Weißenhof zum Lesen

Die 1927 eröffnete Werkbundsiedlung auf dem Stuttgarter Weißenhof zählt zu den weltweiten Ikonen der Moderne. Ihr Initiator, der Deutsche Werkbund Baden-Württemberg, nutzt sie nun als Ausgangspunkt für einen öffentlichen Diskurs sowohl über damalige als auch aktuelle Themen des menschlichen und gesellschaftlich umfassenden Denkens und Handelns – im Rahmen einer neuen Buchreihe, welche mit dem Band über die Weißenhofsiedlung startet. Qualität, Materialgerechtigkeit, Funktionalität und Nachhaltigkeit sind zentrale Werte des Werkbunds, die weiterführenden Fragen zu sozialer Verantwortung der Architektur, zu Landschaft und Stadt, zu Denkmalschutz, Klimawandel und den Formen des (zukünftigen) Wohnens werden Berücksichtigung in dieser Reihe finden.

Da die Inzidenzen derzeit niedrig sind, gibt es (Stand heute) eine analoge Präsentation samt Fotoausstellung zum Buch „Die Werkbundsiedung auf dem Weißenhof – 100 Jahre zeitnah„: Am 23. Juli, dem 94. Jahrestag der Eröffung der Schau „Die Wohnung“, lädt der Werkbund in die Architekturgalerie am Weißenhof. Los geht es ab 17 Uhr mit einem Büchertisch, die Eröffnung ist um 19 Uhr. Es sprechen Prof. Dr. phil. habil Klaus Jan Philipp, Vorstand der Architekturgalerie am Weißenhof, Prof. Dr.-Ing. Siegfried Gaß, Stadtgruppe Stuttgart des Deutschen Werkbunds BW sowie Inken Gaukel, Architekturhistorikerin und Mitautorin. Die Fotografien kommen von Wolfram Janzer. (db, 8.7.21)

Weißenhofsiedlung, Haus Le Corbusier/Jeanneret (Bild: A. Praefcke, CC BY 3.0)

Quo vadis, Casa Sperimentale?

Im italienischen Küstenort Fregene, 30 Kilometer von Rom entfernt, verfällt ein brutalistisches Traumhaus: das Casa Sperimentale. Von 1968 bis 1978 arbeiteten die Architekten Giuseppe Perugini (1914-95) und Uga de Plaissant (1917-2004) mit ihrem Sohn Raynaldo Perugini (*1950) an diesem Raumexperiment inmitten eines Pinienwaldes. Wirklich gewohnt wurde hier nie – es wäre schwierig gewesen ohne Küche, in kugelrunden Bädern, mit scheinbar wild zusammengewürfelten Raumquadern inmitten eines Betonstrebengerüsts. Alles hier war Pionierarbeit, sogar der beauftragte Bauunternehmer hatte mit Beton wenig Erfahrung. Die Familie nannte den Bau „das Baumhaus“ – Casa Albero. Ein Raum zum Planen, zum Repräsentieren, für Treffen mit Freunden. Seit 2004 wird das Haus nicht mehr genutzt, mit der Zeit kam der Vandalismus. Derzeit ist das von Graffiti übersäte Casa Sperimentale wohl die meistfotografierte Moderne-Ruine Italiens.

Sabine Storp und Patrick Weber, beide lehren an der Bartlett School of Architecture, haben dem bedrohten Kunstwerk nun eine Ausstellung gewidmet. In der Stuttgarter Architekturgalerie am Weißenhof kann man bis zum 3. März die Schau „Casa Sperimentale – das Baumhaus im Pinienwald“ besuchen. Dies in der Hoffnung, dass der akut bedrohte Bau doch eine Zukunft hat: Die Kuratoren wollen ihn mittels einer Stiftung erwerben und restaurieren. Und auf diesem Weg hilft nichts so gut wie Öffentlichkeit! (db, 23.1.18)

Fregene, Casa Sperimentale, 2018 (Bild: French+Tye)

Hagen von Ortloff kommt nach Stuttgart

Ja, die märklinMODERNE-Vernissage in Stuttgart am 11. Juli liegt kurz vor einem WM-Halbfinalspiel. Aber, Sie können beides haben: Um 19 Uhr geht es los mit der Ausstellungseröffnung in der architekturgalerie am weißenhof (der Auftakt findet statt in der Alten Aula im Altbau der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: Am Weißenhof 1, Stuttgart). Es spricht Hagen von Ortloff, lange Jahre Moderator der SWR-Kultsendung „Eisenbahn-Romantik“. Zudem arbeitete er als Sportjournalist. Für alle Fans des „rollenden Materials“ bieten wir ab 20 Uhr im Hinterzimmer einen kleinen Fußball-Bildschirm. In den Vorderzimmern können Sie ungestört durch die Ausstellung stöbern. (db/kb, 9.7.18)

 

Begleitprogramm

11. Juli 2018, ab 19 Uhr: Vernissage, Auftakt in der Alten Aula im Altbau der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (Am Weißenhof 1, Stuttgart).

22. Juli 2018, 14.30 bis 17.30 Uhr: „Basteln mit Bartetzko“ in der architekturgalerie am weißenhof in Stuttgart zum Sommerfest am Killesberg.

11. August 2018, 16 bis 17 Uhr: Filmpremiere von „märklinMODERNE“, von Otto Schweitzer und C. Julius Reinsberg im Deutschen Filmmuseum (Schaumainkai 41, Frankfurt).

7. September 2018: Tagesfahrt zur Wiege des Modellbaus, Gütenbach im Schwarzwald, Voranmeldung (bis 10. August): k.berkemann@moderne-regional.de, Unkostenbeitrag 60 € (ab Frankfurt)/50 € (ab Stuttgart).

22. September 2018, 20 bis 21 Uhr: Lesung „Der Superbastler“ – Lebenshilfe aus Modellbau-Magazinen der Wirtschaftswunderzeit in „Buch & Spiel“ in St. Stefan (Rotenwaldstraße 98, Stuttgart), einer profanierten brutalischen Kirche von 1976.

Hagen von Ortloff (Bild: Liesel, CC BY SA 4.0)