Gießen genießen!

Zugegeben, der Kalauer hat einen Bart. Seit Jahrzehnten dient er Studenten, die es in die mittelhessische Universitätsstadt verschlagen hat, als selbstironische Durchhalteparole angesichts der scheinbar ästhetisch reizlosen städtischen Umgebung. Tatsächlich sucht man hier Fachwerkgiebel und Barockkirche vergebens. Dass auch die Gießener Nachkriegsmoderne mit anspruchsvoller Architektur und zu ihrer Zeit hochmoderner Planung verbunden war, verdeutlicht am 13. Mai um 18 Uhr ein Vortrag des Architekten Paul-Martin Lied im ZIBB (Hannah- Arendt-Straße 8-10, 35394 Gießen).

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gießener Innenstadt zu 90 % zerstört. Dies war die Grundlage einer städtebaulichen Anlage, die den letzten Erkenntnissen des Städtebaus entsprach und Gießen durch weiträumige Fußgängerzone, autogerechtes Verkehrssystem und Behördenhochhaus zur archetypischen 50er-Stadt transferierte. Teile dieser Bebauung wurden inzwischen wieder abgerissen, andere, wie die elegante und denkmalgeschützte Universitätsbibliothek von 1959, harren der Sanierung. Der Vortrag lädt Neu-Gießener und Alteingesessene zu einem differenzierten Blick auf die jüngste Baugeschichte der Stadt ein. Das Sahnehäubchen: Der Gießen-Genuss hat auch eine kulinarische Dimension, es gibt zeittypische 50er-Snacks! (jr, 9.5.17)

Gießen, Alte UB (Bild: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, via Deutsche Digitale Bibliothek, © Rechte vorbehalten – freier Zugang)

Die Verkehrsfrage

Die Verkehrsfrage

Verkehrsfrage Berlin (Bild: Hermann-Henselmann-Stiftung)
Verkehrsfrage Berlin (Bild: Hermann-Henselmann-Stiftung)

2020 steht das 100-jährige Jubiläum von „Groß-Berlin“ an. 1920 wurde die Hauptstadt der Weimarer Republik per Gesetz zur Großstadtregion erklärt, zahlreiche bis dahin unabhängige Orte vor den Grenzen Berlins eingemeindet. Die Hermann-Henselmann-Stiftung nutzt das anstehende Jubiläum seit 2016, um bis zur 100-Jahrfeier in jährlichen Kolloquien einen Blick auf die Entwicklung der Stadt zu werfen. Nachdem im letzten Jahr die Wohnungsfrage im Fokus stand, dreht sich das zweite Kolloquium am 11. Februar 2017 im DAZ (Köpenicker Straße 48-49, Berlin) um die Verkehrsfrage.

Groß-Berlin war ebenso eng mit dem aufkommenden Schnellbahnverkehr verknüpft wie mit den Planungsgrundsätzen der autogerechten Stadt und der rasanten Entwicklung der Luftfahrt. Bahnhöfe und Flughäfen wurden zu Knotenpunkten der Stadt, die sich durch ihr Wachstum immer neuen logistischen Herausforderungen stellen musste. Die Konferenz nähert sich neben den historischen Antworten auf die Berliner Verkehrsfrage auch aktuellen Problemstellungen zu. Wie kann etwa eine nachhaltige Verkehrsplanung einer Großstadtregion in Zukunft aussehen? Und welche Rolle könnten die neuen und alten Flughäfen der Hauptstadt in Zukunft spielen? Der Eintritt zur Veranstaltung beträgt 10/6 Euro, anmelden kann man sich hier. (jr, 3.2.17)

Auto. Stadt. Geschichte

Auto. Stadt. Geschichte.

Die autogerechte Stadt (hier Ludwigshafen von ganz unten) zählt zu den überkommenen Leitbildern (Bild: Immanuel Giel)
Die autogerechte Stadt (hier Ludwigshafen von ganz unten) zählt zu den überkommenen Leitbildern (Bild: Immanuel Giel)

Organisiert vom Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung mit dem Centre for Urban History der Universität Leicester, diskutiert das Symposium „Städtische Automobilität im Wandel“ die Geschichte des städtischen Verkehrsmanagements im Kontext von Städtebau und urbaner Kultur aus internationaler wie interdisziplinärer Perspektive. Die Veranstaltung im Berliner „InnoZ – Innovation Center for Mobility“ bringt von 16. bis 18. September 2015 Stadt- und Planungshistoriker, Geographen, Transportspezialisten, Städtebauer und Ingenieure ins Gespräch über die Geschichte einer Technologie und Kultur, welche die europäische Stadt in ihren Strukturen stark geprägt hat.

Das Symposium wird sich mit einer Reihe von Einzelfragen auseinandersetzen: von den Mustern der Verkehrsregelung vor der Ankunft des Automobils über den transnationalen Austausch von Ideen und Fachwissen zum Verkehrsmanagement bis zur Vielfalt städtebaulicher Konzepte zur Steuerung des Autoverkehrs. Die Konferenzsprache ist Englisch und Deutsch, es ist noch eine begrenzte Anzahl von Teilnehmerplätzen verfügbar. Anmeldungen sind bis zum 31. August 2015 möglich unter: petra.geral@irs-net.de, 03362/793-142. (db, 24.8.15)