Ost Places

Eine Fotosafari macht erst dann Sinn, wenn es etwas zu jagen gibt: Übertragen auf die Architektur, trifft dies in besonderer Weise auf die Ostmoderne zu. Vieles ist schon weg, manches noch da und anderes wartet verborgen auf den kundigen Sucher. Der Fotograf und studierte Historiker Andreas Metz hat sich zwei Jahre – vorzugsweise mit Bahn und Rad – Zeit genommen für diese ertragreiche Bilderreise.

Am Ende wurden es 15.000 Fotos aus ganz Ostdeutschland. Sein persönliches Best-of hat Metz nun im Verlag Neues Leben zu einem opulenten Bildband zusammengestellt. Für ihn erzählen diese Motive „von Aufbruch und Abbruch, Heimat und Heimatverlust, von Siegern und Besiegten, verblühten und aufblühenden Landschaften“. 30 Jahre nach der Wiedervereinigung seien aus Ost Places Lost Places geworden. (kb, 23.9.19)

Metz, Andreas, Ost Places. Vom Verscheinden und Wiederfinden der DDR, Verlag Neues Leben, Berlin 2019.

Titelmotiv: Andreas Metz, „Ostplaces“ (Bild: Buchcover, Detail, Verlag Neues Leben)

Osthaus vor Bauhaus

Es gab ein „vor dem Bauhaus“ und das lag ausgerechnet in Westfalen: Mit dem „Hagener Impuls“ beeinflusste der Mäzen Karl Ernst Osthaus die Reformbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts, darunter auch sein Freund Walter Gropius. Mit dem Anspruch, „die Schönheit wieder zur herrschenden Macht im Leben“ zu machen, rief Osthaus zwischen 1900 und 1921 wegweisende Projekte ins Leben. Für Design-Aufgaben zog er wiederholt den Künstler Henry van de Velde hinzu, der hier zu einem reduzierten, auf die Moderne verweisenden Jugendstil fand. Zu den baulichen Zeugnissen dieser Ära zählen in Hagen u. a. das spätere Museum Osthaus, das Wohnhaus Hohenhof, die Gartenstadt Hohenhagen – und das Eduard-Müller-Krematorium, das kein Geringerer als Peter Behrens gestaltete.

In Dortmund widmet sich die Ausstellung „Vor dem Bauhaus: Osthaus – Einblicke in eine Fotosammlung“ dem Einfluss von Osthaus auf die moderne Architektur, vor allem seinem Verhältnis zur Fotografie. Denn gerade mit Lichtbildern machte er seine Projekte international bekannt und zielte auf eine neue Wahrnehmung der Baukunst. Die Ausstellung – eine Kooperation von TU Dortmund, Baukunstarchiv NRW und Deutschem Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg – wird vom 6. September bis zum 27. Oktober 2019 im Baukunstarchiv NRW (Ostwall 7, Dortmund) gezeigt. Die Vernissage findet am 5. September um 18 Uhr statt. (kb, 20.7.19)

Hagen, Eduard-Müller-Krematorium (Bild: Copyright Bildarchiv Foto Marburg)

In 500 Postkarten durch die Neue Welt

Rund 10.000 Motive hatte der Verlag Curt Teich & Co zu seinen Glanzzeiten im Programm: Die handkolorierten Leinenpostkarten prägten den US-amerikanischen Markt zwischen 1931 und den späten 1950er Jahren. Curt Teich Sen. hatte sich ab 1905 einmal quer durch die USA (genauer gesagt durch den Amerikanischen Westen) fotografiert. Seine Aufnahmen bildeten den Grundstock der beliebten Bildpostkarten, stetig erweitert um populäre Motive – darunter immer wieder auch moderne Architektur.

Heute sind diese Postkarten mit ihrer besonderen Ästhetik bei Sammlern wieder begehrt. Die aktuell im Hirmer-Verlag erschienene Publikation „New West“ versammelt die 500 schönsten Beispiele aus der Teich-Ära: Der Bick von den Twin Peaks auf San Francisco, der Große Salzsee in Utah, die moderne Architektur des Arizona Biltmore Hotels, der Wartesaal der Union Station in Los Angeles, … – solche farbenfroh in Szene gesetzten Motive erzählen vom US-amerikanischen Fortschrittsglauben jener Jahre. (kb, 16.7.19)

Wagener, Wolfgan/Erganian, Leslie, New West. Innovation at the Intersection, Hirmer Verlag, 320 Seiten, 500 Farbabbildungen, 29,2 x 22,9 cm, gebunden, ISBN 978-3-7774-3189-5.

Titelmotiv: Town and Desert apartments, Palm Springs, California, 1948 (Bild: © Courtesy Wagener-Erganian Collection)