Gehen Sie über Loos

Im Jahr 2020 jährt sich der Geburtstag von Adolf Loos zum 150. Mal. Anlass für das Architekturzentrum Wien, einem der Pioniere der Moderne ein Schaufenster und eine Installation innerhalb der a_schau (der Dauerschau des Az W) zu widmen. Loos´ Schriften und Bauten haben sich in die globale Architekturgeschichte eingeschrieben. Von entscheidendem Einfluss war vor allem sein Konzept des „Raumplans“, welches er 1930 in einem Vortrag in Pilsen wie folgt beschrieb: „Meine Architektur ist überhaupt nicht in Plänen konzipiert, sondern in Räumen beziehungsweise Kuben. Ich plane keinerlei Grundrisse, Fassaden, Aufrisse. Sondern Räume. (…). Die Geschosse verfließen ineinander und knüpfen aneinander an.“

Die Sonderschau „Adolf Loos – Nachleben“ ist vom 3. bis 30. September im Az W zu sehen; ihre Kuratorinnen Monika Platzer und Sonja Pisarik nehmen die Loos’sche Strahlkraft auf die nachfolgenden Generationen bis in die Gegenwart unter die Lupe. Ausgehend von einem originalen Fundstück eröffnet sich mit einem Fenster zum Hof die Auseinandersetzung. In der Dauerausstellung sind hierzu ergänzende Projekte aus der Sammlung des Az W zu sehen, die sich von Adolf Loos inspirieren ließen. Sind’s also so nett bittschön, und gehen’s über Loos, wenn’s in Wean san … (db, 54.9.20)

Wien, Loos-Haus (Bild: Olga Sitnik, CC BY SA 3.0)

Kalter Krieg und Architektur


Nach 1945 prägten die vier alliierten Siegermächte – Großbritannien und Frankreich, die USA und die Sowjetunion – mit ihrer jeweiligen Kulturpolitik für viele Jahre auch die Architektur in Österreich. Wien avancierte gar zu einem zentralen Schauplatz des Kalten Kriegs. Vor diesem Hintergrund zeigt die Ausstellung „Kalter Krieg und Architektur. Beiträge zur Demokratisierung Österreichs nach 1945“ im Architekturzentrum Wien das damalige Baugeschehen im Nachkriegs-Österreich erstmals im Kontext des globalen Ost-West-Konflikts.

Architektur im Wettstreit der Systeme – mit diesem Ansatz möchten die Wiener Ausstellungsmacher neue Aspekte der Architekturgeschichte aufschließen. In die vier Besatzungszonen untergliedert, formt sich aus Fotografien, Plänen, Filmen und Originalzeichnungen so „ein Sittenbild der Nachkriegsmoderne“. Die Ausstellung wird eröffnet am 16. Oktober 2019 um 19 Uhr, im Anschluss ist die Schau zu sehen bis zum 24. Februar 2020. Begleitend erscheint bei Park Books die gleichnamige Publikation sowie deren englische Ausgabe. (kb, 20.9.19)

Ferdinand Kitt, Paula-Preradović-Haus, Alpbach (Bild: © Architekturzentrum Wien, Sammlung)

Respektvolles Um-Bauen

Ob unser Planet reif für die Intensivstation ist, mag diskutabel erscheinen. Dass es der Erde nicht wirklich gut geht, dürften aber die meisten mittlerweile verstanden haben. Und so liegt die Ausstellung „Critical Care“, die noch bis kommenden Sonntag (9. September) im Architekturzentrum Wien läuft, mit ihrem Anliegen richtig, auch wenn der Untertitel „Architecture and Urbanism for a Broken Planet“ arg dramatisch klingt. Doch moderne Stadtplanung und Baukunst sind tief verwoben mit dem umwelt- und ressourcenfressenden Kapitalismus. Und so widmet sich die Schau einer architektonischen Neuausrichtung hin zu Nachhaltigkeit, Anpassung an örtliche Verhältnisse und verantwortungsbewusstem Umgang mit dem (nachkriegsmodernen) Bestand.

Die Kuratorinnen Angelika Fitz und Elke Krasny finden die Ursachen für die Krise auch in einer Architektur, die der Welt mit vorschnellem Abriss und Neubau ihren Stempel aufdrückt. 21 internationale positive Beispiele zwischen Neubau und Umgestaltung zeigen, dass manchmal schon eine kleine Ergänzung, eine behutsame „Reparatur“ dabei helfen kann, die gewohnte Umgebung neu zu entdecken und klüger zu nutzen. Begleitend zur Ausstellung ist bei MIT Press eine gleichnamige Publikation erschienen. (db, 2.9.19)

Im Bestand wurde neuer öffentlicher Raum für Soziales, Kultur und Freizeit geschaffen: Paulo Mendes da Rocha und MMBB Architekten: SESC 24 Maio, São Paulo, Brasilien, 2017 (Bild: © Foto: Ana Mello)