Schlagwort: Abriss

Bad Homburg, Stadtmodell, 1968 (Bild: Gotisches Haus)

Bad Homburger Stadtmodelle

Der Traum etlicher Stadtväter in den 1960ern: Einfach mal Tabula Rasa machen. Im Gotischen Haus Bad Homburg v. d. H. kann man derzeit bewundern, wie derartige Planungen in der Taunus-Stadt ausgesehen hätten. Denn dort wird unter anderem ein Modell im Maßstab 1:500 präsentiert, das ein modernes Bad Homburg mit großzügigen Wohnanlagen, Appartement- und Hochhäusern rund ums Schloss zeigt. Dass am Ort der geplanten Neubauten die historische Altstadt steht, hatte man kurzerhand ausgeblendet. Kann man ja abreißen. Der einst von Stadtbaurat Theo Mühlmann erdachte kühne Entwurf stammt aus dem Jahr 1968, und in die Realität umgesetzt wurde zum Glück nur ein einzelnes Hochhaus.

Dieses wie etliche andere Entwurfsmodelle werden bis Februar 2019 im Stadtmuseum unter dem Titel Modelle einer Stadt gezeigt. Der Wandel Bad Homburgs vom schlossumgebenden Dorf zur wohlhabenden Kurstadt ist an den Miniaturen ebenso abzulesen wie planerische Sackgassen, gescheiterte Visionen oder bürgerferne Ideen, die letztlich nach Protesten fallen gelassen wurden. Die Bad Homburger Altstadt steht jedenfalls noch heute. Mittelpunkt der Schau ist ein 1973 entstandenes Stadtmodell, das bis Anfang der 1990er Jahre als Arbeitsgrundlage des Stadtplanungsamts diente. (db, 29.8.18)

Bad Homburg, Stadtmodell, 1968 (Bild: Gotisches Haus)

Bayer-Kasino Krefeld-Uerdingen (Bild: Friedrich Biefang)

Das Bayer-Kasino Krefeld fällt

Wer teure Anwälte hat, hat keine Probleme, darzustellen, dass ihm das Geld fehlt, ein Gebäude angemessen nutzen zu können. Klingt paradox, ist aber so. Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen und gehen nun über zur eigentlichen Meldung des Tages: Das ehemalige Bayer-Kasino in Krefeld-Uerdingen wird abgerissen – trotz eines noch immer gültigen Urteils des Oberverwaltungsgerichtes Münster zur Denkmalwürdigkeit. Der Bayer-Nachfolger Covestro erklärte in einer Stellungnahme Ende Juli: „Aufgrund der klar nachgewiesenen Nicht-Nutzbarkeit kann das Gebäude nun unter Auflagen zurückgebaut werden“, eine Genehmigung der Stadt Krefeld werde erteilt. „Nach erfolgter Abstimmung zur denkmalrechtlichen Dokumentation werden wir mit den Abrissarbeiten beginnen können“, erklärte „Covestro First Real Estate“-Geschäftsführer Jan Lüben.

Das Bayer-Kasino ist ein Entwurf des aus Krefeld stammenden Architekten Helmut Hentrich und wurde 1961 eingeweiht. Seit Herbst 2011 ist der Bau mit der charakteristischen Alu-Glas-Fassade ungenutzt. In den vergangenen Jahren fielen bereits mehrere Bauten des Poelzig-Schülers Hentrich, so 2014 das ebenfalls denkmalgeschützte Friedrich-Engelhorn-Hochhaus der BASF in Ludwigshafen (1957) und 2012 bereits das Bayer-Hochhaus in Leverkusen (1963). Das 1966 fertiggestellte Finnland-Haus im abrissfreudigen Hamburg hingegen wurde  2016/17 saniert. Während in Krefeld ein weiteres – obendrein gut erhaltenes – wirtschafts- und sozialgeschichtliches Zeugnis der „Bonner Republik“ abgeräumt wird. (db, 24.8.18)

Krefeld-Uerdingen, Bayer-Kasino (Bild: Friedrich Biefang)

Dortmund-Mengede, Kraftwerk Gustav Knepper (Bild: Arnoldius, CC BY-SA 3.0)

Kraftwerk Knepper fällt

Seit dreieinhalb Jahren ist das Kohlekraftwerk Gustav Knepper in Dortmund-Dingen nicht mehr in Betrieb. Jetzt hat der Abriss der Großbauten des landschaftsprägenden Komplexes begonnen. Die Unternehmensgruppe Hagedorn aus Gütersloh, die das Areal Ende 2017 gekauft hat, möchte auf dem Gelände an der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel als Gewerbepark vermarkten. Bis Ende 2020 sollen das Areal bereinigt und ein Bebauungsplan erstellt sein. Dann werde alles in die Hände eines Projektentwicklers gegeben, der seinerseits wiederum Nachnutzer suche. Willkommen in der wirtschaftlichen Realität…

