Kreishaus Northeim bleibt

Überlegungen, das kurz vor der Gebietsreform 1973 errichtete Kreishaus in der Northeimer Innenstadt abzureißen, sind vom Tisch. Das hat Dirk Niemeyer, Pressesprecher des Landkreises, auf eine Anfrage der HNA mitgeteilt. Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für alternative Standorte werde nicht mehr angestrebt. Vielmehr solle nun die dringende Toilettensanierung und (wie immer) eine Überabeitung des Brandschutzes im Gesamtvolumen von etwa 4,5 Millionen Euro angegangen werden. Das – eher bescheidene – Hochhaus der Kreisverwaltung liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadthalle.

Im Dezember 2019 hatte Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD) dem Kreisausschuss noch vorgeschlagen, eine 80.000 Euro teure Wirtschaftlichkeitsuntersuchung anzustellen, ob angesichts eines kalkulierten Gesamt-Sanierungsbedarfs von 24,7 Millionen Euro für das Kreishaus und die Gebäude, in denen die Außenstellen der Kreisverwaltung untergebracht sind, ein Neubau nicht wirtschaftlicher sei. Die Corona-Krise hat nun (durch Erkenntnisgewinn?) die Situation verändert: Das verstärkte digitale Arbeiten dürfte sich auf die Arbeitsplätze und die Raumsituation auswirken. Daher sieht der Landkreis keinen Sinn, Kostenvergleiche anzustrengen, welche die Nutzung des derzeitigen Kreisverwaltungsgebäudes infrage stellten. (db, 4.7.20)

Northeim, Kreishaus (Bild: Ichneumon, CC BY-SA 3.0)

Ludwigshafen macht Platz

Da haben auch keine bunten Pflaster mehr geholfen: Nach monatelangen Vorbereitungen ist am 11. Juni in Ludwigshafen der Teilabriss der maroden Hochstraße Süd gestartet. Vor den Augen von Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) und zahlreicher Schaulustiger brach eine 70 Tonnen schwere Baumaschine am Donnerstag das erste Stück der wuchtigen Betonkonstruktion ab. Der Stadt zufolge ist zunächst die Demontage einer etwa 120 bis 130 Meter langen Trasse geplant. Insgesamt sollen bis Oktober 2020 rund 580 Meter abgebrochen werden. Der Abriss des auf den markanten, pilzförmig auskragenden Pfeilern ruhenden Teilstücks ist wohl unvermeidbar, weil es statischen Untersuchungen zufolge einsturzgefährdet war. Die 61 Jahre alte Süd-Trasse gilt mit der ebenfalls maroden Hochstraße Nord als zentrale Verkehrsachse der Region.

Errichtet wurde das nun fallende älteste Teilstück des Ludwigshafener Hochstraßennetzes 1959 als Teil des Projekts „Visitenkarte„, das der BASF-Stadt zu mehr Attraktivität verhelfen sollte – und in seiner autogerechten, betonsatten Auslegung exemplarisch für die Stadtplanung der späten 1950er Jahre war. Auch der 1969 eingeweihte Hauptbahnhof zählt zum Gesamtkonzept; auf den freigewordenen Flächen des alten Bahnhofs wurde 1970-81 die mittlerweile gleichfalls zum Abriss vorgesehene Hochstraße Nord gebaut. Sie soll in den kommenden Jahren durch eine ebenerdige Verkehrsführung ersetzt werden, das Teilstück der Hochstraße Süd wird hingegen neu errichtet. (db, 13.6.20)

Ludwigshafen, Hochstraße Süd, Detail 2019 (Bild: Koffeinist, CC BY-SA 4.0)

Zukunft unter goldenen Wolken?

Das wird spannend: Am 19. Mai veröffentlichte das hessische Landesamt für Denkmalpflege ein Gutachten, welches den Denkmalwert zentraler Bauteile der abrissgefährdeten Städtischen Bühnen Frankfurt bestätigt. Diese stehen damit formell unter Denkmalschutz. In der Vergangenheit bestand hierzu bei der Stadt Frankfurt Unklarheit. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sagte im Vorfeld der Abrissentscheidung vom Januar, die Grundlage seiner Arbeit und Entscheidung über das Gebäude basiere auf der Tatsache, dass das Schauspielhaus oder Teile davon nicht unter Denkmalschutz stünden. Dies ist aber nun nicht (mehr) zutreffend. Das Landesdenkmalamt wurde vorab nicht in die Planungen der Stabsstelle Städtische Bühnen einbezogen.

Durch das Gutachten steht nun das beühmte Wolkenfoyer unter Denkmalschutz, eine formelle Eintragung in die Denkmalliste ist nach Paragraph 11 des Hessischen Denkmalgesetzes dafür nicht notwendig. In Hinsicht auf die bislang unterlassene, nun aber erforderliche Kontaktaufnahme äußerte der hessische Landeskonservator Heinz Wionski: „Wir freuen uns darauf, im konstruktiven Miteinander Chancen und Möglichkeiten der Erhaltung und Integration der denkmalwerten Elemente zu erörtern und gemeinsam weitere Schritte zu entwickeln“. Wichtig sei, die geschichtliche Dimension des Standorts sowie das besondere Erhaltungsinteresse am Foyer als Rahmenbedingung in den Planungsprozess einzubringen. Eine Petition gegen den Abriss der Städtischen Bühnen hat inzwischen über 5300 Unterzeichnende. (db, 22.5.20)

Frankfurt, Städtische Bühnen um 1970 (Bild: Dontworry, CC BY-SA 3.0)