Ludwigshafen macht Platz

Da haben auch keine bunten Pflaster mehr geholfen: Nach monatelangen Vorbereitungen ist am 11. Juni in Ludwigshafen der Teilabriss der maroden Hochstraße Süd gestartet. Vor den Augen von Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) und zahlreicher Schaulustiger brach eine 70 Tonnen schwere Baumaschine am Donnerstag das erste Stück der wuchtigen Betonkonstruktion ab. Der Stadt zufolge ist zunächst die Demontage einer etwa 120 bis 130 Meter langen Trasse geplant. Insgesamt sollen bis Oktober 2020 rund 580 Meter abgebrochen werden. Der Abriss des auf den markanten, pilzförmig auskragenden Pfeilern ruhenden Teilstücks ist wohl unvermeidbar, weil es statischen Untersuchungen zufolge einsturzgefährdet war. Die 61 Jahre alte Süd-Trasse gilt mit der ebenfalls maroden Hochstraße Nord als zentrale Verkehrsachse der Region.

Errichtet wurde das nun fallende älteste Teilstück des Ludwigshafener Hochstraßennetzes 1959 als Teil des Projekts „Visitenkarte„, das der BASF-Stadt zu mehr Attraktivität verhelfen sollte – und in seiner autogerechten, betonsatten Auslegung exemplarisch für die Stadtplanung der späten 1950er Jahre war. Auch der 1969 eingeweihte Hauptbahnhof zählt zum Gesamtkonzept; auf den freigewordenen Flächen des alten Bahnhofs wurde 1970-81 die mittlerweile gleichfalls zum Abriss vorgesehene Hochstraße Nord gebaut. Sie soll in den kommenden Jahren durch eine ebenerdige Verkehrsführung ersetzt werden, das Teilstück der Hochstraße Süd wird hingegen neu errichtet. (db, 13.6.20)

Ludwigshafen, Hochstraße Süd, Detail 2019 (Bild: Koffeinist, CC BY-SA 4.0)

Ludwigshafen: Hochstraßen am Tiefpunkt

Ende der 1950er Jahre begann in Ludwigshafen ein städtebaulicher Aufwertungsprozess, der aus der Chemie-Stadt eine attraktive Metropole zaubern sollte. Zu den realisierten Maßnahmen zählen das Rathauscenter, die Hochstraße Nord und die Hochstraße Süd. Diese Stadtautobahnen sind Symbole einer inzwischen historischen, verkehrsgerechten Planung und rahmen das Zentrum. Wer von Mannheim mit dem Auto oder dem Zug nach Ludwigshafen fährt, über die filigranen Rampen der Konrad-Adenauer-Brücke, vorbei am postmodernen Bahnhof „Mitte“ und am sogenannten Mosch-Hochhaus, kommt dem urbanen Eindruck, der den Planern vorschwebte wohl am Nächsten. Doch die Hochstraßen sind nicht nur stadtbildprägend und ökonomisch elementar, sondern auch akut sanierungsbedürftig.

Wie die SZ berichtet, ist die Hochstraße Süd (eingeweiht 1968) seit dem 22. November wegen statischer Mängel für den Verkehr gesperrt. Aufgrund der komplexen Konstruktionsweise des betroffenen Abschnitts, ist die „Pilzhochstraße“ in aller Munde. Teilweise ursächlich ist die Verkehrsbelastung: Dort wo zur Zeit der Eröffnung noch Käfer und Kadett rollten, reihen sich inzwischen SUVs und LKW. Ein Abriss wurde bereits vom Stadtrat beschlossen, der Rheinpfalz zufolge ist aber noch unklar, wie das Bauwerk ersetzt werden könnte. Jüngst mussten begonnene Baumfällarbeiten wieder eingestellt werden. So dürfte das Artefakt einstiger ingenieurstechnischer Innovation den heutigen Planern noch länger Kopfzerbrechen bereiten. (mk, 19.12.19)

Ludwigshafen, Hochstraße (Bild : Immanuel Giel, PD)

Heidelberg wird entmodernisiert

Nicht überall geht Heidelberg so behutsam mit seinem architektonischen Erbe um wie in der Altstadt. Viele bauliche Spuren der Nachkriegszeit sollen offenbar getilgt werden, so jedenfalls an der Kurfürstenanlage. Nachdem man den Hauptbahnhof 1955 an den damaligen Stadtrand verlegt hatte, waren große Flächen frei geworden. Darauf entstand die mehrspurige Verkehrsachse Kurfürstenanlage, an der über die Jahre eine aufgelockerte Zeilenbebauung gebaut und ein Park angelegt wurde. Nachdem bereits das Finanzamt und die Justizbauten weichen mussten, soll nun der östliche Teil der Kurfürstenanlage neu bebaut werden. Dabei könnte auch der nach seinem Architekten Jakob Wilhelm Mengler benannte Menglerbau – ein 1961 errichtetes Wohnhochhaus – fallen. Aus Sicht des Eigentümers sprächen, so die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ), in erster Linie ästhetische Gründe dafür.

Doch der Menglerbau ist nicht das einzige Bauwerk der Moderne, das Investoren und Stadtverwaltung ersetzen wollen. So wird mit Heidelbergs erster Bauhaus-Filiale aus dem Jahr 1965 zugleich die erste Hochgarage der Stadt dem Erdboden gleich gemacht werden. Bereits zum 16. November schließt der Baumarkt, wie die RNZ berichtet. Ein erster Entwurf des Investors Diringer & Scheidel sieht eine nahezu vollständige Überbauung des Grundstücks unter Einbezug der bisherigen Freiflächen des Busbahnhofs vor. (mk, 7.10.19)

oben: Heidelberg, Menglerbau (Bild: Radosław Drożdżewski, CC BY SA 3.0, 2013); unten: Heidelbeg, Bauhaus-Filiale (Bild: bauhaus.info)