Das einstige Steinkohlekraftwerk Gustav Knepper wurde es nach dem einstigen Bergwerksdirektor benannt. Errichtet wurde von 1951 bis 1971 nach Plänen des Essener Industrie-Architekten Fritz Schupp, der unter anderem (mit Martin Kremmer) für die Essener Zeche Zollverein XII verantwortlich zeichnete. Betreiber des Kraftwerks war zunächst die Gelsenkirchener Bergwerks-AG, später dann die Bochumer Bergbau AG. In einer Pressemitteilung vom 22. September 1969 wurde der neue Kühlturm von Block C mit 128 Metern Höhe als der höchste der Welt bezeichnet. 2010 nahm der Regionalverband Ruhr das Kraftwerk in die Route der Industriekultur, Themenroute Chemie, Glas und Energie auf. Ende 2013 beantragte E.ON bei der Bundesnetzagentur aus wirtschaftlichen Gründen die Stilllegung des Kraftwerkes. Diese erfolgte am 23. Dezember 2014. (db, 25.7.18)

Dortmund-Mengede, Kraftwerk Gustav Knepper (Bild: Arnoldius, CC BY-SA 3.0)

Kochel, Verstärkeramt (Bild: Benedikt Köhler CC BY-SA 2.0)

Verstärkeramt Kochel vorm Abriss

Ende März hat der Gemeinderat in Kochel am See den Abriss des ehemaligen Verstärkeramts an der Bahnhofstraße gebilligt. In einem Neubau sollen 16 bezahlbare Mietwohnungen, Jugendprojekte und der gemeindliche Bauhof untergebracht werden. Gegen die Pläne regt sich Widerstand: Eine Benediktbeurer Bürgerin hat einen Antrag zum Erhalt des Gebäudes beim Landesamt für Denkmalpflege eingereicht. Auch der Weilheimer Architekt Heiko Folkerts hat sich dem Anliegen mit einer Petition angeschlossen, die er Ende Juni an den Landtag verschickte. Der Antrag werde von vielen Architektur- und Kunsthistorikern unterstützt, darunter Wolfgang Voigt, Wolfgang Sonne, Christian Fuhrmeister und auch der langjährige Leiter des nahen Freilichtmuseums Glentleiten, Helmut Keim.

Grund des Protests: Das 1927 errichtete Verstärkeramt ist ein Zeugnis der Münchner Postbauschule um Robert Vorhölzer. Der ausführende Architekt Franz Holzhammer wurde 1930 von Vorhölzer zu seinem Nachfolger als Leiter des Baureferates der Oberpostdirektion München berufen. Ebenfalls wirkte in Kochel nach Unterlagen des Architekturmuseums der TU München Hanna Löv als erste Frau im Amt des Regierungsbaumeisters. Sie war wohl bei den angeschlossenen Kraftwagenhallen beteiligt. Kochels Bürgermeister Thomas Holz zeigte sich überrascht und wenig erfreut von der Petition: Die gemeindlichen Pläne seien obsolet, wenn das Verstärkeramt unter Denkmalschutz komme, sagte er der Presse. (db, 18.7.18)

Kochel, Verstärkeramt (Bild: Benedikt Köhler, CC BY-SA 2.0)

Oldenburg, Avia-Tankstelle 2018 (Bild: Matti A. Bohm)

Oldenburg: Tankstelle gerettet?

Die denkmalgeschützte Oldenburger Tankstelle an der Ecke Kaiserstraße/Bleicherstraße ist in letzter Minute vor dem Abriss gerettet worden. Der vormalige Eigentümer hatte den Tankstellenbetrieb Ende Juni eingestellt. Aufmerksame Ex-Kunden beobachteten, dass bereits wenige Tage später ein Abbruchunternehmen die Gebäude vermessen hatte. Einer von ihnen informierte die Nordwest Zeitung: Er wusste um den Denkmalstatus der Avia-Station und mutmaßte, dass der neue Eigentümer Tatsachen schaffen wolle, bevor die Behörden eingreifen können. Offenbar hatte er Recht: Ein Sprecher der Verwaltung bestätigte der NWZ sowohl, dass die Tankstelle unter Schutz stehe als auch, dass tatsächlich ein Abriss zugunsten einer Wohnbebauung geplant gewesen sei. Die Stadt habe den Investor Capital Real dann auf den Denkmalstatus hingewiesen.

Nach der vorläufigen Rettung wurde indes gleich weiter an der 1955 errichteten Zapfstation geknabbert: Eine Tankstellenbau-Firma demontierte Tankks und Zapfsäulen. Das markante Flugdach, Hauptgrund der Unterschutzstellung blieb aber an Ort und Stelle. Nach einem Gespräch mit der Unteren Denkmalschutzbehörde erklärten die Investoren und die beauftragten Architekten von Neun Grad Architektur, nun Teile der Tankstelle in den Neubau zu integrieren. Neun Grad kann sich eine gastronomische Nutzung im Erdgeschoss vorstellen. Alle Pläne wolle man mit der Denkmalbeörde abstimmen. Klingt spannend … (db, 15.7.18)

Oldenburg, Avia-Tankstelle (Bild: Matti A. Bohm)