Schlagwort: Architektur

Inside North Korea (Bild: Oliver Wainwright; Copyright Taschen Verlag)

Nordkorea von innen

Kaum ein Land dieser Erde, das dem Westeuropäer fremder sein dürfte als Nordkorea. Der sozialistische Staat in Ostasien pflegt wohl das restriktivste politische System und den bizarrsten Personenkult. Oliver Wainwright, Architekturkritiker beim britischen Guardian, verbrachte 2015 eine Woche in Pjöngjang, der Hauptstadt der „Demokratischen Volksrepublik Korea“ – als überwachte Tour eines chinesischen Reiseveranstalters. Der Gast bekommt zu sehen, was der Staat zu sehen erlaubt: Wer Einblicke in den Lebensalltag erwartet, wird enttäuscht. Wer sehen möchte, wie sich ein System inszeniert, wird überreichlich bedient.

Wainwrights jetzt in Zusammenarbeit mit Julius Wiedemann erschienener Fotoband „Inside North Korea“ gibt einen Blick frei auf die unerwartet bunte Hauptstadt, die nach 1945 als sozialistische Mustermetropole wiederaufgebaut wurde. Zu sehen ist vor allem viel Monumentalarchitektur: Theater, Museen, Sportstätten, Wohnblöcke und propagandistische Denkmäler der kommunistischen „Heroen“ Kim Il Sung und Kim Jong Il, Großvater und Vater des heutigen Machthabers Kim Jong Un. Unter diesem hat die Bautätigkeit vor allem in der Hauptstadt stark zugenommen. „Eine Symphonie aus pastellfarbenem Konfekt, das mit einem Zuckerguss aus üppigen Plastikzierleisten und futuristischen Details überzogen ist“, nennt er Oliver Wainwright diese „bonbonfarbene Fata Morgana“. (db, 19.7.18)

Wainwright, Oliver; Inside North Korea, Taschen Verlag, Köln, 240 Seiten, 40 Euro,
ISBN 978-3-8365-7221-7.

Inside North Korea (Bild: Oliver Wainwright; Copyright Taschen Verlag)

Egon Eiermann, Hortenkacheln (Bild: Wolfgang Meinhart, CC BY-SA 3.0)

Noch einmal: Zwei Deutsche Architekturen

Die bereits seit 2004 um die Welt reisende Ausstellung „Zwei Deutsche Architekturen“ macht ein letzter Mal halt: In Kooperation mit dem Institut für Architektur der TU Berlin ist sie im Fakultätsforum des Architekturgebäudes zu sehen; sozusagen die ultimative Finissage. Die Schau des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) wirft einen Blick auf die Entwicklung des Bauens in den beiden deutschen Staaten zwischen 1949 und 1989 – einer Zeit, in der unter anderem Egon Eiermanns „Hortenkacheln“ in den 1960ern als Sinnbild des westlichen Wirtschaftsaufschwungs standen. Doch bilden den Mittelpunkt der Ausstellung nicht die politischen und ideologischen Intentionen der Bauherren, sondern die architektonische Qualität der vorgestellten Gebäude. Eine eindeutige Gegenüberstellung „Ost versus West“ wird durchgängig vermieden.

„Zwei Deutsche Architekturen 1949 – 1989“ wurde seit der Produktion vor 13 Jahren weltweit in 26 Städten gezeigt, unter anderem in Athen, Buenos Aires, Brüssel, Istanbul und Vilnius. Sie ist 2015 zudem von der international besetzten Fachjury der Architekturbiennale Buenos Aires zur besten Einzelausstellung gekürt worden. Nach der nun folgenden letzten Präsentation in Berlin steht die Ausstellung den Kulturinstitutionen in Deutschland als Dauerleihgabe zur Verfügung. Vernissage ist am 28. November um 19 Uhr im Fakultätsforum im Architekturgebäude, Ernst-Reuter-Platz/ Straße des 17. Juni 152, 10623 Berlin; bis 6. Januar. (db, 27.11.17)

Egon Eiermann, Hortenkacheln (Bild: Wolfgang Meinhart, CC BY-SA 3.0)

Erfurt, Neue Synagoge, Innenraum (Bild: U. Knufinke)

Building from Ashes

In den ersten Nachkriegsjahren war Europa ein „wilder Kontinent“ – geprägt von Kriegsverbrechen, Flucht, Hunger und Bürgerkriegen. Mittendrin fanden sich Juden mit ihren so unterschiedlichen Kriegserfahrungen wieder: Sie hatten KZ oder Ghetto überlebt, kamen aus dem Exil oder mit den alliierten Armeen zurück oder flohen vor der Verfolgung in den Sowjet-Staaten. Manche Juden organisierten von Deutschland ihre Ausreise, manche wollten (auf Zeit) bleiben und ein neues (jüdisches) Lebens aufbauen.

