Schlagwort: Altona

Franz Roh, Bei mir kann geparkt werden, um 1925 (Foto: Dr. Richard Hampe)

„Bei mir kann geparkt werden“

Im Rahmen der 7. Triennale der Photographie „Breaking Point. Searching for Change“ zeigt das Altonaer Museum die Ausstellung „[RETURN] Fotografie in der Weimarer Republik“. Die Schau gehört zugleich zu den Veranstaltungen der Stadt Hamburg zum „Gedenkjahr 1918/19: Aufbruch in die Demokratie“. Denn gerade die Fotografie begleitet die junge Republik in allen ihren Wandlungen und erfand sich zugleich selbst neu.

Im Altonaer Museum markiert die Ausstellung vier Themenkreise: „Revolution und Republik“, „Vom Slowfox zum Grotesktanz“, „Die Mode der Goldenen Zwanziger“ und „Von der Neuen Sachlichkeit zum Neuen Sehen“. Dabei versteht sich die Bildauswahl als Vorschau auf die Ausstellung „Fotografie in der Weimarer Republik 1918-1933“, die 2019 im LVR-LandesMuseum Bonn zu sehen sein wird. In Altona werden daher ortsgeschichtliche Schwerpunkte gesetzt, indem man mit Fotografien aus dem eigenen Archiv arbeitet.  Ausewählt wurden z. B. Aufnahmen zum „Altonaer Blutsonntag“ am 17. Juli 1932. Dieser diente als Vorwand für die Absetzung der preußischen Regierung und die Einschränkung der Grundrechte – und bahnte damit auch dem NS-Staat den Weg. (kb, 9.6.18)

Titelmotiv: Franz Roh, Bei mir kann geparkt werden, um 1925 (Foto: Dr. Richard Hampe)

Hamburg-Altona: Eine ganze Straße zum Lesen

Es ist druckfrisch: das Buch „Die Große Bergstraße. Dokumentarische Ansichten einer Hamburger Einkaufsstraße 1950-2017“ von Johanna Klier und Sylvia Necker. Die Neue Große Bergstraße in Hamburg-Altona ist eine der ersten autofreien Einkaufsstraßen Deutschlands. Bis heute ist sie geprägt durch ihre moderne Nachkriegsarchitektur, aber vom einst glanzvollen Konzept ist nur noch ein Nachhall zu spüren. Dem heutigen Veränderungsprozess ging eine heftig geführte Debatte über die „gescheiterte“ Straße voraus, die ihren Höhepunkt mit der ersten innerstädtischen IKEA-Filiale Europas fand.

Johanna Klier hat die Umbaumaßnahmen fotografisch dokumentiert. Ihre Aufnahmen werden von Sylvia Necker in den historischen Kontext gestellt. Ergänzt um historisches Bildmaterial u. a. aus dem Bestand der „Neuen Heimat“, präsentiert das Buch mehr als 70 Jahre Stadtgeschichte. Die Buchvorstellung, bei der Sylvia Necker einen kurzen Bildvortrag über die Entwicklung der Straße halten und Johanna Klier einige ihrer Fotos zeigen wird, findet am Mittwoch, den 13. Dezember 2017 um 18.30 Uhr in der Großen Bergstraße 213 (ehem. „Frau Tulpe“) in Hamburg-Altona statt. (kb, 3.12.17)

Klier, Johanna/Necker, Sylvia (Hg.), Die Große Bergstraße. Dokumentarische Ansichten einer Hamburger Einkaufsstraße 1950 – 2017, Dölling und Galitz, München/Hamburg 2017, 200 Seiten, englisch-deutsch, ISBN: 978-3-86218-101-8.

Titelmotiv: Buchcover, Johanna Klier/Dölling und Galitz

Ein Klick für zwei Doppeldrehscheiben

Doppeldrehscheibe Altona (Bild: Modellbahnfreunde Schwarzenbek)
Im Großen abgerissen, im Kleinen nachgebaut: die Doppeldrehscheibe des Bahnbetriebswerks Altona (Bild: Modellbahnfreunde Schwarzenbek)

Rekonstruktion ist böse, so zumindest lange die reine Lehre in er Denkmalpflege. Aber in diesem Fall wäre selbst der konservativste Konservator entzückt. Ein Verein hat mit viel Zeit, Geld und Mühe die historische Doppeldrehscheibe von Hamburg-Altona rekonstruiert. Die Anlage war Teil des Bahnbetriebswerks Altona: 1890 gegründet, 1895 eingeweiht, erhielt die weitläufige Anlage südlich des Kopfbahnhofs Hamburg-Altona schon 1910 zwei neue Ringlokschuppen mit zwei 16-Meter-Ringdrehscheiben, die 1928 auf je 23 Meter „erweitert“ wurden – einmalig in seiner Art.

