Endlich: Zürich modern

Satte 1.200 Objekte können Schweiz-Fans (und solche, die es werden wollen) ab sofort in geballter Buchform erwerben. Dass darunter auch viel gute Moderne zu finden ist, muss für Zürich-Kenner nicht extra erwähnt werden. Entsprechend legt Herausgeber Werner Hubert den Schwerpunkt auf die Architektur nach 1850 – und schlägt den Bogen von den Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts über die Nachkriegsmoderne bis hin zur zeitgenössischen Baukunst.

Dabei will der Architekturführer mehr leisten als ein besser bebilderter Dehio. Neben prägenden Bauten werden eben auch öffentliche Räume thematisiert: Parks, Brücken und Plätze. In Fotostrecken soll der Blick über die bekanntere Altstadt hinaus erweitert werden zu den nicht minder sehenswerten Außenbezirken. Sieben Autoren liefern Hintergrundinformationen, einzelne Essays beleuchten weitere Aspekte und Epochen, zwei Stadträte geben Auskunft über künftige Planungen für Zürich. (kb, 19.6.20)

Huber, Werner (Hg.), Architekturführer Zürich. Gebäude – Freiraum. 1200 Objekte in Text, Bild und Plan, Hochpaterre, Zürich 2020, 780 Seiten, 15 x 24 cm, ISBN 978-3-909928-43-9.

Tour de Ruhr

Im industriellen Herzen Westdeutschlands war in der Nachkriegszeit der Fortschrittsglaube besonders greifbar: An Rhein und Ruhr brummte und qualmte der Motor des Wirtschaftswunders. Nachdem das Gebiet während des Krieges stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, gab viel zu tun für Architekten und Stadtplaner. Zwischen Duisburg und Dortmund entstanden bis in die 1970er einzigartige Planungen, in sämtlichen Größendimensionen: Von der Neuplanung einer gesamten Universität in Bochum bis hin zu pyramidenförmigen Wohnhügeln in Marl.

Leider sind viele dieser Werke der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt – oder verkannt, obwohl sie den Ruhrstädten vielfach ihr Gesicht schenken. Die Initiative „Big Beautiful Buildings“ hat sich 54 Objekte in 17 Städten vorgenommen, sie dokumentiert, fotografiert und kommentiert. Herausgekommen ist der Band „Architektur der 1950er bis 1970er Jahre im Ruhrgebiet“, erschienen im Kettler Verlag. So ist es möglich die einzelnen Bauwerke nebeneinander zu sehen und zu verstehen. Dann zeigt sich, dass hinter einer mittlerweile schmutzigen Betonfassade meist mehr steckt als man auf den ersten Blick annehmen könnte. (jm, 28.5.20)

Rieniets, Tim/Kämmerer, Christine (Hg.), Architektur der 1950er bis 1970er Jahre im Ruhrgebiet. Als die Zukunft gebaut wurde, hg. von StadtBauKultur NRW, Kettler-Verlag, Dortmund 2019, Paperback, 12,5 × 24 cm, ISBN: 978-3-86206-755-8.

Titelmotiv: Auszug aus dem Buch (Bild: Architektur der 1950er bis 1970er Jahre im Ruhrgebiet, Kettler-Verlag)

Köln? Läuft!

Dank der Deutschen Bahn hat der eine oder die andere immer mal wieder unfreiwillig ein/zwei Stündchen Aufenthalt am Kölner Hauptbahnhof – die beste Gelegenheit für einen Abstecher zu den architektonischen Schönheiten der Rheinmetropole. Doch wo anfangen? Da verspricht der neu-aufgelegte „Online-Architekturführer Köln“ Abhilfe. „Brückengrün und supermodern“ sei er und biete das Beste aus Buch und Netz. Denn hier wurden der preisgekrönte Print-Architekturführer und der Online-Architekturführer Bauwatch von koelnarchitektur.de zusammengeführt und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Das Ergebnis lässt sich auf dem Smartphone (Android und iOS) wie eine konventionelle App installieren.

Aktuell können 88 Einträge, zeitgenössische und moderne Bauten und Quartiere – sortiert nach Architekten, Kategorien oder Stadtteilen – aufgerufen werden, darunter Schönheiten wie das Amerika-Haus, Kolumba, das Herkuleshochhaus und die Immanuelkirche. Jedes Projekt wird mit Texten, Fotos und Plänen ausführlich dokumentiert. Und wer seinem Handy den Zugriff auf den aktuellen Standort gestattet, dem folgt der digitale Helfer quer durch die Stadt. Der Online Architekturführer Köln soll modular weiter ausgebaut und aktuell gehalten werden. Die nächste Bahn-Signalstörung im Raum Köln kann kommen … (kb, 30.9.19)

Köln, Kolumba (Bild: © Raimond Spekking, CC BY SA 4.0, via wikimedia commons)