Fällt St. Michael in Heidelberg?

Einem Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) zufolge plant die römisch-katholische Stadtkirchengemeinde Heidelberg, ihre Kirche St. Michael in der Südstadt abzureißen. Bereits seit Jahren wird über die Zukunft des Bauwerks nachgedacht. Kurz nachdem die Abriss-Idee erstmals aufkam, wurde die Kirche durch die obere Denkmalschutzbehörde 2013 als Kulturdenkmal gelistet. Nun soll der Abriss – nach Informationen der RNZ – im Pfarrgemeinderat diskutiert werden. Anstelle des Kulturdenkmals könne man sich ein Quartier für Demenzpatienten vorstellen, heißt es.

Gegen das Aus für die architektonisch wertvolle Kirche hat sich bereits Widerstand in den eigenen Reihen formiert: Ein Mitglied des Pfarrgemeinderats rief einen Verein ins Leben, der um den Erhalt von St. Michael kämpft. Für die Südstadt wäre der Abriss der Kirche städtebaulich ein herber Verlust. Mit ihrem quadratischen, um fünfundvierzig Grad gedrehten Baukörper und dem markant an einer Straßenecke positionierten Campanile prägt St. Michael die in den 1950er Jahren entstandene Umgebung. Von den schlichten Zeilenbauten und traditionellen Einfamilienhäusern hebt sich der Kubus mit Natursteinverkleidung deutlich ab. Zudem ist die 1963 nach Entwürfen von Manfred Schmitt-Fiebig entstandene Kirche, laut eines Porträts der Denkmalpflegerin Melanie Mertens, einer der ersten Bauten im Südwesten, bei dem ein neues Raumkonzept gewagt wurde – und das noch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. (mk, 9.11.20)

Heidelberg-Südstadt, St. Michael (Bild: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Foto: Bernd Hausner)

Heidelberg-Südstadt, St. Michael (Bild: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Foto: Bernd Hausner)

Heidelberg-Südstadt, St. Michael (Bild: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Foto: Bernd Hausner)

Heidelberg, St. Michael (Bild: Luftschiffhafen, CC BY SA 3.0, 2012)

Heidelberg-Südstadt, St. Michael (Bild: Luftschiffhafen, CC BY SA 3.0, 2012)

Titelmotiv: Heidelberg-Südstadt, St. Michael (Bild: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Foto: Bernd Hausner)

Ruhnau-Haus wird abgerissen

Der Baukünstler Werner Ruhnau ist 2015 gestorben. Sein letztes Wohnhaus, eine 1905 errichte Villa in Essen-Kettwig, wurde von den Erben an einen Investor verkauft – der nichts beseres zu tun hatte, als den Abriss des Jugendstilbaus zugunsten einer Wohnanlage anzukündigen (mR berichtete). In Bevölkerung und Nachbarschaft kam Widerstand auf, der LVR sagte eine Prüfung des Denkmalwerts zu. Aufgrund erfolgter Umbauten fiel diese negativ aus. Die endgültige Ablehnung des Denkmalschutzes erfolgte im Mai 2020. Jetzt könnte es um das ortsbildprägende Haus geschehen sein: Den Mietern wurde gekündigt, der geplante Abriss bei der Stadt angezeigt.

Die Arbeiten könnten Ende Oktober starten, heißt es seitens der Stadt. Die Essener Ratsfraktion der „Tierschutzpartei“ findet hierfür scharfe Worte: „Für die Bevölkerung stellt sich der Denkmalschutz in Essen inzwischen als Totalausfall dar,“ so Ratsherr Marco Trauten gegenüber lokalkompass.de, „Offenbar haben Denkmalbehörde und Stadt aus den Ereignissen rund um den Abriss des Jugendstilhauses am Kaiser-Friedrich-Platz in Werden nichts gelernt.“ Hier wurde 2017 ein repräsentatives Wohnhaus abgerissen und entgegen der Ankündigung die Fassade nicht erhalten. Bis heute klafft an der Stelle des Baus eine Lücke … Die Ruhrmetropole wird immer schöner: Der Abrisswut fällt in Essen gerade neben den letzten erhaltenen Gründerzeitbauten auch das RWE-Hochhaus (1980) zum Opfer. (db, 7.10.20)

Essen, Villa Ruhnau (Bild: Heinz Albers)

Wohnungen statt Haven Hööft

Wie belebt man einen Stadtteil, wenn eine größere Fläche frei wird? Einer der Irrwege hieß lange Zeit „Einkaufszentrum“. Das Haven Höövt ist solch ein Beispiel: Es ist 2003 auf einem einstigen Gelände der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack eröffnet worden, geplant hatte es das Büro BPG. Gut besucht war das Shopping-Center jedoch nie, und 2012 hatte der Eigentümer fast folgerichtig Insolvenz angemeldet. Mittlerweile ist das Gebäude leergeräumt und wartet auf den Abriss. Ende 2019 hat ein neues, kleineres Shopping-Center unterm Namen „Kontor am Alten Speicher“ eröffnet, in das mehrere der Haven-Hööft-Mieter umgezogen sind.

Das 1,5 Hektar große Areal des gescheiterten Konsumtempels wird nun erst einmal beräumt – gut ein halbes Jahr wird es dauern, bis das Haven Hööft abgerissen ist. In den kommenden Jahren soll hier nach Plänen des Mannheimer Projektentwicklers Max Zeitz das „Stadtquartier am Hafen“ entstehen: ein Mix aus Büros und Wohnungen, der den vor kaum 20 Jahren beschrittenen Irrweg des Einkaufscenters vergessen machen soll. (db, 3.9.20)

Bremen, Haven Höövt (Bild: Karsten Paulick via Pixabay)