Respektvolles Um-Bauen

Ob unser Planet reif für die Intensivstation ist, mag diskutabel erscheinen. Dass es der Erde nicht wirklich gut geht, dürften aber die meisten mittlerweile verstanden haben. Und so liegt die Ausstellung „Critical Care“, die noch bis kommenden Sonntag (9. September) im Architekturzentrum Wien läuft, mit ihrem Anliegen richtig, auch wenn der Untertitel „Architecture and Urbanism for a Broken Planet“ arg dramatisch klingt. Doch moderne Stadtplanung und Baukunst sind tief verwoben mit dem umwelt- und ressourcenfressenden Kapitalismus. Und so widmet sich die Schau einer architektonischen Neuausrichtung hin zu Nachhaltigkeit, Anpassung an örtliche Verhältnisse und verantwortungsbewusstem Umgang mit dem (nachkriegsmodernen) Bestand.

Die Kuratorinnen Angelika Fitz und Elke Krasny finden die Ursachen für die Krise auch in einer Architektur, die der Welt mit vorschnellem Abriss und Neubau ihren Stempel aufdrückt. 21 internationale positive Beispiele zwischen Neubau und Umgestaltung zeigen, dass manchmal schon eine kleine Ergänzung, eine behutsame „Reparatur“ dabei helfen kann, die gewohnte Umgebung neu zu entdecken und klüger zu nutzen. Begleitend zur Ausstellung ist bei MIT Press eine gleichnamige Publikation erschienen. (db, 2.9.19)

Im Bestand wurde neuer öffentlicher Raum für Soziales, Kultur und Freizeit geschaffen: Paulo Mendes da Rocha und MMBB Architekten: SESC 24 Maio, São Paulo, Brasilien, 2017 (Bild: © Foto: Ana Mello)

Kinosommer für Architektophile

Wem das aktuelle Mainstreamkino zu langweilig ist, der findet in Wien eine gute Alternative: Am Mittwoch, dem 9. August beginnt im hiesigen Architekturzentrum der Architektur.Film.Sommer 2017. Es ist bereits die fünfte Auflage des Filmfestivals, das als Open-Air-Veranstaltung im Hof des Architekturzentrums stattfindet. Einen Monat lang kommen Architekturfreunde hier jeden Mittwoch auf Ihre Kosten. Los geht’s jeweils um 20.30 Uhr.

Dieses Jahr steht die Veranstaltungsreihe unter dem martialischen Motto „Kampf um die Stadt“. Den Auftakt bildet ein Kinoabend, der am 9. August unter dem Titel „Die Zukunft von gestern“ den Planungsparadigmen der Nachkriegsmoderne nachgeht. Auf dem Programm steht unter anderem der kürzlich vollendete Dokumentarfilm „Citizen Jane: Battle for the City“, der die Auseinandersetzung der Architekturkritikerin Jane Jacobs mit der New Yorker Baupolitik beleuchtet. Der nächste Kinoabend mit dem Titel „Die Arbeiter*innen verlassen die Stadt“ widmet sich am 16. August dem Verschwinden der klassischen Arbeiterklasse aus den Städten, eine Woche später fragt der Themenabend „Rast-los“ nach dem Leben mobiler Großstädter. Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet der Kinoabend am 30. August, der dem Thema „Leerstand in der wachsenden Stadt“ gilt. Bei schlechtem Wetter wird die Veranstaltung nach drinnen verlegt, dies sei aber nur der Form halber erwähnt. (jr, 9.8.17)

Jane Jacobs 1963 (Bild: PD)

Die Wohnung Klobučar

Die Wohnung Klobučar

Wien: "Die Wohnung Klobucar" (Bild: Architekturzentrum Wien, Foto: Christoph Panzer)
Wien: „Die Wohnung Klobucar“ (Bild: Architekturzentrum Wien, Foto: Christoph Panzer)

„Kind, sowas habe ich letztes Jahr in den Sperrmüll gestellt!“ Wenn Sätze dieser Art fallen, ist eine Stilepoche auf dem besten Weg zum Klassiker. In Wien kann man diese Wende nun am Objekt nachvollziehen: Im dortigen Architekturzentrum (Museumsplatz 1, Halle F3) geht es unter dem verheißungsvollen Titel „Wiens unbekanntes Juwel“ mit Christoph Panzer auf fotografische Reise in die 1970er Jahre.

Alles dreht sich um die Wohnung des aus Kroatien stammenden Dirigenten Berislav Klobučar (1924–2014). Bei einem Engagement traf er in Buenos Aires auf eine Gruppe kreativer Exilösterreicher, darunter auch die Architektenbrüder Walter und Hermann Loos. Begeistert von den Wohnungseinrichtungen des jüngeren Hermann, beauftragte ihn Klobučar mit der Gestaltung seiner Wiener Wohnung. Unbemerkt von der Öffentlichkeit entstand so Anfang der 1970er Jahre eine der elegantesten und originellsten Wohnungseinrichtungen der Stadt. Das Juwel ist in einem singulären Originalzustand verblieben. Schon damals, im grauen Wien der Nachkriegszeit, war dieses „sensationell kosmopolitische“ Interieur auf 200 Quadratmern einzigartig. Am 9. November wird um 19 Uhr die Vernissage begangen, im Anschluss ist die Ausstellung im Rahmen des Programms „Eyes on – Monat der Fotografie Wien“ noch bis zum 4. Dezember 2016 zu sehen. (kb, 24.10.16)