Wohnungen statt Haven Hööft

Wie belebt man einen Stadtteil, wenn eine größere Fläche frei wird? Einer der Irrwege hieß lange Zeit „Einkaufszentrum“. Das Haven Höövt ist solch ein Beispiel: Es ist 2003 auf einem einstigen Gelände der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack eröffnet worden, geplant hatte es das Büro BPG. Gut besucht war das Shopping-Center jedoch nie, und 2012 hatte der Eigentümer fast folgerichtig Insolvenz angemeldet. Mittlerweile ist das Gebäude leergeräumt und wartet auf den Abriss. Ende 2019 hat ein neues, kleineres Shopping-Center unterm Namen „Kontor am Alten Speicher“ eröffnet, in das mehrere der Haven-Hööft-Mieter umgezogen sind.

Das 1,5 Hektar große Areal des gescheiterten Konsumtempels wird nun erst einmal beräumt – gut ein halbes Jahr wird es dauern, bis das Haven Hööft abgerissen ist. In den kommenden Jahren soll hier nach Plänen des Mannheimer Projektentwicklers Max Zeitz das „Stadtquartier am Hafen“ entstehen: ein Mix aus Büros und Wohnungen, der den vor kaum 20 Jahren beschrittenen Irrweg des Einkaufscenters vergessen machen soll. (db, 3.9.20)

Bremen, Haven Höövt (Bild: Karsten Paulick via Pixabay)

Robotron bald ganz platt?

Die Gebäude des VEB Robotron in Dresden sind bereits weitgehend abgeräumt. Nun geht es auch fürs ehemalige Verwaltungsgebäude am Pirnaischen Platz offenbar in die letzte Rund: Die Eigentümer TLG Immobilien hat noch einmal den Mietvertrag mit der Stadt für die Immobilie bis 2025 verlängert. Danach ist alllerdings der Abriss des Gebäudes angekündigt. Lediglich die V-förmigen Träger im Erdgeschoss des Ostmoderne-Baus sollen als Arkadengang am Neubau als Reminiszenz verbleiben.

Ansonsten ändert sich alles: Aus der jetzigen L-Form soll ein geschlossenes Viereck werden. Im hinteren Bereich des Blocks sollen Wohnungen entstehen. Der neue gesamte Innenhof soll nach den Plänen der TLG zur „gebauten Naturlandschaft im Stadtraum“ werden. Sanierung und Erhalt des Robotron-Gebäudes lehnt die TLG ab. Nachdem auch der Erhalt der Robotron-Kantine in weite Ferne gerückt ist, sieht es gerade so aus, als würde Dresden das komplette Robotron-Areal verlieren. Der Gebäudekomplex 1968-74 wurde von einem Architektenkollektiv unter Leitung von Axel Magdeburg und Werner Schmidt realisiert. Der Dresdner Friedrich Kracht entwarf die schmückenden Betonformsteine zusammen mit Karl-Heinz Adler. (db, 31.8.20)

Dresden, VEB Kombinat Robotron 1990 (Bild: Ncarste, CC BY SA 4.0)

Fachklinik Aukrug droht Abriss

Hoch im Norden, im Landkreis Rendsburg-Eckernförde steht die Fachklinik Aukrug – noch. 1928-31 wurde das damalige Hauptgebäude nach Plänen des Architekten Harald Ensrud als Lungenheilstätte für Tuberkulosekranke errichtet. Doch nun gibt es Abrisspläne für das Backstein-Ensemble im Heimatschutzstil. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Nord, heutiger Betreiber der Klinik, will die Gebäude in mehreren Bauabschnitten ersetzen. Bis 2025, erklärt DRV-Sprecher Sebastian Bollig dem Portal shz.de, sollen „nach derzeitiger Planung zwei bestehende Gebäudeteile abgerissen und durch ein neues Gebäudeteil ersetzt“ werden. Dies betrifft das Hauptgebäude, das durch einen kistenförmigen Neubau ersetzt werden soll. Grund: Die Gebäude enstprächen nicht mehr den Anforderungen einer „zeitgemäßen Unterbringung von Rehabilitanden“.

Zunächst habe die DRV einen Umbau unter Erhalt historischer Gebäudeteile erwogen, doch sei „Insbesondere aus der Belegschaft der Klinik (…) der Wunsch nach einem zeitgemäßen beruflichen Umfeld ohne Kompromisse“ gekommen. Mittlerweile sollen nur noch einige Reliefs des Künstlers Alwin Blaue (1896-1958) vom Altbau integriert werden. Nun aber hat das Kieler Landesamt für Denkmalpflege das Ensemble im Blick. Es stehe auf einer Liste für den Kontrollbedarf, teilte Diana Härtrich, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Landesamt, auf Anfrage mit; man wolle mit der DRV in Kontakt treten. Zumindest der stille und leise Abriss scheint vom Tisch zu sein. (db, 26.8.20)

Aukrug, Fachklinik (Bild: Fonzie, CC BY SA 3.0)