29 Lebensläufe zwischen DDR und BRD

Mit dem Jahr 1989 wechselte für die Berufsgruppe der Architekten nicht nur das Gesellschaftssystems, sondern auch die Form der Architekturproduktion: Vorher war das Bau- und Projektierungswesen institutionell wie ökonomisch in die Planung und Leitung der DDR eingebunden. Nachher wurden Architekten zu Freischaffenden innerhalb der “sozialen Marktwirtschaft” BRD. Wie erlebten Architekten diesen Übergang? Dieser Frage geht eine neue Publikation im VDG Verlag Weimar nach. Autorin ist die Architektin Frederike Lausch, selbst Absolventin der Bauhaus-Universität Weimar, heute wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kunstgeschichtlichen Instituts der Universität Frankfurt/Main.

Erstmalig überhaupt untersucht Lausch das subjektive Erleben der friedlichen Revolution und der deutschen Einheit aus Sicht ehemaliger DDR-Architekten. Die Grundlage bilden Interviews mit 29 Architekturabsolventen der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, der Vorgängerinstitution der heutigen Bauhaus-Universität Weimar ist. Die Befragten berichten von ihrer Ausbildungszeit, der Baupraxis in der DDR, ihrem Erleben der “Wende” und der Berufsausübung im vereinten Deutschland. Gerahmt werden diese individuellen Lebensläufe von Exkursen zur Architektenausbildung in Weimar. Hierfür wurden zum größten Teil zuvor noch uneingesehene Hochschulakten des Universitätsarchivs ausgewertet. (kb, 26.2.15)

Lausch, Fredrike, Architektenausbildung in Weimar. 29 Lebensläufe zwischen BRD und DDR, VDG Verlag, Weimar 2015, 238 Seiten, 25 Abbildungen, ISBN 978-3-95773-187-6.

Wie erlebten Architekten das Jahr 1989? Dieser Frage geht Frederike Lausch erstmalig mit ihrer neuen Publikation im VDG Verlag nach (Bild: VDG Weimar)

Kino-Architekten-Kino

Was hat Kino mit Architektur zu tun? Eine Frage, die mehr meint als Filmschaffende, die sich futuristische Kulissen bauen lassen oder Architekten, die sich nach der Baustelle im Lichtspieltheater entspannen. Vom 14. bis 15. Oktober 2015 sucht die Pariser Veranstaltung “Architectes cineastes, cineastes architectes” – veranstaltet von der INHA (Paris) und der ENSA Normandie – einen neuen Zugang. Denn sicher ist, dass viele Architekten die Orte, die sie besuchten, zu ihrer Inspiration filmisch dokumentierten. Und dass Filmschaffende auch architektonische Studien betrieben. Glaubt man ihren Erfahrungen, dann liegen diese beiden Dinge nah beieinander: ein Haus bauen und einen Film bauen.

Die Kernfrage ist: Wie haben sich Kino und Architektur gegenseitig beeinflusst – und wie haben sie ihre jeweilige Arbeitsweise dabei erneuern können? Forschende und Lehrende der Architektur, des Kinowesens, der Geschichtswissenschaften ebenso wie praktisch beteiligte Künstler, Filmschaffende und Architekten sind eingeladen, originelle und anregende Themen und Perspektiven einzubringen. Vorschläge können – als Resümee von max. 2.000 Zeichen mit einer Vita von max. 400 Zeichen und einem Schriftenverzeichnis von max. 5 Titeln – noch bis zum 30. April 2015 eingereicht werden unter: architecte.cineaste@gmail.com. (kb, 8.2.15)

Der Rest versendet sich: eine Filmkulisse für “Der Chinese” im Jahr 2010 (Bild: Duke of W4, CC BY-SA 3.0)

Ernst Maria Lang ist tot

Bekannt wurde Ernst Maria Lang (1916-2014) als langjähriger Karikaturist des Bayerischen Rundfunks (BR). Weniger bekannt sind die architektonischen Werke des gebürtigen Oberammergauers, der wegen einer kritischen Kariaktur aus der Hitlerjugend ausgeschlossen wurde. Nach dem Krieg studierte Lang an der Technischen Hochschule München, wo er noch bis 1949 als Assistent arbeitete. In diesen Jahren engagierten ihn auch die Süddeutsche Zeitung und der BR als Karikaturist. “Immer warmherzig und von Scharfsinnigkeit geprägt”, so beschreibt Ulrich Wilhelm, Intendant des BR, die Zusammenarbeit mit Lang.

Seit 1950 wirkte Ernst Maria Lang ebenfalls als Architekt und prägte München durch Bauten wie die Pfarrkirche St. Andreas im Schlachthofviertel (1953), die Studentenstadt Freimann (1960-78), die Parkstadt München-Solln (1965-67), das Hacker-Zentrum an der Theresienhöhe (1969-71) und das Pfarrzentrum St. Ansgar (1981-83). Von 1961 bis 1981 leitete er das Münchener Berufsbildungszentrum für Bau und Gestaltung. Es folgten zahlreiche Ehrungen: (Ehren-)Präsident der Bayerischen Architektenkammer, Mitglied im Rundfunkrat des BR, Ehrensenator der TU München, Träger des Theodor-Wolff-Preises für Karikatur sowie der Bayerischen Staatsmedaille. Am 1. August 2014 verstarb Erich Maria Lang im Alter von 97 Jahren in München. (kb, 5.8.14)

Lang entwarf u. a. die Münchener Studentenstadt Freimann (1960-78) (Bild: church of emacs)