Karlsruhe: Streit um IHK-Verwaltungsgebäude

Nach der noch immer ungeklärten Kontroverse um einen möglichen Abriss des Badenwerk-Hochhauses durch das Landratsamt, prescht in Karlsruhe nun die Industrie- und Handelskammer (IHK) vor: Das als Kulturdenkmal eingetragene IHK-Verwaltungsgebäude am Friedrichsplatz soll einem Neubau weichen, wie die Badischen Neuesten Nachrichten berichten. Noch liege zwar kein Baugesuch vor, doch habe es bereits Gespräche zwischen IHK und der Stadtverwaltung gegeben, wie die BNN erfahren haben.

Unterstützung erhält das 1954/55 entstandene Gebäude von der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild e. V. und anderen Vereinen, die sich zur Initiative zusammengeschlossen haben. Hier ist man sich einig, dass das erst 2000 sanierte „Haus der Wirtschaft“ erhalten bleiben muss. Entworfen haben es die Architekten Hermann Backhaus und Harro Brosinsky, die nach dem Studium an der TH Karlsruhe vor Ort 1950 gemeinsam ein Büro eröffneten. In der Folgezeit zeichneten Backhaus & Brosinsky für viele Bauprojekte in der Fächerstadt verantwortlich. Dazu zählen das Verwaltungsgebäude für das Versandhaus Mona an der Ecke Ettlinger Straße/Augartenstraße und das SWR-Studio an der Kriegsstraße. (mk, 25.7.20)

Karlsruhe, IHK-Verwaltungsgebäude (Foto: wohl Erich Bauer, Karlsruhe, Quelle: SAAI | Archiv für Architektur und Ingenieurbau Karlsruhe am Karlsruher Institut für Technolgie, Werkarchiv Backhaus & Brosinsky)

Karlsruhe, IHK-Verwaltungsgebäude, Backhaus & Brosinsky (Titelmotiv und unten: Foto: wohl Erich Bauer, Karlsruhe, wohl Mitte der 1950er Jahre; Quelle: SAAI | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technolgie, Werkarchiv Backhaus & Brosinsky)

Wesseling zeigt Zähne

Seit 1992 liegen die Backsteingebäude der „Deutschen Norton“ in Wesseling brach. Der französische Konzern Sait Gobain hatte die 1909 gegründete deutsche Tochter des US-Schleifmittelherstellers übernommen und abgewickelt. Längst hat sich hier einer überregional bekannter Lost Place entwickelt – samt zügellosem Vandalismus: Die bis in die 1970er Jahre stets erweiterten Bauten sind Ruinen. Vor einigen Jahren gab es einen Vorstoß des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL), Teile unter Denkmalschutz zu stellen. Man hat nichts mehr davon gehört – ebenso wenig wie von den wechselnden Besitzern des neun Hektar großen Spekulationsobjekts.

Nun baut die Stadt Wesseling Druck auf: Gerade hat der Stadtrat eine Vorkaufsrechtssatzung für das Gelände auf den Weg gebracht, um der jahrzehntelangen Fehlentwicklung Herr zu werden und die Flächen gewerblich nutzbar zu machen. Bürgermeister Erwin Esser: „Eine Abkehr vom Nichtstun ist seitens der Eigentümerin des Geländes ohne stärkeren Druck nicht zu erwarten“. Auch die Vermittlung durch Flächenpool NRW habe seit 2014 zu keiner Einigung geführt. Nach anwaltlicher Beratung kam die nun beschlossene Satzung zur Vorlage. Gemäß Baugesetzbuch kann eine Gemeinde zur Sicherung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung Flächen in Gebieten, in denen sie Baumaßnahmen in Betracht zieht, definieren, an denen ihr ein Vorkaufsrecht zusteht. Vielleicht hilft´s… (db, 13.7.20)

Wesseling, Deutsche Norton (Bild: First-Neutron, CC BY-SA 3.0)

Die Seeterrassen retten!

Wäre es nicht so niederschmetternd wäre es längst langweilig, schon wieder über einen drohenden Abriss in Hamburg zu berichten: Deutschlandhaus, City-Höfe, Allianz-Haus, Postpyramide, Hermes-Hochhaus, Sternbrücke, BP-Zentrale und wohl bald auch Cremon-Brücke, Köhlbrandbrücke, Commerzbankhaus und die Postbank-Zentrale stehen auf der endlos langen Verlustliste. In der Hansestadt wird das architektonische Erbe so gründlich wie derzeit nirgendwo anders zerstört. Da kann man ja gleich da hingehen, wo´s wehtut – die Menschen sind es mittlerweile ja gewohnt. Kaum anders erklären lässen sie die Pläne, das Café Seeterrassen im Park „Planten und Blomen“ abzureißen – zugunsten eines „Neubaus mit einer zeitgemäßen gastronomischen Nutzung“, so der für die Immobilie zuständige Hamburger Messe-Geschäftsführer Bernd Aufderheide.

Eröffnet wurden die Seeterrassen zur IGA 1953, Architekt war Ferdinand Streb (1907-1970), der auch am Projekt Grindelhochhäuser mitwirkte. Die Hamburger Springer-Zentrale und der berühmte Alsterpavillon zählen ebenfalls zu seinen Werken. Nicht nur den Seeterrassen droht nun die Spitzhacke, die von Streb entworfene Villa von Berthold Beitz in Essen ist auch zum Abriss freigegeben. Während hier Rettung zu spät kommt, kann man für die Seeterrassen noch die Stimme erheben – und digital gegen die Zerstörung des sanierungsbedürftigen Kleinods unterschreiben: Seit gestern ist eine Petition zum Erhalt der Seeterrassen online: bitte hier klicken. (db, 8.7.20)

Hamburg, Seeterrassen (Bild: Horst Gottfried, CC BY NC ND 2.0, 2019, via flickr.com)

Hamburg, Seeterrassen (Bilder: Titelmotiv: Bestand Streb/Hamburgisches Architekturarchiv; unten: © Horst Gottfried, CC BY NC ND 2.0, 2019, via flickr.com)