Teile des heute stillgelegten Bahnbetriebswerks stehen unter Denkmalschutz. Die Ringlokschuppen jedoch wurden 1982 abgerissen, die Reste der Drehscheiben zuletzt im Jahr 2000 entfernt. Doch die Freude an diesem Stück Technikgeschichte war nicht klein zu kriegen: Die Modellbahnfreunde Schwarzenbek bauen das Bahnbetriebswerk „en miniature“ nach. Nun steht ein Teil der Anlage, genauer gesagt ein Foto der Doppeldrehscheiben mit Platz für 54 Loks, im Wettbewerb. Wer Freude an diesem Blick in die Eisenbahnvergangenheit hat, kann mit einem Klick mitstimmen. An die besten drei Fotos vergibt die „Conrad Jury“ jeweils einen 100 Euro-Gutschein. Für Modellbauer ein großer Betrag! (kb, 2.11.15)

Frappant, frappant!

Das "frappant" in den frühen 1970er Jahren (Bild: privat)
Das „frappant“ in den frühen 1970er Jahren (Bild: privat)

Als eine der ersten westdeutschen Fußgängerzonen wurde die Hamburger Neue Große Bergstraße in den 1950er Jahren eröffnet. Das „Einkaufsparadies für Hausfrauen“ war in Altona Mitte so beliebt, dass hier ab 1968 das Einkaufszentrum „frappant“ geplant und gebaut wurde. Der Charme der Utopie in Beton mit Restaurants und Läden war jedoch schnell verblasst. Seit Ende der 1970er Jahre kämpften die Straße und das „frappant“ mit einem immer schlechter werdenden Image. Der Abgesang auf die Große Bergstraße gipfelte 2011 mit dem Abriss des „frappant“. Andere sehen darin einen Kaufrausch-Neubeginn: 2014 hat an der Stelle des „frappant“ eine IKEA-Filiale eröffnet.

Mit ihrem Vortrag „Frappant, frappant! (Kauf-)Rausch und Abgesang in der Altonaer Großen Bergstraße. 1954 bis in die Gegenwart“ stellt die Architekturhistorikerin Sylvia Necker am 31. August 2014 in Hamburg die wechselvolle Geschichte dieses Großbaus vor. Die Veranstaltung steht im Rahmen der Ausstellung „Vom Zustand der Stadt“ der Hamburger Architekturfotografin Johanna Klier. Und, wenn Sie sich bis dahin schon einmal warmlesen möchten, werfen Sie doch einen Blick in den Beitrag von Sylvia Necker im neuen moderneREGIONAL-Heft. (kgb, 22.8.14)

Altona: neuer Bahnhof, neue Mitte

Hamburg-Altona, S-Bahnsteig (Bild: IngolfBLN)
Hamburg-Altona, S-Bahnsteig (Bild: IngolfBLN)

Nein, es geht in den folgenden Zeilen nicht darum, Denkmalschutz für den „neuen“ Bahnhof Altona zu fordern. Doch es lohnt ein kurzer Blick, wie Altonas Mitte gerade zum dritten Mal in gut 100 Jahren umgekrempelt wird. Das noch selbständige und äußerst geschäftstüchtige Altona erhielt 1844 einen klassizistischen Bahnhof am westlichen Stadtrand. Als der Bahnverkehr zunahm, wurde am heutigen Standort 1898 der historistische Neubau eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg – Altona war inzwischen zu Hamburg geschlagen worden – richtete man den Bahnhof zunächst wieder her.

Doch in den 1970er Jahren wurde modernisiert, abgerissen und 1979 der dritte, „neue“ Bahnhof Altona eingeweiht: ein weitläufige Anlage aus Betonfertigteilen mit angegliedertem Kaufhof. Nach jahrelanger Diskussion ist es nun beschlossen: Der „neue“ Bahnhof Altona sei den neuen technischen Anforderungen nicht mehr gewachsen und wird bis 2023 an die S-Bahnhaltestelle Diebsteich verlegt. Auf der freiwerdenden Fläche im Zentrum von Altona soll Großes, vor allem Neues entstehen: 3.600 Wohnungen, einen Schule, ein Park, … Denkmalgeschützte Bauten wie die Kleiderkasse, ein Wasserturm und Güterhallen sollen erhalten und eingebunden werden. (kgb, 17.7.14)