaligen Investors, sämtliche Grunddienstbarkeiten für die rund 80 Parzellen unter der Bahn notariell veraktet und strebte Wiederaufbau und Neubetrieb der Bahn an. Ein Jahr zuvor wurden wesentliche Teile der Anlage durch Brandstiftung zerstört, darunter die Bergstation und ein Großteil der Gondeln.

2006 erhielt Schwab vom Landesbetrieb Mobilität die neuerliche Baugenehmigung, die er jedoch nie umsetzen konnte – teils wegen strengerer Auflagen, teils wohl mangels Geldgeber. Ende 2017 war ein letzter Versuch einer Mannheimer Investorengruppe, die Bahn noch einmal in Betrieb zu nehmen, gescheitert: Das Risiko aus bau-, verfahrens- und privatrechtlichen Vorgaben heutigen Standards schien zu groß. Besitzer Peter Schwab einigte sich mit der Stadt auf den Abriss der letzten Überbleibsel der einstigen Attraktion. Jüngst fiel das stählerne Talstations-Gebäude, und nun ist die Dürkheimer Gondelbahn endgültig Vergangenheit – 37 Jahre, nachdem ihr Betrieb endete. (db, 6.5.18).

Bad Dürkheim, Talstation 2008 (Bild: Xokolatl, CC0)

Finanzamt Oldenburg (Bild: Edfyr, CC BY-SA 4.0)

Finanzamt Oldenburg kommt weg

Auch wenn so mancher davon träumt, dass die Bagger seinem zuständigen Finanzamt den Garaus machen: In diesem Fall ist es durchaus bedauerlich, und hier hilft auch nicht, dass es sich um das Gebäude namhafter Architekten handelt. Das ehemalige Finanzamt Oldenburg (1974/75) wird abgerissen. Errichtet wurde es nach Plänen des Büros von Gerkan, Marg und Partner (gmp). Vor einem Jahr hat die Behörde das sanierungsbedürftige Gebäude verlassen. Der Abriss war da bereits beschlossene Sache: Nach ausführlichen Untersuchungen der Fassadenplatten kam man zum Schluss, dass eine Sanierung, wenn überhaupt, nur bei optimalem Verlauf günstiger als ein Neubau wäre.

Im Raum steht, dass der Altbau asbestbelastet sei – der Schadstoff sei mit dem Klebstoff für die Wärmedämmung aufgetragen worden. Aktuell werden der Abriss noch planerisch vorbereitet und die Arbeiten ausgeschrieben, die Umsetzung soll Ende diesen Jahres erfolgen. Die Abrisskosten werden vom Finanzministerium mit 15,5 Millionen Euro beziffert, da mit besonderen Schutzmaßnahmen vom Einhausen bis zum Absaugen gearbeitet werden muss. Im Anschluss soll das Grundstück in Innenstadtlage zum Verkauf angeboten werden – es gebe schon Interessenten. Wo genau der Neubau des Finanzamts, das aktuell in einer Container-Zwischenlösung eingerichtet ist, stehen soll, ist noch unklar. (db, 21.4.18)

Finanzamt Oldenburg (Bild: Edfyr, CC BY-SA 4.0)

Coburg, Rosengarten (Bild: Mike Beyerwald CC BY-SA 3.0)

Coburg: Uneinigkeit übers Kongresshaus

Politische Uneinigkeit in Coburg: Die „Jungen Coburger“ im Stadtrat sprechen sich streng gegen den Abriss des Kongresshauses im Rosengarten aus und reagieren damit auf die Ideen, die SPD-Fraktionsvorsitzende Petra Schneider und CSB-Stadtrat Gerhard Amend in einem Gespräch mit der Neuen Presse vorgetragen hatten. Beide hatten für einen Neubau einer Stadthalle am Güterbahnhof-Gelände plädiert. Dagegen stellt Politiker Kurt Knoch fest, dass ein Abriss des Kongresshauses für die JC nicht in Frage komme. Das heutige Gebäude sei erst rund 30 Jahre alt, und selbstverständlich gebe es inzwischen Sanierungs- und Anpassungsbedarf – ein Abriss des einst 22 Millionen teuren Baus stelle eine Vermögensvernichtung und ein Hohn gegenüber allen Steuerzahlern dar. Würde man heute mit dem hohen Anspruch bauen, mit dem das Kongresshaus errichtet wurde, wäre dies schlicht unbezahlbar.

Der Coburger Rosengarten ist eine Grünanlage in der Ketschenvorstadt, 1929 fand auf dem im Lauf der Jahre parkähnlich erweiterten Areal die namensprägende „Deutsche Rosenschau“ statt. 1962 wurde hier das Kongresshaus errichtet, 1987 nach Plänen von Hans-Busso von Busse (1930-2009) postmodern umgebaut und erweitert. Neben polit-Veranstaltungen finden auch Konzerte und – logisch – Kongresse  statt. Franz-Josef Strauss, Günter Grass und die Krautrock-Band Birth Contol waren ebenso zu Gast wie Hans-Dietrich Genscher, Herbert Wehner und Costa Cordalis: geballte westdeutsche Geschichte. (db, 14.4.18)

Coburg, Rosengarten (Bild: Mike Beyerwald CC BY-SA 3.0)