Aalto-Wohnung anyone?

Zugegeben, von außen wirkt es erst einmal nicht sonderlich aufregend – seinen Reiz entwickelt das Hochhaus im Luzerner Schönbühl-Quartier nahe des Vierwaldstätterseesern erst innen: Egal, welche Wohnung man betritt, bietet sich ein grandioses Alpen-, See- oder Stadtpanorama, denn der Bau ist fächerförmig angelegt. Und für große Ideen sind oft auch große Architekten verantwortlich. So auch hier, denn der Entwurf des 1968 errichteten Solitärs stammt vom Finnen Alvar Aalto. 50 Jahre nach dem Bau wurde das Gebäude nun unter Erhalt vieler bauzeitlicher Details grundsaniert. Doch noch sind etliche Wohnungen frei, obwohl die Mietpreise von 2000 bis 3400 Franken für eine 3,5-Zimmer-Wohnung (je nach Etage und Ausrichtung) für Schweizer Verhältnisse bestenfalls im oberen Mittelfeld rangieren.

Nicolas von Schumacher von der Besitzerfamilie der Liegenschaft sprach gegenüber der Luzerner Zeitung von einem Überangebot an mittelpreisigen Wohnungen in der Region Luzern. Dennoch rechne man nach der endgültigen Fertigstellung nun mit einer steigenden Nachfrage. Interessanter Fakt am Rande: Für Aufregung im Vorfeld der Wiedereröffnung sorgte die Nachricht, dass Mieter im Aalto-Hochhaus für einen Zweirad- (Velo) Parkplatz 25 Franken pro Monat bezahlen sollen. Das wurde zwar auch zuvor schon so gehandhabt, sorgt in Zeiten des anstehenden städtischen Mobilitätswandels aber für Diskussionen. (db, 10.9.19)

Luzern, Alto-Hochhaus (Bild: Arlewo AG)

Aalto-Kirche in neuem Glanz

Der finnische Alleskönner Alvar Aalto (1898-1976) – Städteplaner, Architekt, Möbelgestalter und Designer – hat in Deutschland nur sechs Mal seinen stilsicheren Fußabdruck hinterlassen. Die meisten seiner Bauten finden sich in Wolfsburg, vom Kulturhaus bis zum Stephanus-Gemeindezentrum. Besonders eindrücklich holte Aalte für die 1962 eingeweihte Hl.-Geist-Kirche zum Schwung aus: Nach außen zeigt sich der Bau organisch geformt, im Inneren überfängt eine hölzerne Akustikdecke den Altarbereich.

Das Schmuckstück im wurde über fünf Monate hinweg sorgfältig renoviert und konnte zur Jahreswende wieder in Nutzung genommen werden. Die Sanierungsmaßnahmen waren umfangreich: die Fenster wurden renoviert und die Fassade neu gestrichen. An der Kirchenrückseite konnte man sogar wieder ein Stück der Entwurfsidee zurückgewinnen, indem man den Putz der 1990er Jahre beseitigte und wieder eine Schlämme auftrug. Ein Sponsor machte eine Vitrine möglich, in der man nun Hl. Geist als Modell im Maßstab 1:50 bewundern kann. Gegenüber der Wolfsburger Allgemeinen äußerte sich Kirchenvorsteher Sven-Ulf Weilharter begeistert vom runderneuerten Baukunstwerk: „Die Kirche strahlt wie eine Perle.“ Nun wartet die, ebenfalls von Aalto gestaltete, Kindertagesstätte der Gemeinde drängend auf eine Sanierung. (kb, 29.1.18)

Wolfsburg, Hl. Geist (Bild: Zahlenmonster, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2005)

Druckfrisch: „ACHTUNG modern!“

Druckfrisch: „ACHTUNG modern!“

Braunschweig, Achtung Modern! (Bild: Michael-Imhof-Verlag)
Braunschweig, Achtung Modern! (Bild: Michael-Imhof-Verlag)

Der spätmodernen Architektur im Braunschweiger Land widmete sich ACHTUNG modern!  – eine Initiative der Arbeitsgruppe Denkmalpflege in der Braunschweigischen Landschaft,  des Netzwerks Braunschweiger Schule e.V. und des Forums Architektur der Stadt Wolfsburg. In den Jahren 2013 und 2014 fand eine Veranstaltungsreihe statt zu den Bauten jener Ära; unter ihnen der Braunschweiger Hauptbahnhof (1960, Erwin Dürkop) oder die Wolfsburger Stephanuskirche (1967/68, Alvar Aalto). Referenten und Architekten informierten, überwiegend vor Ort, über die Baudenkmäler und ihre einstige und aktuelle Rezeption.

Nun erscheint die Dokumentation der zweijährigen Veranstaltung mit zeitgenössischen und aktuellen Statements, Essays, Interviews und Reflexionen zur Architektur zwischen 1960 und 1980. Der Band erkundet alle 14 in ACHTUNG modern! behandelten Bauwerke in Braunschweig, Wolfsburg, Wolfenbüttel, Salzgitter und Helmstedt als Marksteine der Architektur der späten Moderne. Darunter sind solche von weltbekannten Baumeistern, aber auch einige Gebäude weniger bekannter Architekten von ebenso hoher Qualität. Die Braunschweigische Landschaft e. V. lädt am 6. April um 18 Uhr zur Buchpräsentation ins Haus der Braunschweigischen Stiftungen, Löwenwall 16, 38100 Braunschweig.  Zur Einführung sprechen unter anderem Karin Wilhelm sowie die Herausgeber Ulrich Knufinke und Norbert H. Funke. (db, 26.3.17)