„Jetzt bitte nicht bewegen“

Wer aus dem Selfiealter raus ist (oder nie reingekommen), der ist in diesen Wochen in Altenburg gut aufgehoben. Im örtlichen Residenzschloss können Fotobegeisterte aktuell einen einzigartigen Nachlass bestaunen: das Atelier Arno Kersten, genauer gesagt eine Auswahl aus 20.000 seiner Glasplattennegative, viele Teile der Studioausstattung und Geschäftskorrespondenz aus acht Jahrzehnten. Denn durch acht Jahrzehnte, von 1867 bis 1938 haben die Mitglieder der Familie das Leben in und um Altenburg dokumentiert – vom Architekturfoto bis zum Personenporträt.

Eigens produzierte Filme liefern in der Ausstellung den geschichtlichen Kontext einzelner Bildmotive aus einer Zeit, als Fotografie noch eine zeitraubende Angelegenheit war. Gezeigt werden Reroduktionen und Originale sowie Teilen der Studioausstattung in einem nachgestellten „Glashaus“. Die Ausstellung „Stadt. Mensch. Geschichten.“ ist noch bis zum 27. Oktober im Residenzschloss Altenburg zu sehen. Solange steht hier auch eine digitale Fotobox mit historischen Kostümen zum Eigenexperiment bereit. (kb, 25.6.19)

Titelmotiv: Schnappschuss in der Ausstellung „Stadt. Mensch. Geschichten. – Altenburger Fotoatelier Arno Kersten 1867-1938“ in Altenburg (Bild: Fotobox)

Postmoderne in Kork

In Altenburg sind sie noch bis zum 29. September (!) versammelt: die Typenbauten der postmodernen Konsumkultur. Aus Kork. Die Ausstellung „Altenburger Trialog“ ist derzeit im Lindenau-Museum in Altenburg (Gabelentzstraße 5, 04600 Altenburg) zu sehen. Unter den vorgestellten Ausstellungsstücken befindet sich auch eine Arbeit von Sebastian Wanke, dessen gemeinsam mit Christopher Falbe organisierte Fotoausstellung „Wanke und Falbe“ noch bis zum 30. September (!) in der Geschäftsstelle der Architektenkammer Thüringen (Architektenkammer Thüringen, Bahnhofstraße 39, 1. Obergeschoss, 99084 Erfurt) begutachtet werden kann.

Sebastian Wankes mit Philipp Specht erstellte Arbeit „Von Aromaten und Alifanten“, die nun im Lindenau-Museum ausgestellt ist, übersetzt drei Typenbauten der postmodernen Konsumkultur maßstabsgetreu in das Material Kork. Der Kunsthistoriker Michael Merkel beschreibt die drei Korkmodelle von einem Fast-Food-Restaurant, einem Supermarkt und einer Tankstelle: Wanke und Specht „greifen bei ihren Arbeiten die altertümliche Erscheinung des Materials auf und modellieren mit ihm maßstabsgetreu markante Gebäude unserer Gegenwart. (…) Auf diese Weise erschaffen Wanke und Specht eine ironisch-unheilvolle Atmosphäre um die Bauwerke unserer Alltagskultur.“ (kb, 27.9.17)

Sebastian Wanke/Philipp Specht, postmoderner Typenbau als Korkmodell in der Altenburger Ausstellung (Bild: Sebastian Wanke, AK Thüringen)