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Den_Haag, Relief Houtrustweg Bild: Wikifrits, CC0)

Auf zu M. C. Escher!

… aber passen Sie auf, wenn Sie sich auf den Weg zu ihm machen  – eine Treppe, die zu sich selbst führt, ein Wasserlauf, der sich gleichzeitig auf den Betrachter zu- und von ihm wegbewegt, eine unmöglich kombinierte Lattenkiste: Das Werk des Niederländers (Maurits Cornelis) M. C. Escher (1898-1972) ist weltbekannt, vor allem seine perspektivischen Unmöglichkeiten. Für Laien ist Escher selbstredend ein großer Künstler. Doch für Kunsttheoretiker war er nie so recht einzuordnen. Unter Fachleuten galt er aufgrund seiner Faszination für Perspektive und geometrische Formen zeitlebens eher als mathematischer Grafiker denn als klassischer Künstler. So wurde M. C. Escher oft in Mathematik-Vorlesungen eingeladen, obwohl er laut eigener Aussage nicht die geringste Ahnung davon hatte.

Bis zum 28. Oktober präsentiert das Fries Museum im niederländischen Leeuwarden, seiner Geburtsstadt, nun eine Ausstellung mit Werken M. C. Eschers.  Unter dem Titel „Escher auf Reisen“ bildet die Schau mit Originaldrucken, Zeichnungen, Fotografien und Objekten einen Querschnitt durch das Schaffen des reiselustigen Künstlers. Einige der Werke, die in der Werkschau zu sehen sind, wurden jahrzehntelang nicht in den Niederlanden ausgestellt. Auch Baukunst entstand nach Entwürfen Eschers, so das Vogel-Fisch-Relief in Scheveningen- Übrigens:  1919 betrieb M. C. Escher tatsächlich ein Architekturstudium – für eine Woche! (db, 2.5.18)

M.C.-Escher-Relief, Scheveningen, Houtrustweg (Bild: Wikifrits, CC0)

Kraftwerk Birsfelden (Bild: Thomas Riehle; Sammlung Wilfried Dechau)

Bilder von Tomas Riehle

Im Juli 2017 starb Tomas Riehle, einer der stilbildenden und treffsichersten Architekturfotografen Deutschlands. Nun widmet ihm die Stiftung Insel Hombroich die Ausstellung Thomas Riehle. Fotografie. Der Ort der Schau ist mehr als angemessen: Über zwanzig Jahre lang lichtete der Wahl-Rheinländer die begehbaren Skulpturen und die Bauten der Kulturlandschaft Hombroich in Neuss ab. Im Laufe der Zeit entstanden ikonische Bilder des von seinem einstigen Professor Erwin Heerich initiierten Museumsareals, das 1987 eröffnet wurde.

Im dortigen Siza Pavillon sind 46 Bildern mehrerer Werkreihen aus über vierzig Jahren des fotografischen Wirkens Thomas Riehles zu sehen: künstlerische Auseinandersetzungen mit dem bebauten, inszenierten und umbauten Raum. Darunter auch Aufnahmen der Rheinbrücken, die Riehle in einem lange Jahre dauernden Projekt komplett ablichtete – so auch jene am Schweizer Kraftwerk Birsfelden (1953/54). Kuratiert wurde die Retrospektive von Katsuhito Nishikawa. Am Sonntag, 6. Mai findet im Rahmen der Ausstellung ein Vortrag mit dem Titel „Wenn Architekten träumen…“ von Rolf Sachsse statt. Der Fotograf, Autor und Professor für Designgeschichte und -theorie an der HBK Saar promovierte zum Thema Fotografie als Medium der Architekturinterpretation und war bis 1994 Professor für Fotografie in Krefeld. (db, 22.4.18)

Kraftwerk Birsfelden (Bild: Thomas Riehle, Sammlung Wilfried Dechau)

Wien Architekturzentrum, Ausstellungsplakat; www.azw.at

Willkommen im Dschungel

Bauen könnte so schön sein – wenn das Dickicht aus Paragraphen und Vorschriften nicht immer dichter werden würde. Zu allem Überfluss sind etliche auch international nicht genormt. Und dass es schier herrliche Vorschriften gibt, zeigt die Ausstellung „Form folgt Paragraph“, die bis zum 4. April 2018 im Architekturzentrum Wien zu  sehen ist. Sie klärt etwa darüber auf, dass österreichische Erde, die zum Bau eines Kellers ausgehoben und abtransportiert wird, nach zwei Kilometern Lkw-Fahrt von Gesetzes wegen zu Abfall mutiert. Es gibt heute 238 Seiten an Normen, die darum bemüht sind, den Spielplatz zu einer möglichst gefahrenlosen Zone zu erklären. Entsprechend gummiert, gepolstert und uninspiriert fällt die Gestaltung aus. Weil Kinderlärm hierzulande von den Lärmschutzbestimmungen ausgenommen ist, während in Deutschland mitunter Schallschutzmauern um Kinderspielplätze errichtet werden.