Die Tagung „Building from Ashes: Jews in Postwar Europe (1945-1950)“ – eine Kooperation des Jüdischen Museums Frankfurt mit dem Simon-Dubnow-Institut Leipzig, dem Seminar für Judaistik an der Universität Frankfurt und dem Fritz-Bauer-Institut – widmet sich dieser besonderen Station jüdischer Geschichte vom 3. bis 5. Dezember in Frankfurt am Main (Campus Westend, Goethe Universität, Renate-von-Metzler-Saal, Raum 1.801). In den einzelnen Panels sind z. B. folgende Themen vorgesehen: „Economic and social structures: re-integration into old structures, and the construction of new ones“; „Cultural revival: community (re-)building, the role of aid from world Jewry“; „Memory and silence: Jewish Holocaust documentation and Holocaust memory“; „Imagining and building the future: Jewish participation in the postwar administration and the formation of different states“. Die Konferenzsprache ist Englisch, die Tagung ist offen für Interessierte. (kb, 21.10.17)

Erfurt, Neue Synagoge, Neubau im Jahr 1952 (Bild: U. Knufinke)

Dessau, Volksschwimmhalle (Bild: Martin Maleschka)

Dessau: Betonglasfenster in Gefahr

Im Mai diesen Jahres nutzten Badegäste die letzte Chance in der alten Schwimmhalle am Brauhausberg in Potsdam zu schwimmen. Der moderne DDR-Bau von 1969 wird abgerissen. Zumindest die baugebundene Kunst wird jedoch überleben – indem man sie an den Neubau nebenan „bindet“. Auch die Dessauer Südschwimmhalle von 1976 soll abgerissen werden. Der Ersatzbau feierte bereits Richtfest. Auch hier findet sich ein „Kunstschatz“, nämlich ein Betonglasfries zum Thema „Wasser und Mensch“. Anders als in Potsdam, soll dieses Werk nach Angaben der Stadtverwaltung Dessau keinen Platz im Ersatzbau finden, denn es gäbe hier „einen schönen Ausblick auf Grünflächen, die bei einer farbigen Verglasung nicht mehr zur Geltung kommen würden“.

Obwohl die Stadt das Bild beim Abriss „sichern“ will, bleibt dessen Zukunft fraglich. Ihm wurde „keine überregionale Bedeutung“ zugesprochen. In Beton gegossene Dallglasstücke zierten viele öffentliche Bauten der 1960er und 1970er Jahre. Mit den Bauten verschwindet oft auch die Kunst. Besonders in den 1990er Jahren ging ein großer Teil der DDR-Betonglaskunst dieser Zeit verloren: Der Künstler Reginald Richter war neben dem Dessauer Bild beispielsweise auch an der Blume im Palast der Republik beteiligt. Eingelagerte Kunstwerke kommen nur noch selten ans „Licht“ – beispielsweise in einer Ausstellung in Frankfurt/Oder. (df, 15.6.17)

Bilder: Dessau, Südschwimmhalle/“Volksschwimmhalle“ (Titelmotiv: Martin Maleschka, Galerie: Martin Maleschka/Martin Schramme) – und eine Farb-Innenaufnahme gibt es bei flickr

BonnerBauPechaKuchaNightSpezial

Bonn, Südüberbauung (Bild: Eckhard Henkel, CC BY SA 3.0)
Nur eines von vielen Architekturbeispielen, über das in Bonn gerne lebhaft diskutiert wird: die Südüberbauung am Hauptbahnhof (Bild: Eckhard Henkel, CC BY SA 3.0)

In Kooperation mit der Volkshochschule Bonn sowie der Werkstatt Baukultur Bonn am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn präsentiert die VHS Bonn am 11. Juli 2016 wieder eine PechaKucha Night Spezial. Das bedeutet, dass es an diesem Abend wieder zu einem Themenschwerpunkt PechaKucha-Präsentationen gibt, die nach einem festen Zeitplan Kurvorträge (kurz!) mit vielen Bildern aneinanderreiht.

Studierende der Kunstgeschichte an der Universität Bonn stellen sich der Herausforderung und präsentieren zum Abschluss des Seminars „Baukulturelle Zeitschichten“ im Sommersemester 2016 Einblicke in ihre Diskussionen und Ergebnisse. Unterhaltsame Informationen und Gespräche sind garantiert. Freuen Sie sich auf folgende Präsentationen: Bauen – Umbauen – Abreißen- Bonn. Manhattan oder Altstadt? Ein architektonischer Melting pot: die Siedlung Didinkirica und ihre Erweiterung. Mauerblümchenbauten. Im Schatten des Münsters – Ein Platz im Wandel der Zeit. Das „Münsterplatz-Makeover“. Die Bauten des Deutschen Herold. Brückenforum kontra Konrad-Adenauer-Platz – Modelle der architektonischen Gestaltung im Vergleich. Diese PechaKucha Night Spezial findet statt im Haus der Bildung (Volkshochschule) am Bottlerplatz/Mülheimer Platz. Einlass ist um 19.00 Uhr, Beginn bereits um 19:30 Uhr. (kb, 10.7.16)