Kalter Krieg und Architektur


Nach 1945 prägten die vier alliierten Siegermächte – Großbritannien und Frankreich, die USA und die Sowjetunion – mit ihrer jeweiligen Kulturpolitik für viele Jahre auch die Architektur in Österreich. Wien avancierte gar zu einem zentralen Schauplatz des Kalten Kriegs. Vor diesem Hintergrund zeigt die Ausstellung „Kalter Krieg und Architektur. Beiträge zur Demokratisierung Österreichs nach 1945“ im Architekturzentrum Wien das damalige Baugeschehen im Nachkriegs-Österreich erstmals im Kontext des globalen Ost-West-Konflikts.

Architektur im Wettstreit der Systeme – mit diesem Ansatz möchten die Wiener Ausstellungsmacher neue Aspekte der Architekturgeschichte aufschließen. In die vier Besatzungszonen untergliedert, formt sich aus Fotografien, Plänen, Filmen und Originalzeichnungen so „ein Sittenbild der Nachkriegsmoderne“. Die Ausstellung wird eröffnet am 16. Oktober 2019 um 19 Uhr, im Anschluss ist die Schau zu sehen bis zum 24. Februar 2020. Begleitend erscheint bei Park Books die gleichnamige Publikation sowie deren englische Ausgabe. (kb, 20.9.19)

Ferdinand Kitt, Paula-Preradović-Haus, Alpbach (Bild: © Architekturzentrum Wien, Sammlung)

Respektvolles Um-Bauen

Ob unser Planet reif für die Intensivstation ist, mag diskutabel erscheinen. Dass es der Erde nicht wirklich gut geht, dürften aber die meisten mittlerweile verstanden haben. Und so liegt die Ausstellung „Critical Care“, die noch bis kommenden Sonntag (9. September) im Architekturzentrum Wien läuft, mit ihrem Anliegen richtig, auch wenn der Untertitel „Architecture and Urbanism for a Broken Planet“ arg dramatisch klingt. Doch moderne Stadtplanung und Baukunst sind tief verwoben mit dem umwelt- und ressourcenfressenden Kapitalismus. Und so widmet sich die Schau einer architektonischen Neuausrichtung hin zu Nachhaltigkeit, Anpassung an örtliche Verhältnisse und verantwortungsbewusstem Umgang mit dem (nachkriegsmodernen) Bestand.

Die Kuratorinnen Angelika Fitz und Elke Krasny finden die Ursachen für die Krise auch in einer Architektur, die der Welt mit vorschnellem Abriss und Neubau ihren Stempel aufdrückt. 21 internationale positive Beispiele zwischen Neubau und Umgestaltung zeigen, dass manchmal schon eine kleine Ergänzung, eine behutsame „Reparatur“ dabei helfen kann, die gewohnte Umgebung neu zu entdecken und klüger zu nutzen. Begleitend zur Ausstellung ist bei MIT Press eine gleichnamige Publikation erschienen. (db, 2.9.19)

Im Bestand wurde neuer öffentlicher Raum für Soziales, Kultur und Freizeit geschaffen: Paulo Mendes da Rocha und MMBB Architekten: SESC 24 Maio, São Paulo, Brasilien, 2017 (Bild: © Foto: Ana Mello)

Kinosommer für Architektophile

Wem das aktuelle Mainstreamkino zu langweilig ist, der findet in Wien eine gute Alternative: Am Mittwoch, dem 9. August beginnt im hiesigen Architekturzentrum der Architektur.Film.Sommer 2017. Es ist bereits die fünfte Auflage des Filmfestivals, das als Open-Air-Veranstaltung im Hof des Architekturzentrums stattfindet. Einen Monat lang kommen Architekturfreunde hier jeden Mittwoch auf Ihre Kosten. Los geht’s jeweils um 20.30 Uhr.

Dieses Jahr steht die Veranstaltungsreihe unter dem martialischen Motto „Kampf um die Stadt“. Den Auftakt bildet ein Kinoabend, der am 9. August unter dem Titel „Die Zukunft von gestern“ den Planungsparadigmen der Nachkriegsmoderne nachgeht. Auf dem Programm steht unter anderem der kürzlich vollendete Dokumentarfilm „Citizen Jane: Battle for the City“, der die Auseinandersetzung der Architekturkritikerin Jane Jacobs mit der New Yorker Baupolitik beleuchtet. Der nächste Kinoabend mit dem Titel „Die Arbeiter*innen verlassen die Stadt“ widmet sich am 16. August dem Verschwinden der klassischen Arbeiterklasse aus den Städten, eine Woche später fragt der Themenabend „Rast-los“ nach dem Leben mobiler Großstädter. Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet der Kinoabend am 30. August, der dem Thema „Leerstand in der wachsenden Stadt“ gilt. Bei schlechtem Wetter wird die Veranstaltung nach drinnen verlegt, dies sei aber nur der Form halber erwähnt. (jr, 9.8.17)

Jane Jacobs 1963 (Bild: PD)