Bin ich schön?

„Wo steht das schönste Rathaus in Nordrhein-Westfalen?“, fragt das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen im Herbst. Rund 70 Vorschläge von Bürgern wurden seit vergangenem Herbst eigereicht. Darunter ist auch das Castrop-Rauxeler Rathaus, Teil des 1966-76 errichteten Forum Castrop Rauxel nach Plänen von Arne Jacobsen und Otto Weitling (der das Projekt nach Jacobsens Tod 1971 vollendete). Der Vorschlag für das denkmalgeschützte Ensemble kam von Malte Fercke, Vorsitzender des Ausschusses für Bürgerbeteiligung und Stadtteilentwicklung in Castrop.

Ab Ende Februar können die NRW-Bürger nun das „schönste Rathaus“ wählen. Der Gewinner wird am 28. März auf dem Heimat-Kongress des Landes NRW ausgezeichnet.„Rathäuser sind die Heimat der Demokratie vor Ort. Sie sind die wichtigsten Zentren der Demokratie in unseren Städten und Gemeinden. Mit unserer Aktion wollen wir sie in den Mittelpunkt rücken“, erklärte Ina Scharrenbach, die zuständige Ministerin, am Internationalen Tag der Demokratie am 15. September 2019 die Aktion. Ziel sei es, die ehrenamtliche Arbeit in der Kommunalpolitik, die demokratischen Institutionen auf lokaler Ebene sowie das historisch-kulturelle Erbe des Landes, das sich auch in der Architektur der Rathäuser zeige, in den Fokus zu rücken und zu stärken. Sicher, Schönheit ist kein denkmalpflegerisches Kriterium, aber dennoch raten wir: NRW-Modernisten, stimmt eifrig ab! (db, 11.1.20)

Castrop-Rauxel, Rathaus (Bild: Arnoldius, CC BY-SA 3.0)

Mainz: Was kostet der „Fuchsbau“?

Während vom dänischen Architekten Arne Jacobsen designte Stühle heute auf Versteigerungen erstaunliche Summen einbringen, hat es eines seiner modernen Baukunstwerke schwer. In Mainz gestaltete Jacobsen mit Otto Weitling 1974 das moderne Rathaus. In seiner Monumentalität sollte es für das neue Selbstbewusstsein des wiederaufgebauten Mainz stehen. Heute präsentiert es sich als dringend sanierungsbedürftig – vor allem die Fassadenplatten bereiten den Experten Sorgen. 2018 entschied sich der Stadtrat – nach einer langen und kontroversen öffentlichen Debatte – für die Sanierung. Damals wurden die Kosten für die Maßnahme auf bis zu 70 Millionen Euro veranschlagt. Gegen Ende diesen Jahres werden konkretere Kostenaufstellungen erwartet, so kocht die alte Diskussion wieder hoch: Wieviel ist den Mainzern ihr Rathaus wert?

Vor diesem Hintergrund veranstaltet der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz am 11. Oktober 2019 im Mainzer Rathaus (Ratssaal, Jockel-Fuchs-Platz 1, Mainz) das zweite Forum Nachkriegsarchitektur unter dem Titel „Alles nur Fassade? Zum Umgang mit den Gesichtern der Nachkriegsarchitektur“. Wer schon einmal vorglühen möchte, kann dies am Tag des offenen Denkmals: Am 8. September werden Führungen durch das Rathaus angeboten um 12, 13, 14 und 15 Uhr. Es führen Rainer Metzendorf (Werkbund RLP) und Joachim Glatz (Landeskonservator i. R.) im Wechsel (Treffpunkt: vor dem Haupteingang, die Dachterrasse ist nicht begehbar). (kb, 23.8.19)

Mainz, Rathaus, der sog. Fuchsbau (Bild: MzMzMz, GFDL oder CC BY 3.0)

Mainzer Rathaus: Würdigung zum 40.

Mainzer Rathaus: Würdigung zum 40.

Rathaus, Mainz (Bild: MzMzMz, CC BY-SA 3.0 oder GFDL)
Immer ein Buch wert: das moderne Rathaus zu Mainz (Bild: MzMzMz, CC BY-SA 3.0 oder GFDL)

„Schandfleck oder Architekturdenkmal?“ – unter diesem Titel widmete sich eine Podiumsdiskussion im Februar 2013 dem Mainzer Rathaus. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt – und die Diskussion zeigte vor allem eins: Das Bauwerk vermag zu polarisieren. Seine Zukunft ist ungewiss, sowohl ein Abriss als auch eine Sanierung scheinen möglich. Ein jüngst erschienener Sammelband widmet sich nun der Geschichte und Bedeutung des Rathauses. Der Band erscheint pünktlich zu dessen 40. Geburtstag. Unter den Autoren finden sich viele der damaligen Diskutanten. Herausgegeben wurde der Band von Prof. Dr. Matthias Müller und Prof. Dr. Gregor Wedekind, die an der Mainzer Universität Kunstgeschichte lehren.

Das Mainzer Rathaus (1974) wurde 1968 von Arne Jacobsen und Otto Weidling entworfen. In seiner Monumentalität sollte es für das neue Selbstbewusstsein des wiederaufgebauten Mainz stehen. Heute präsentiert es sich als dringend sanierungsbedürftig. Mit dem Sammelband erfährt er erstmals eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung. Das Buch zeigt nicht nur seinen Wert als Baudenkmal, sondern weist auch auf die historische Bedeutung im Kontext des bundesrepublikanischen Rathausbaus hin. (jr, 9.1.15)

Müller, Matthias/Wedekind, Gregor (Hg.), Das Mainzer Rathaus. Politische Architektur in der deutschen Nachkriegsmoderne, Schnell + Steiner, Regensburg 2014, 160 Seiten, ISBN 978-3-7954-2966-9.