Frau Architekt wandert

Frauen sind seit über 100 Jahren aktiver Teil des Architekturberufs, doch waren sie dabei lange (fast) unsichtbar. Das möchte die Ausstellung „Frau Architekt“ ändern, indem sie prägende Büropartnerinnen, Baudezernentinnen und Hochschullehrerinnen der Moderne ins Rampenlicht rückt. Eine – wenn auch späte – Ehrenrettung, aber zugleich ein bleibender Ansporn. Denn nur 31 Prozent dieses Berufsstandes (so die Zahlen der Ausstellungsmacher) sind heute Frauen.

Die Schau war 2017 zum ersten Mal erfolgreich zu sehen im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main. Nun bringen Baukultur Nordrhein-Westfalen und die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen „Frau Architekt“ in Kooperation mit dem DAM vom 12. August bis zum 2. Oktober 2020 nach Düsseldorf (Haus der Architekten). Dafür werden Elemente der Frankfurter Ausstellung ergänzt um einen neuen, vom Museum für Baukultur kuratierten NRW-Schwerpunkt: Architektinnen aus der Zeit vom späten Kaiserreich bis in die 1970er Jahre. (kb, 28.7.20)

Lea Grundig: Porträt der Architektin Iris Dullin-Grund, 1969 (Foto: © Privatbesitz)

Lina Bo Bardi: Together

Mit ihrem Mann, dem Architekten, Kunstkritiker und -sammler Pietro Maria Bardi ging die Italienerin Lina Bo Bardi (1914-92) im Jahr 1946 nach Brasilien. Das Paar war enttäuscht, dass im Nachkriegseuropa wieder die konservativen Kräfte regierten. Mit der Schau „Lina Bo Bardi: Together“ ehrt das Deutsche Architektur Zentrum in Berlin noch bis zum 17. August das vielfältige Werk der Architektin und Designerin. In der neuen südamerikanischen Heimat öffnete sie sich für die fremde Kultur und nutzte sie für ihre eigene Arbeit.

Lina Bo Bardis stammte aus einem liberalen Elternhaus, das ihr ein Architekturstudium ermöglichte. Im neuen Land plante sie Wohnhäuser und Kulturbauten – darunter das von ihrem Mann geleitete Museu de Arte de Sao Paulo (1968). In der Berliner Ausstellung beleuchten u. a. die Künstler Madelon Vriesendorp und Tapio Snellman das Werk der italienisch-brasilianischen Architektin aus einem neuen Blickwinkel. Die Fotografin Ioana Marinescu zeigt auch die Kunstwerke und Gegenstände, die Bo Bardi sammelte – und mit denen sie lebte. Zum 100. Geburtstag startet das Architekturmuseum der TU München am 13. November 2014 ebenfalls eine Ausstellung: „Lina  Bo Bardi 100“. (kb, 30.7.14)

Museu de Arte de Sao Paulo (Bild: Morio)