Die stetig steigenden Sicherheits- und Qualitätsstandards führen dazu, dass die Eigenverantwortung sinkt und die Wohlstandsgesellschaft klagefreudiger wird, erläutern die Kuratorinnen Karoline Mayer und Martina Frühwirth. Die Besucher der Ausstellung können diese Aussage mittels eines Tests selbst prüfen und mehr über eigene Sicherheitsansprüche herausfinden. Anhand von großformatigen Fallstudien, 1:1 Installationen, Interviews mit Baubeteiligten, aber auch Absurditäten und Anekdoten enhüllt die Schau welche kreativen Leistungen Architekten trotz all der Fülle an einschränkenden Faktoren im Rahmen ihrer Bauvorhaben erbringen. (db, 4.12.17)

Alekos Hofstetter/Florian Göpert, Høyblokka, 2014

Harte normierte Welt?

In diesen Tagen setzen sich gleich zwei Ausstellung künstlerisch mit der modernen Baukunst auseinander: In Dallas an der University of Texas ist bis zum 24. September die Präsentation „a hard place“ zu sehen. Vertreten sind Künstler aus ganz Europa: Alekos Hofstetter, Florian Göpfert, Oisin Byrne, Laure Catugier, Cunningham Architects, Chris Dreier, EVOL, Gary Farrelly, Dirk Krecker, Pádraic E. Moore, ScAle Architects, Christine Weber, Julia Zinnbauer und Matias Bechtold. Alekos Hofstetter (und Florian Göpfert) setzen sich seit 2012 im Werkzyklus „Tannhäuser Tor“ mit moderner Baukunst auseinander.

Christoph Liepach hingegen verfolgt die modernen Zeugen der Stadtentwicklung und ihre Veränderungsprozesse mit der Kamera. Mit seinem Werk ist er aktuell in der Ausstellung „Normierte Welt. Zwischen Anspruch und Aneignung von DDR-Architektur heute“ vertreten. Neben Liepach widmen sich hier ebenso die Fotografen Fabian Heublein und Louis Volkmann (kuratiert von Stefan Kausch „in Kollaboration“ mit den Fotografen) dem Thema „Zwischen Anspruch und Aneignung von DDR-Architektur heute“. Die Ausstellung steht im Rahmen von und mit freundlicher Unterstützung von OSTLichter Kulturfestival und Freiraum Festival 2017. Noch bis zum 17. September ist die Präsentation im Leipziger Pöge-Haus (Hedwigstraße 20) zu bestaunen. (kb, 31.8.17)

Bilder: Alekos Hofstetter/Florian Göpert, Høyblokka, 2014

Onlinearchiv M:AI (Bild: M:AI)

Nieder mit der Finissage!

Die Ausstellung muss ich unbedingt noch sehen … geht ja noch ’ne Weile … wie, Donnerstag ist Finissage?? Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, werden Sie das Onlineangebot des Museums für Architektur und Ingenieurskunst NRW (M:AI) lieben. In seinem neuen Onlinearchiv bietet das Haus dauerhaft Zugang zu seinen sämtlichen vergangenen Ausstellungen.

Das M:AI verfolgt damit konsequent seinen Anspruch, als mobiles Museum ohne festen Ausstellungsort „immer vor Ort, niemals am selben“ zu sein. Die Sonderausstellungen des 2005 gegründeten Hauses finden meist an Orten statt, die eng mit dem behandelten Thema verknüpft sind. Dabei fungiert das Ausstellungsgebäude idealerweise als größtes Exponat und bestimmt die Ausstellungsarchitektur. Neben thematischen Informationen macht das Onlinearchiv  seine spezifischen Ausstellungsinszenierungen mit Videos und Bildergalerien wieder lebendig. Auch wenn ein virtueller Rundgang nicht an den Museumsbesuch heranreicht, verlieren damit doch jene eindrücklichen Plakate ihren Schrecken, die mit Parolen wie „NUR NOCH DIESE WOCHE“ und „LETZTE CHANCE!“ das schlechte Kulturgewissen stimulieren. (jr, 27.7.17)

Bild: Online-Archiv des M:AI (Screenshot)